22.12.12

Kino

Jake Gyllenhaal in der Drogenhölle von Los Angeles

Der in Los Angeles spielende Cops-Film "End of Watch" von David Ayer bleibt trotz Jake Gyllenhaal nur mittelgutes Genrekino, das über oberflächlich voyeuristische Seitenblicke nicht hinauskommt.

Von Ralf Krämer

Zu den Gegenden in den USA, die laut Reiseführern "generell gemieden werden sollten", gehört der Bezirk South Los Angeles, auch South Central genannt. Folglich zieht es in diesen Brennpunkt der Drogen- und Bandenkriminalität seit vielen Jahren kaum Touristen, aber umso mehr Filmteams, die vor Ort betont "realistische" Genrefilme drehen.

Zu den Spezialisten in diesem leicht voyeuristischen Fach zählt David Ayer. Bereits in seinen Drehbüchern zu "Dark Blue" und "Training Day" erzählte er vom schier aussichtslosen Kampf gegen das Verbrechen in South Central und verschaffte routinierten Stars wie Kurt Russel und Denzel Washington in den Rollen knallharter Cops späte Karrierehöhepunkte.

In "End of Watch", den Ayer auch selbst inszenierte, fahren nun Officer Brian Taylor (Jake Gyllenhaal) und sein Partner Officer Mike Zavala (Michael Peña) gemeinsam Streife. Beide sind Anfang 30 und dicke Freunde. Zavala ist mit seiner Jungendliebe verheiratet, sie erwarten ihr erstes Kind. Taylor will gleichziehen und steuert mit seiner neuen Freundin den Hafen der Ehe an.

Die beiden Beamten haben die gleiche Einstellung zum Leben, das nach vorgeschriebenen Bahnen verläuft – und zu ihrem Beruf, in dem sie gerne ihre Kompetenzen überschreiten. "End of Watch" erzählt vom Konkurrenzkampf zwischen jungen Männern und von einem Ehrgeiz, der letztlich nicht zu befriedigen ist.

Als Taylor und Zavala der verdeckten Ermittlung einer höher gestellten Behörde ins Handwerk pfuschen, landen sie auf der Todesliste eines Kartells. Die zunehmende Dramatik des Geschehens wird leider in der deutschen Synchronfassung immer wieder durch verbale Bruchlandungen konterkariert: "Also, Mr. Big Evil", fragt Taylor einen Verdächtigen bei einer Razzia, "warum nennt man sie Big Evil?" Antwort: "Weil mein Evil so groß ist."

Tricks aus der digitalen Mottenkiste

Ähnlich unbeholfen wirkt auch, dass Taylor stets eine Kamera bei sich hat, um im Stil der Reality-TV-Serie "Cops" seinen Alltag zu filmen; die entstehenden Aufnahmen werden immer wieder in den Film geschnitten, um die fiktionale Erzählung dokumentarisch aufzupeppen.

Dieser Trick aus der digitalen Mottenkiste funktioniert aber heute kaum noch, zu hochwertig ist Officer Taylors moderne Videokamera. Hin und wieder unterscheiden sich sich seine Bilder von denen des "echten" Kameramanns Roman Vasyanov nur durch ihre unruhigere Haltung. Montiert erzeugen die beiden Bildebenen daher selten dramatischen Mehrwert, aber allzu oft den Eindruck schlampigen Handwerks.

Von seinen sprachlichen und ästhetischen Irrläufern einmal abgesehen, bietet "End of Watch" allerdings souverän inszenierte, spannende Unterhaltung. Heraus ragen einige drastisch vorgeführte Höllenszenarien aus der Welt global operierender Drogenkartelle.

Gyllenhaal und Peña profilieren sich als zwei der besten Schauspieler ihrer Generation. Zum Filmstart verlost der Verleih übrigens eine "Reise an den Schauplatz von ,End of Watch'". Ein Reiseführer ist im Preis nicht enthalten.

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