22.01.13

Daniel Bahr

Was die FDP und McDonald's vereint

Nach dem FDP-Machtpoker gesteht Bahr dem Spitzenkandidaten Rainer Brüderle die Hauptrolle zu. Der Gesundheitsminister erklärt auch, was Liberale, Dschungelcamp und McDonald's gemeinsam haben.

Foto: dapd

Daniel Bahr reklamiert für sich, schon vor Monaten eine Teamaufstellung der FDP-Spitze für die Bundestagswahl vorgeschlagen zu haben
Daniel Bahr reklamiert für sich, schon vor Monaten eine Teamaufstellung der FDP-Spitze für die Bundestagswahl vorgeschlagen zu haben

Berliner Morgenpost: Herr Bahr, Rösler hat als FDP-Chef drei Landtagswahlen in Folge gewonnen, zuletzt im eigenen Bundesland. Trotzdem wird er nicht Spitzenkandidat für die Bundestagswahl. Welchen Sinn ergibt das?

Daniel Bahr: Ich habe schon vor Monaten vorgeschlagen, dass wir ein Team für die Bundestagswahl bilden – mit den Vorsitzenden von Partei und Fraktion an der Spitze.

Wenn die FDP ihre Stärken bündelt und mit unterschiedlichen Charakteren in den Wahlkampf zieht, kann sie Vertrauen zurückgewinnen. Die Botschaft von Niedersachsen ist ein Auftrag: Wir müssen gemeinsam und nicht gegeneinander in der Führung arbeiten. Wir überzeugen durch Inhalte. Wir haben verstanden: Die Selbstbeschäftigung muss ein Ende haben.

Berliner Morgenpost: Was kann Brüderle, was Rösler nicht kann?

Bahr: Ach, das sind zwei ganz unterschiedliche Typen. Rainer Brüderle ist ein anderer Redner als Philipp Rösler. Er spricht auch andere Menschen an. Die FDP sollte sich in dieser Situation nicht auf eine einzige Person verlassen, sondern Stärken bündeln.

Berliner Morgenpost: Rösler war bereit, auch den Parteivorsitz an Brüderle abzugeben – doch der hat nicht zugegriffen. Aus Mangel an Mut?

Bahr: Diesen Vorschlag haben beide gemeinsam gemacht. Das spricht auch für beide. Jetzt geht es darum, das Führungstandem Brüderle/Rösler zu unterstützen. Wer jetzt neue Diskussionen anzettelt, der schadet der FDP.

Berliner Morgenpost: Wer ist die Nummer eins? Rösler oder Brüderle?

Bahr: Rainer Brüderle ist die Nummer eins. Er ist das Gesicht der FDP für die Bundestagswahl.

Berliner Morgenpost: Wie schlagkräftig ist ein Spitzenkandidat, der lieber nicht Parteichef werden will?

Bahr: Das hat es doch schon in allen Parteien gegeben, dass Spitzenkandidatur und Parteivorsitz in unterschiedlichen Händen liegen. Philipp Rösler nutzt das hervorragende Wahlergebnis von Niedersachsen, um die FDP insgesamt zu verstärken. Die FDP hat so mehr zu bieten.

Berliner Morgenpost: Brüderle selbst hat mehrfach gesagt, dass eine Trennung von Spitzenkandidatur und Parteivorsitz nicht sinnvoll sei.

Bahr: Solche Aussagen kenne ich nicht.

Berliner Morgenpost: Gibt es Parteifreunde, die sich bei Rösler entschuldigen müssen?

Bahr: Wir sollten jetzt nicht zurückblicken. Ich freue mich, dass die Wähler sich von manchem Querschuss nicht beeindrucken ließen. Leider hat es am Ende für Schwarz-Gelb nicht gereicht. Aber wir haben eine großartige Aufholjagd hingelegt. Das sollte uns motivieren für die Bundestagswahl. Wir haben alle Chancen.

Berliner Morgenpost: Werben Sie wieder um die Zweitstimmen der Unionsanhänger? Brüderle wählen, damit Merkel Kanzlerin bleibt?

Bahr: Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen haben gezeigt, dass die FDP in unterschiedlichen Konstellationen mehr als acht Prozent bekommen kann. Wir haben alle Lügen gestraft, die die FDP totgesagt haben.

Ich sehe auch bei der Bundestagswahl ein Potenzial von acht Prozent plus für die Liberalen. Die Umfragen sind da begrenzt aussagekräftig, wie wir gesehen haben. Bei McDonald's oder dem Dschungelcamp ist es ähnlich: Nur wenige bekennen sich öffentlich, und trotzdem sind sie erfolgreich.

Berliner Morgenpost: Interessant, in welches Umfeld Sie die Marke FDP einordnen.

Bahr: Nein. Ich ordne nichts ein, sondern erkläre ein offensichtliches Verhalten, das wir erleben. Es geht darum, dass Menschen sich auf Nachfrage nicht immer zu dem bekennen, was ihnen lieb ist, sich aber letztlich dafür entscheiden, wenn es ernst wird und Alternativen sichtbar werden.

Berliner Morgenpost: Brüderle hat in Rheinland-Pfalz lange mit der SPD regiert. Wird das jetzt auch im Bund eine Option?

Bahr: Das Spitzenduo Brüderle/Rösler will den Erfolg der schwarz-gelben Koalition. Die wollen wir fortsetzen zum Wohl unseres Landes.

Berliner Morgenpost: Und wenn es nicht reicht?

Bahr: Wenn wir uns auf die Stärken konzentrieren, bin ich sicher, dass es reicht für Schwarz-Gelb.

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