28.12.12

"Maniac"

Frodo mordet und spricht mit der toten Mutti

Elijah Wood spielt in dem Remake des Slasher-Movies "Maniac" einen Serienkiller. Doch nicht nur deshalb wirkt der Film verstörend: Starke Kameraeffekte trösten über inhaltliche Schwächen hinweg.

Von Michael Meyns
Quelle: Ascot
22.12.12 2:00 min.
Frank verkauft Schaufensterpuppen – ein Familiengeschäft. Er lebt zurückgezogen bis er Anna trifft. Sie kennt aber Franks dunkle Seite nicht: nachts lauert er Frauen auf, tötet und skalpiert sie...

Ende der 70er Jahre war New York am Ende, die Kassen der Stadt leer, die Mordrate gigantisch, zentrale Orte der Stadt ein einziger Moloch aus Drogen und Prostitution. Was für die Menschen eher unschön war, inspirierte die Kunst. Filme von "Taxi Driver" über "The Wanderers" bis "Escape from aus New York" beschrieben einsame Rächer, die die Straßen säuberten, Gang-Konflikte und Manhattan als großes Gefängnis.

Ganz am Ende dieser Entwicklung drehte William Lustig 1980 den legendären Slasher-Film "Maniac", in dem ein schizophrener Italo-Amerikaner des Nachts Frauen skalpiert. 30 Jahre nach Entstehung beeindruckt der Original-"Maniac" weniger durch seine Brutalität, als seine durch und durch versiffte Atmosphäre, die eine vergammelte Metropole zeigt, wie sie heute nicht mehr vorstellbar ist.

Glatt und geleckt trotz viel Skalpierens

Und das ist der erste große Unterschied zwischen Lustigs Original und dem nun ins Kino kommenden Remake, das von Alexandre Aja produziert und von Franck Khalfoun inszeniert wurde: So sehr man sich auch bemüht, so viel skalpiert und erstochen wird, der 2012-"Maniac" wirkt stets glatt und geleckt.

Zum einen liegt das am Unterschied zwischen grobkörnigem 16mm-Film und dem heutigen ultrascharfen Digitalbild, nicht zuletzt aber an den Hauptdarstellern: Im Original wuchtete der eher bedingt attraktive Joe Spinell seinen übergewichtigen Körper durchs Bild, im Remake wird der schizophrene Serienkiller von Elijah Wood gespielt.

Elijah Wood wirkt unfreiwillig komisch

Der hat zwar in Filmen wie "Hooligan" oder "Sin City" schon seine dunkle Seite angedeutet, dennoch fällt es schwer, in ihm nicht den kleinen Hobbit Frodo zu sehen, der um seinen Ring bangt. Da wirkt es immer wieder unfreiwillig komisch, wenn seine Figur Frank in bester Norman Bates-Manier mit der verstorbenen Mutter spricht oder seine erkleckliche Sammlung an Schaufensterpuppen (für die er die Skalps beschafft) mit schönen Kleidern aufhübscht.

Und das alles, obwohl man Woods Gesicht kaum zu Gesicht bekommt: Denn um quasi unmittelbar in den Kopf eines Psychos einzudringen, wird konstant die Perspektive des Killers eingenommen. Mit seinen Augen fährt man durch L.A. – ein neuer Schauplatz, der perfekt zum glatten Look passt – hat Sex, mordet.

So wenig zwingend die eingeschränkte Perspektive auch ist, so verstörend ist ihr Effekt in vielen Momenten. Weniger in den Gewaltszenen (das Skalpieren wirkt eher albern als abstoßend), als in den langen Phasen der Verfolgung, Beobachtung, des Heranpirschens an neue Opfer. In diesen Momenten entwickelt "Maniac" einen bemerkenswerten Sog, unterstützt von pulsierender elektronischer Musik, die manche inhaltliche Schwäche vergessen lässt.

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