05.01.13

Antisemitismus

Zweite jüdische Organisation kritisiert Augstein

Neuer Gegenwind für den Journalisten Jakob Augstein. Eine jüdische US-Organisation hat sich der Argumentation des Simon-Wiesenthal-Zentrums angeschlossen, wonach seine Schriften antisemitisch seien.

Foto: dapd

Wird erneut kritisiert: Journalist Jakob Augstein
Wird erneut kritisiert: Journalist Jakob Augstein

Eine weitere jüdische US-Organisation hat sich in die Antisemitismus-Debatte um den Journalisten Jakob Augstein eingeschaltet. Die Anti-Defamation League (ADL) schließt sich der Argumentation des Simon-Wiesenthal-Zentrums an, das Augstein in eine Liste der schlimmsten Antisemiten des vergangenen Jahres genommen hatte.

Augsteins Kommentar über die jüdische Kontrolle der US-Außenpolitik "überschreitet die Grenze zu antisemitischen Verschwörungstheorien", sagte ADL-Direktor Ken Jacobson der "Jerusalem Post". Zeitgleich gab er zu bedenken, dass "Kritik an Israel ist nicht immer gleich Antisemitismus ist". Allerdings schränkte Jacobsen sein: "Ich weiß nicht genug über ihn (Augstein), um ihn als Antisemiten zu bezeichnen."

Die ADL ist eine US-Organisation mit Sitz in New York, die gegen Diskriminierung und Diffamierung von Juden eintritt. Sie wurde 1913 in Chicago gegründet.

Broder bekräftigt Kritik

Der Berliner Morgenpost-Autor Henryk M. Broder bekräftigte unterdessen seine Antisemitismus-Vorwürfe gegenüber dem Verleger Jakob Augstein und legte noch einmal kräftig nach. Das "Lupenreine an Augsteins Antisemitismus" sei "die absolute Eins-zu-Eins-Übertragung von allem, was früher über die Juden gesagt wurde, auf Israel", sagte Broder der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Augstein entspreche dem modernen Typus des Antisemiten, welcher der relevante sei. "Mich interessiert nicht der letzte Holocaust", sagte Broder, "sondern der mögliche nächste, dem mit Texten wie denen von Augstein der Weg geebnet wird."

Augstein wiederum sagte der Zeitung über Broder, dieser sei ein "Stalker". Er sei zwar entzückend, lustig, reizend. "Das Problem ist nur: Er spinnt. Und in diesem Fall hat das Spinnen einen Grad erreicht, wo der Spaß aufhört", sagte Augstein.

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum hatte Augstein in seiner jährlichen Liste der schlimmsten Antisemiten auf Platz neun gesetzt. Die jüdische Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Los Angeles berief sich in ihrer Beurteilung auf den Kolumnisten Broder.

Quelle: DW
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