18.01.13

Demografie

Pflegebedürftige werden meistens zu Hause versorgt

Viele Senioren haben Angst, im Alter ins Heim abgeschoben zu werden. De facto werden die meisten Pflegebedürftigen aber noch immer von den Angehörigen versorgt. Doch der Trend ist ein anderer.

Foto: dapd

Über zwei Drittel aller Patienten werden zu Hause versorgt. Ende 2011 waren das 1,76 Millionen von insgesamt zweieinhalb Millionen Alten, Kranken und Behinderten
Über zwei Drittel aller Patienten werden zu Hause versorgt. Ende 2011 waren das 1,76 Millionen von insgesamt zweieinhalb Millionen Alten, Kranken und Behinderten

Immer mehr Menschen sind in Deutschland auf Pflege angewiesen. Anders als man vielleicht erwarten könnte, wird das Gros der Pflegebedürftigen nicht etwa in Pflege- und Altersheimen versorgt. Tatsächlich tragen die Angehörigen auch in Zeiten sich auflösender Familienstrukturen noch immer die Hauptlast der Versorgung.

Wie das Statistische Bundesamt heute in Wiesbaden mitteilte, werden über zwei Drittel aller Patienten zu Hause versorgt. Ende 2011 waren das 1,76 Millionen von insgesamt zweieinhalb Millionen Alten, Kranken und Behinderten.

Lediglich ein Drittel der Menschen, die im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes als pflegebedürftig gelten, werden in Heimen betreut – was 743.000 Personen. Von den 70 Prozent, die zu Hause versorgt werden, stemmen die Angehörigen in immerhin 1,18 Millionen Fällen die Pflege allein.

Nur 576.000 bekamen in ihren eigenen vier Wänden – zusätzlich oder ausschließlich – Hilfe von ambulanten Pflegediensten.

Zahl der Pflegebedürftigen steigt seit Jahren

In Folge der Alterung der Gesellschaft steigt der Anteil der Pflegebedürftigen an der Gesamtbevölkerung hierzulande seit Jahren an – ein Trend, der angesichts der im europäischen Vergleich niedrigen Geburtenrate in Deutschland auch weiterhin anhalten dürfte.

So gehen Studien etwa davon aus, dass sich allein die Zahl der gegenwärtig 1,2 Millionen Demenzkranken bis 2060 auf dann 2,5 Millionen mehr als verdoppeln wird.

Damit läuft auf das Land nicht zuletzt eine riesige Kostenlawine zu; schon heute mangelt es noch dazu an geeigneten Pflegekräften, die all die Pflegebedürftigen entsprechend versorgen können. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hatte jüngst prognostiziert, dass die Fachkräftelücke in diesem Bereich bis zum Jahr 2030 eine halbe Million erreichen werde.

Ambulante Pflege nimmt zu

Dem statistischen Bundesamt zufolge ist die Zahl der Pflegebedürftigen, die in Heimen versorgt werden, seit 2009 de facto um 3,6 Prozent gestiegen. Zugleich nahm auch die Zahl der Menschen um 3,8 Prozent zu, die durch ambulante Dienste in ihren Privatwohnungen unterstützt werden.

Wie stark die Zahl derjenigen gewachsen ist, die ausschließlich durch Angehörige versorgt werden, ist laut Destatis statistisch schwer zu erfassen. Stützt man sich auf die Daten der Pflegekassen, könnten es rund zehn Prozent mehr sein. Daten des Bundesgesundheitsministeriums zu den Leistungsempfängern der Pflegeversicherung zeigen einen viel geringeren Zuwachs um zwei Prozent. Ursache seien Änderungen bei der Datenmeldung.

Mehr als ein Drittel der zu Pflegenden ist älter als 85 Jahre. Da Frauen tendenziell ein höheres Lebensalter erreichen als Männer, sind 65 Prozent aller Pflegebedürftigen weiblich.

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