27.12.12

Show-Star

Helene Fischer, die Fleisch gewordene Perfektion

Schlager schlägt Schmonzette: Sie hat mehr Zuschauer als Rosamunde Pilcher und führt die deutschen Charts an. Wie konnte das passieren? Die Geschichte vom Aufstieg der fast perfekten Helene Fischer.

Von Antje Hildebrandt
Foto: pa/dpa/dpa ZB

Helene Fischer erobert Deutschland. 1984 in der UdSSR geboren, wandert sie vier Jahre später nach Deutschland aus. Heute ist sie ein Star, holt im Fernsehen Top-Quoten und führt die Musik-Charts an.

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Im Paradies war noch eine Parzelle frei. Eine Nische für Schlagersängerinnen, denen man die ganz großen Gefühle abkauft, weil sie die Rolle des Mädchens von nebenan perfektioniert haben.

Bis vor Kurzem war kaum jemandem aufgefallen, dass hier eine Marktlücke klaffte, zwischen lauter gefallenen Mädchen oder abgehalfterten Stars, die sich gar keine Mühe mehr gaben, Abstürze, Po-Liftings oder Rosenkriege unter der Decke zu halten.

Aber dann kam sie, nur 1,58 Meter groß, aber mit einer Stimme, die locker drei Oktaven überspringt. Eine blonde Frau in einem süßen Nichts von Kleid, außen Engel, innen Matrjoschka. Man weiß nicht, wie es in dieser Puppe aussieht. Es ist eine Puppe, die in der Puppe steckt.

Es läuft rund für Helene Fischer

Am 1. Weihnachtstag führte sie abends im Ersten durch eine Show, die ihren Namen trägt. Helene Fischer sang im Berliner Velodrom, allein oder im Duett, mit Kollegen wie Nino de Angelo. Sie flirtete mit ihren Gästen und mit ihrem Spiegelbild, einem Helene-Fischer-Lookalike in Gestalt einer Handpuppe. Und sie erreichte mit ihrer Show rekordverdächtige 5,39 Millionen Zuschauer – eine halbe Million mehr als Rosamunde Pilcher im ZDF.

Es war ein denkwürdiger Moment: Schlager schlägt Schmonzette. Und spätestens jetzt ließ ihr Name auch Kritiker aufhorchen, die sich mehr für Medien als für Schlager interessieren.

Es läuft gerade rund für Helene Fischer. Ihr neues Live-Album "Für einen Tag" ist auf Platz eins der Charts gerauscht. Fünf Millionen verkaufte CDs. Ihr letzte Tournee war ausverkauft. 300.000 Zuschauer in 46 Städten.

Es heißt, ARD und ZDF rollten ihr gerade beide den Roten Teppich aus. 2013 bekomme sie eine eigene Samstagabendshow, wo auch immer.

Doch, das ist sie, es gibt sie wirklich

Am 1. Januar kann man sie auch als Schauspielerin erleben. Dann schippert sie in der Prime Time auf dem ZDF- "Traumschiff" an der Westküste Südamerikas entlang. Wer hätte gedacht, dass in der Puppe auch eine Reiseleiterin schlummert?

Auf den Fotos vom Set hätte man sie beinahe kaum wiedererkannt. Fesche Uniform, freche Friseur. Doch, das ist Helene Fischer, es gibt sie wirklich, nicht bloß als wächserne Kopie im Kabinett von Madame Tussauds.

Anfangs hatte man noch gedacht, sie wäre eine hübsche Erfindung der Musikindustrie, um den Schlager wieder dahin zurückzubringen, wo er in den 70er-Jahren mal stand, bevor Jürgen Drews das Bett im Kornfeld gegen eine Luftmatratze in El Arenal eintauschte.

Tausendmal ist nichts passiert

Als Lebensgefährtin von Florian Silbereisen, so hatte sie 2008 den Durchbruch auf dem Boulevard geschafft. Die Story war beinahe filmreif. Tausendmal , so will es die Legende, tausendmal hätten die beiden zusammen musiziert. Tausendmal sei nichts passiert. Doch plötzlich, ganz plötzlich habe es "zoom" gemacht.

Und seither tragen die beiden ihr Glück demonstrativ in der Öffentlichkeit zur Schau. Zwar wohnen sie auch nach vier Jahren immer noch getrennt, er in Bayern, sie in Hessen. Doch der "Flori", so heißt es, habe sich längst ihren Namen auf die Schulter tätowieren lassen. Und die Helene denkt in periodischen Abständen immer mal wieder laut über ein Baby nach. Das nennt man PR.

Kennengelernt hatten sie sich schon 2005, beim "Hochzeitsfest der Volksmusik" (ARD). Der Gastgeber traf in seiner Show auf eine junge Russlanddeutsche aus Sibirien, die als Kind mit den Platten von Heintje groß geworden war.

Er starrte sie an wie ein Wesen vom anderen Stern. Helene Fischer konnte singen. Sie war hübsch. Sie erschien beinahe zu perfekt, um echt zu sein. Doch sie hatte keine Angst vor großen Gesten.

Die neue Caterina Valente

Wenn sie bewegt ist, drückt sie sich eine Hand auf die Brust, wie um zu unterstreichen, dass sie das Herz am rechten Fleck hat. Anderen würde man diese Geste nicht abkaufen. Ihr steht das Pathos gut. Es signalisiert: Die Perfektionist, sie ist auch nur ein Mensch.

Dafür liebt sie das Publikum. Helene Fischer muss sich nicht verbiegen, um große Gefühle auf der Bühne zu inszenieren. Sie ist authentisch, soweit man das von einer Branche sagen kann, die gebrochene Herzen am Fließband kandiert. Ihre Fans sehen in ihr schon die neue Caterina Valente.

"Der Erfolg, den Helene hat, der passiert alle zehn, zwanzig Jahre mal", sagt ihr Manager, Uwe Kanthak. Er muss es wissen, er hat schon Rex Gildo und Jürgen Marcus gemanagt, die alte Schule des deutschen Schlagers. Fischers Erfolg sei nicht kalkulierbar. Talent nütze schließlich nichts, wenn es einem nicht gelinge, das Publikum zu verzaubern.

Am wohlsten in der Jogginghose

Wie das geht, hat die 28-Jährige zuletzt in der "Helene-Fischer-Show" gezeigt. Zwischen den Auftritten erzählte sie ein bisschen was von sich, von der Frau also, die ihren Namen längst als Marke beim Deutschen Patentamt angemeldet hat.

Und seither wissen auch Frauen, dass sie keine Angst vor ihr haben müssen. Fischer, der Name steht zwar für eine gewisse Meister-Propper-Haftigkeit, für eine auf Hochglanz polierte Fassade. Doch am wohlsten, versicherte die schöne Helene arglos, fühle sie sich dann, wenn sie sich in ihrer Lieblingsjogginghose vor dem Fernseher fläzen könne.

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