05.01.13

Kinderbücher

"Die kleine Hexe" künftig ohne "Neger"

Der Kinderbuchverlag Thienemann will den diskriminierenden Begriff in einer Neuausgabe von Otfried Preußlers Klassiker streichen. Der 89-jährige Autor hat der Änderung zugestimmt.

Foto: Thienemann Verlag GmbH

Weltweit 4,3 Millionen Mal verkauft: „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler
Weltweit 4,3 Millionen Mal verkauft: "Die kleine Hexe" von Otfried Preußler

Der Kinderbuchklassiker "Die kleine Hexe" von Otfried Preußler wird künftig ohne diskriminierende Begriffe wie Negerlein und Neger erscheinen. "Wir werden alle unsere Klassiker durchforsten", kündigt Klaus Willberg vom Stuttgarter Thienemann Verlag in der Berliner "tageszeitung" vom 5. Januar an. Die umstrittenen Worte würden dabei nicht ersetzt, sondern ganz gestrichen. Es sei notwendig, Bücher an den sprachlichen und politischen Wandel anzupassen, begründet Willberg den Schritt: "Nur so bleiben sie zeitlos."

"Die kleine Hexe" wurde 1958 mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Seitdem wurde das Werk in 47 Sprachen übersetzt und weltweit mehr als 4,3 Millionen Mal verkauft.

Pippi Langstrumpf kommt schon ohne Zigeuner aus

Thienemann folgt damit dem Beispiel des Verlags Friedrich Oetinger aus Hamburg. Dieser soll Worte wie "Neger" und "Zigeuner" bereits vor vier Jahren aus seinen aktuellen Übersetzungen von "Pippi Langstrumpf" und anderen Kinderbuchklassikern von Astrid Lindgren gestrichen haben.

Wie die Erben der schwedischen Autorin hatte sich auch der heute 89-jährige Preußler lange gegen Änderungen seiner Werke gewehrt. "Mit der Zeit ist aber die Einsicht gewachsen, dass die Authentizität des Werks der sprachlichen Weiterentwicklung untergeordnet werden muss", begründete sein Verleger Willberg den Stimmungsumschwung.

Die Familienministerin wird das freuen

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) wird das freuen: Sie hatte im Dezember für Aufsehen gesorgt, als sie sagte, diskriminierende Begriffe auszulassen, wenn sie ihrer Tochter vorlese: Wenn ihre 2010 geborene Tochter Lotte älter sei, würde sie "dann erklären, was das Wort ,Neger' für eine Geschichte hat und dass es verletzend ist, das Wort zu verwenden."

In dem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" hatte Schröder auch angeregt, geschlechtsspezifische bestimmte Artikel, etwa beim Ausdruck "der liebe Gott", zu verändern: "Man könnte auch sagen: das liebe Gott." Bislang haben sich zu diesem Vorschlag allerdings weder Bibelverlage noch Gott geäußert.

In der Überschrift einer früheren Fassung dieses Artikels hatte es geheißen "Hotzenplotz und Hexe künftig ohne Neger". Betroffen von der Überarbeitung ist aber allein "Die kleine Hexe". In den drei "Hotzenplotz"-Bänden kommt der diskriminierende Begriff nicht vor. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

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