10.01.13

Linguistik

Spracherwerb beginnt schon im Mutterleib

Schon Säuglinge hören, wenn jemand nicht die Muttersprache spricht. Forscher schließen daraus, dass Neugeborene erste Erfahrungen mit der eigenen Sprache bereits im Mutterleib gemacht haben müssen.

Foto: picture-alliance/ ZB

Bislang glaubte man, dass Neugeborene ohne sprachliche Vorkenntnisse auf die Welt kommen und erst durch Einflüsse nach der Geburt lernen. Dem ist nicht so
Bislang glaubte man, dass Neugeborene ohne sprachliche Vorkenntnisse auf die Welt kommen und erst durch Einflüsse nach der Geburt lernen. Dem ist nicht so

Einer im Journal "Acta Paediatrica" veröffentlichten Studie zufolge hört der Mensch sehr früh, wenn jemand nicht seine Mutterspache spricht. Das ist nicht erst so, wenn das Menschenkind selbst in der Lage sind zu sprechen, sondern bereits viel früher. Neugeborene können diese Unterscheidung einer Studie zufolge bereits wenige Stunden nach der Geburt machen.

Um dies zu untersuchen, spielten Wissenschaftler um Christine Moon von der Pacific Lutheran University in Tacoma im US-Bundesstaat Washington jeweils 40 amerikanischen und 40 schwedischen Kindern Vokale im Idiom der beiden Sprachen vor. Während der Untersuchung hatten die Kinder einen speziellen Schnuller im Mund, der die Saugbewegungen der Säuglinge aufzeichnete. So lange sie saugten, wurde ein Laut vorgespielt.

Vokale wurden verwendet, weil eine frühere Studie gezeigt hatte, dass diese früher wahrgenommen werden können als Konsonanten. Dies ist nicht weiter überraschend, schließlich sind Vokale lauter, länger anhaltend und tragen mehr Melodie und Rhythmus als Konsonanten.

Neugierde durch Saugen bekundet

Dieser Konsonant wurde solange wiederholt, bis die Neugeborenen für eine Sekunde mit dem Saugen aufhörten. Saugten sie danach erneut, wurde ein neuer Laut gespielt. "Durch das Saugen bekunden die Säuglinge ihre Neugierde", sagt Moon.

Sie und ihre Kollegen konnten zeigen, dass die Babys mehr saugten, wenn sie einen Vokal in der Fremdsprache hörten. Sie zeigen also eine größere Neugierde im Hinblick auf die Fremdsprache, was Moon darauf zurückführt, dass diese im Gegensatz zur eigenen Sprache unbekannt ist.

Die Erfahrungen mit der eigenen Sprache müssen die Neugeborenen folglich bereits im Mutterleib gemacht haben, schlussfolgert Moon.

Lernprozess nach Reaktion auf Vokale

Bereits 12 bis 13 Wochen vor der Geburt sind Föten in der Lage, Töne wahrzunehmen. Zum Ende der Schwangerschaft zeigt sich bei Föten dann durch einen Wechsel der Herzschlagrate sogar eine Reaktion auf die Vokale. Dennoch war bisher nicht bekannt, ob dieses Erkennen auch zu einem Lernprozess im Mutterleib beiträgt. Vielmehr glaubte man, dass Neugeborene ohne sprachliche Vorkenntnisse auf die Welt kommen und erst durch Einflüsse nach der Geburt lernen.

Eben auf einen solchen Lernprozess könnten Moons Ergebnisse hinweisen, wobei weitere Studien mit einer größeren Stichprobe notwendig wären um genauere Aussagen treffen zu können.

Quelle: rwi
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