08.01.13

Helmut Berger

"Ich bin ein Weltstar – und wer seid Ihr?"

Bevor es ins Dschungelcamp geht, zeigt sich Helmut Berger in einem verschwenderisch illustrierten Bildband voller zärtlicher Fotos. Sie sollen zeigen, was er einmal war und noch immer gerne wäre.

Von Manuel Brug
Foto: Helmut Berger

Der österreichische Filmschauspieler Helmut Berger zählte in den 1960er- und 1970er-Jahren zu Europas bekanntesten Schauspielern. Die Zusammenarbeit mit dem italienischen Regisseur Luchino Visconti ...

14 Bilder

Was ist Schönheit? Sicher nicht das Glatte, Liebliche, Perfekte. Schönheit hat mit Intensität zu tun, sie soll an die Seele greifen, in Schwingungen versetzen. Schönheit muss Begehren wecken. Wenn man das Bild des achtjährigen Helmut Berger am Tag seiner Erstkommunion 1952 betrachtet, dann blickt man in ein ebenmäßiges, nicht unbedingt schönes Kindergesicht.

Noch sind diese Züge weich, doch in den Augen ergründet man schon etwas Altes, einen erwachsenen, irgendwie müden Blick auf dDie Welt. Und auch der Mund hat bereits diesen ambivalenten, halb spöttischen, halb grausamen Zug. Man schaut nicht gelangweilt durch ihn hindurch, man blickt diesen Jungen an. Weil er schön ist. Auf seine besondere Art.

Ein Mensch, dem vieles geschenkt wurde

Er hätte gern mehr Komödie gespielt, sagt der alte, heute 68-jährige Helmut Berger, er sei eigentlich ein lustiger Mensch. Ob das eine Illusion ist, wie so vieles in diesem sehr singulären Leben? Halten wir uns lieber an das, was war und was er eben in einem verschwenderisch illustrierten, handsignierten Bildband als seine Sicht der Dinge ausbreitet.

Da ist ein Mensch, der neugierig ist, offen, attraktiv, unternehmungslustig, dem vieles geschenkt wurde. Der zur perfekten Projektionsfläche wurde, vor allem für seinen Svengali Luchino Visconti, der den unschuldigen, aber doch schon wissenden Österreicher in die Kunst, das Leben und die Liebe einführt. So wird er zum Spielzeug der Reichen, aber nicht so Schönen, des sich glamourös in den Illustrierten der Sixties und frühen Seventies entfaltenden Mittelmeer-Jetsets.

Er ist der Liebhaber eines kunstsinnigen Kommunisten und stolzen Abkömmlings einer uralten Adelsfamilie, für die er Persona non grata bleibt. Er lacht mit italienischen Contessas auf Ischia, zieht mit Ursula Andress und Marisa Mell durch Rom, trinkt mit der Callas auf der Onassis-Jacht, hat Affären mit Rudolf Nurejew und Mick Jagger. Nichts muss, alles kann. Er gleitet durch Milieus, Betten und Substanzen: Das Leben ist eine einzige sonnenbeschienene Party.

Der kalte, bisexuelle Terroristennarziss

Da ist aber auch immer wieder dieser besessene Spieler, dieser Kerl, der eine Liebesaffäre mit der Kamera zu haben scheint. Wie magisch saugt er ihr Objektiv an. Er gibt besonders gern die blonde Bestie, den perversen Nazi, als der er in Viscontis "Die Verdammten" 1969 zu Weltruhm kommt, der Marlene Dietrich imitiert ("Guess, who's prettier", schrieb sie ihm amüsiert), mit der eigenen Mutter schläft und sie Selbstmord begehen lässt. Er findet seine Lebensrolle als Ludwig II., den er an der Seite der noch einmal mit Bitterkeit zur Sissi zurückkehrenden Romy Schneider somnambul umwölkt in schweren Kostümen gibt.

Und da ist der kalte, bisexuelle Terroristennarziss, der in "Gewalt und Leidenschaft" mit seiner Familie in das behütete Gelehrtenleben Burt Lancasters einbricht. Wenn sich beider Blicke, hin- und hergerissen zwischen Anziehung und Abgestoßensein, nachts im halbdunklen Zimmer treffen, wo sich der nackte, rauchende Berger gerade einer Frau und einem Mann hingegeben hat, während die italienische Schlagersängerin Iva Zanicchi mit rauer Stimme "Testarda Io, La Mia Solitudine" gurrt, dann ist in diesem Moment die ganze Faszination dieses phänomenalen Wesens eingefangen.

Ein Popgöre namens Blümchen

Und man begreift dann auch, warum dieser Mensch noch Jahrzehnte später darauf beharrt: "Ich bin ein Weltstar, und wer seid ihr?" Was immer auch meint, dass sich Leben und Kunst in diesem Dasein zur Aura vermischt haben, vielleicht nicht immer im besten Verhältnis. Was hat etwa eine gewesene Popgöre namens Blümchen dem entgegenzusetzen?

"Wer die Schönheit angeschaut mit Augen, ist dem Tode schon anheimgegeben", schrieb der homosexuelle August von Platen. Diese wissende Schönheit, sie steckt schon in den Augen des achtjährigen Helmut Berger.

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