09.01.13

Wiesenthal-Zentrum Antisemitismus-Vorwurf gegen Augstein konkretisiert


Der Journalist Jakob Augstein wurde vom amerikanischen Simon-Wiesenthal-Zentrum auf eine Rangliste der zehn weltweit schlimmsten Antisemiten aufgenommen. Jetzt relativiert die Organisation ihre Vorwürfe – jedenfalls ein wenig

Foto: Clemens Bilan / dapd

Der Journalist Jakob Augstein wurde vom amerikanischen Simon-Wiesenthal-Zentrum auf eine Rangliste der zehn weltweit schlimmsten Antisemiten aufgenommen. Jetzt relativiert die Organisation ihre Vorwürfe – jedenfalls ein wenig Foto: Clemens Bilan / dapd

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum konkretisiert seine Vorwürfe: Jakob Augstein äußere sich zwar kritisch gegen Israel, was aber nicht heiße, dass er Juden hasse. Er bleibt aber auf der Antisemiten-Liste.

Das amerikanische Simon-Wiesenthal-Zentrum hat seinen Antisemitismus-Vorwurf gegen den Journalisten und Verleger Jakob Augstein differenziert – zumindest ein wenig.

In einer Rangliste des Zentrums seien israelkritische Äußerungen Augsteins zu den zehn schlimmsten weltweit gezählt worden – das bedeute aber nicht automatisch, dass Augstein ein Antisemit sei. "Wir sprechen nicht von der Person, sondern von den Zitaten", stellte der für die Liste mitverantwortliche Rabbi Abraham Cooper klar.

Wie über Augstein zu urteilen sei, hänge letztlich von dessen Reaktion auf die Vorwürfe ab. "Sprechen wir von antisemitischen Äußerungen, bei denen sich die Person vielleicht gar nicht bewusst war, eine Grenze zu überschreiten? Oder geht es um jemanden mit einem Antisemitismus-Problem – der sich dieses Problems bisher gar nicht bewusst war -, oder sprechen wir von einem Antisemiten?"

"Er hat sich noch nicht entschuldigt"

Augstein habe es gewissermaßen selbst in der Hand, sagte Cooper. "Soweit ich weiß, hat er sich zu den Details noch nicht geäußert, aber genau darauf schauen wir. (...) Er hat sich noch nicht entschuldigt."

Die US-Menschenrechtsorganisation hatte die Aufnahme Augsteins in die Top-Ten-Liste mit mehreren Zitaten belegt. Darin schließt sich der 45-Jährige der Einschätzung des Literatur-Nobelpreisträgers Günther Grass an, die Atommacht Israel sei eine Gefahr für den Weltfrieden. Zudem vergleicht er die ultraorthodoxen Juden in Israel mit islamischen Fundamentalisten.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte sich von den Vorwürfen gegen Augstein distanziert und dem Simon-Wiesenthal-Zentrum unzureichende Recherche vorgeworfen.

(hoc/dpa)
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