04.01.13

Umfrage

Was sagt der Schreibtisch über den Menschen?

Ein britisches Unternehmen fragte weltweit, was Arbeitnehmer auf ihren Arbeitsplätzen stehen haben. Bei vielen sieht es aus wie in Hollywood-Filmen. Aber die Deutschen dekorieren durchaus anders.

Foto: picture alliance / Bildagentur-o

Zählt das als Kunst am Tisch? Nur sechs Prozent der Deutschen stellen sich Kunstgegenstände auf ihren Arbeitsplatz – aber 15 Prozent der Franzosen
Zählt das als Kunst am Tisch? Nur sechs Prozent der Deutschen stellen sich Kunstgegenstände auf ihren Arbeitsplatz – aber 15 Prozent der Franzosen

Dies war eine Umfrage, die endlich einmal angestellt werden musste. Der britische Büro-Dienstleister Regus hat sich von Deutschland bis China, von Amerika bis Japan in Büroräumen umgesehen und Strichlisten geführt: Was haben die Beschäftigten auf ihren Schreibtischen stehen?

Das unentbehrlichste Handwerkszeug, der Computer, scheint in der Statistik gar nicht auf, so selbstverständlich ist er mittlerweile, auch Telefone wurden nicht mitgezählt.

Die Familienfotos der Bösewichter

So schmücken Familienfotos die Spitze der Erhebung. In den USA stehen sie auf 31 Prozent der Schreibtische, die zahlreichen Hollywood-Filme, wo selbst beim korruptesten Sheriff und niederträchtigsten Banker süß lächelnde Föhnfrisuren und glücklich dreinsehende Pickelgesichter eingerahmt zu sehen sind, haben also durchaus ihre Grundierung in der Realität.

Nur 15 Prozent der deutschen Arbeitnehmer stellen ihr Familienglück derart zur Schau, was einen Wert im unteren Mittelfeld bedeutet, wohingegen sich die Familienpolitiker in Indien (elf Prozent), Japan (zehn) und den Niederlanden (sieben) allmählich ihre Gedanken machen sollten.

Die anderen ermittelten Werte sind eher nichtssagend. Warum haben in Mexiko 22 Prozent der Werktätigen Visitenkarten auf ihrem Schreibtisch und bei den Briten nur sechs? Vermutlich, weil die Engländer ihre Kontakte schon alle in ein Datenverarbeitungsprogramm eingegeben haben. Warum haben die Deutschen am wenigsten Kunst am Arbeitsplatz um sich (nur sechs Prozent) und die Franzosen am meisten (15)?

Viel interessanter wird die eigentlich banale Umfrage erst, wenn man sich fragt, warum bestimmte Dinge, die nach unserer persönlichen Erfahrung sehr wohl auf Schreibtischen zu finden sind, in den Ergebnissen überhaupt nicht vorkommen.

Und was ist mit dem Kaktus?

Was zum Beispiel ist mit diesen kleinen, völlig nutzlosen Figürchen, die einem von der Frau/Freundin geschenkt wurden? Was mit Batterien voller/halb leerer/leerer Mineralwasserflaschen? Was mit Presslufthammerohrschützern, die einen gegen die Seuche des Geplappers und der diversen Klingeltöne im Großraumbüro schützen sollen? Was mit Blumentöpfen?

Stattdessen stehen in der Regus-Abfrageliste Posten wie "kürzlich gekaufter Lotterie-Schein" oder "Adressen von Restaurants", deren Vorkommen jeweils gegen null tendiert; lediglich die Deutschen bringen es bei den Lottoscheinen (zusammen mit Indern, Brasilianern und Australiern) auf ein Prozent.

Das Nichtvorkommen persönlicher Gegenstände, die auf dem Schreibtisch die Duftmarke eines ständigen Benutzers setzen, sollte in einer Regus-Umfrage nicht nutzen. Der scheinbar neutrale Umfrager hat kein Interesse an ihnen. Sie verderben sein Geschäft.

Regus betreibt weltweit 1200 Bürocenter, die davon leben, dass möglichst viele Menschen keinen festen Schreibtisch mehr haben. Am besten jeden Tag ins Businesscenter, den dortigen Computer anwerfen, das Familienfoto auf den Tisch stellen – und abends wieder einpacken. Dieses Arbeitsnomadentum hat schon schöne, euphemistische Bezeichnungen wie "flexibler Arbeitsplatz" und "Hotelling".

Den Nochnichtnomaden sei eine glückliche Rückkehr an den Festschreibtisch gewünscht. Und pflegen Sie Ihren Kaktus gut.

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