21.12.12

Seibert stützt Schröder

"Wer an Gott glaubt, dem sind die Artikel egal"

Nachdem Kristina Schröder einen geschlechtsneutralen Artikel für Gott angeregt hatte, hagelt es Kritik aus den eigenen Reihen. Die Bundesregierung verteidigt die Familienministerin.

Foto: Getty Images
Familienministerin Kristina Schröder hat wegen Äußerungen zum Geschlecht Gottes Ärger mit der eigenen Partei. Steffen Seibert verteidigt sie als Regierungssprecher
Familienministerin Kristina Schröder hat wegen Äußerungen zum Geschlecht Gottes Ärger mit der eigenen Partei. Steffen Seibert verteidigt sie als Regierungssprecher

Gott ist nach Einschätzung der Bundesregierung nicht beleidigt, wenn er als "das Gott" angesprochen wird. "Wer an Gott glaubt, dem sind die Artikel egal", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert wenige Tage vor Weihnachten. Der Ausdruck "der liebe Gott" habe in den Herzen vieler Menschen seit Jahrhunderten einen Platz. "Wenn man Gott anders anspricht, dringen die Gebete auch durch", zeigte sich Seibert überzeugt. Er selbst ist gläubiger Katholik.

Zugleich betonte er, das Thema sei allerdings "wirklich eigentlich nicht Angelegenheit der Bundesregierung". Familienministerin Kristina Schröder hatte zuvor heftige Kritik aus den Reihen der Union für die Aussage geerntet, der männliche Artikel bei der Redewendung "der liebe Gott" sei eigentlich egal und man könne auch "das Gott" sagen.

Als Kompromissvorschlag regte der Abgeordnete Klaus-Peter Willsch, der wie Schröder der CDU in Hessen angehört, die Formulierung "DAS Christkind" an.

Steegmans verweist auf Papst Benedikt XVI.

Schröders Sprecher Christoph Steegmans führte sogar den Papst als Zeugen für die Richtigkeit ihrer Worte ins Feld. "Papst Benedikt höchstpersönlich schreibt in seiner Jesus-Biografie, 'natürlich ist Gott weder Mann noch Frau'", sagte Steegmans. "Die Kritiker der Ministerin sollten also nicht päpstlicher sein als der Papst."

"Wenn ich also die Wahl habe, mich entscheiden zu müssen zwischen dem Expertentum des Papstes und den Kritikern heute in der 'Bild'-Zeitung, würde ich persönlich eher dem Papst vertrauen", sagt Steegmans süffisant.

Schröder hatte heftige Kritik für ihre Aussage in einem "Zeit"-Interview aus den Reihen der Union geerntet. Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer reagierte empört. "Dieser verkopfte Quatsch macht mich sprachlos", sagte die CSU-Politikerin der "Bild"-Zeitung. "Ich finde es traurig, wenn unseren Kindern aus lauter Unsicherheit und Political Correctness die starken Bilder genommen werden, die für ihre Fantasie so wichtig sind."

Auch die Staatssekretärin im Umweltministerium, Katherina Reiche (CDU), wies in der Zeitung Schröders Äußerungen zurück: "Der liebe Gott bleibt der liebe Gott!" Der parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Stefan Müller, zeigte sich irritiert: "Ich finde es unabhängig von der Weihnachtszeit unpassend und bin etwas verwundert."

"Religiöser Analphabetismus"

Ebenfalls kritisch äußerte sich der konservative Rechtspolitiker Norbert Geis (CSU): "Gott ist uns von Christus als Vater offenbart. Dabei sollte es bleiben."

Der Vatikan-Berater und Direktor des bayerischen Wallfahrtsorts Maria Vesperbild, Prälat Wilhelm Imkamp, warf Schröder "religiösen Analphabetismus" vor. "Sie kennt die Grundrechenarten des Glaubens nicht", sagte der Theologe. "Die Äußerungen sind 'dd', dumm und dreist, und zeugen auch von einem hemmungslosen Opportunismus", sagte Imkamp weiter.

Imkamp sagte, "Gott ist eine Person. Wir haben einen personalen Gott, dass dieser personale Gott die Dimensionen der Geschlechtlichkeit übersteigt, führt nicht dazu, dass man ihn neutralisieren kann." Er könne nur hoffen, dass die Dissertation von Schröder ein anderes Niveau habe als diese Äußerungen.

Julia Klöckner verteidigt die Ministerin

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende und studierte katholische Theologin Julia Klöckner verteidigte Schröder dagegen: Sie sagte der Berliner Morgenpost: "Ich finde, wir sollten jetzt nicht ungerecht sein: Frau Schröder wollte keine Debatte über das Geschlecht Gottes beginnen, sondern hat lediglich auf eine Interviewfrage geantwortet. Theologisch übrigens gar nicht einmal falsch: Gott steht über uns Menschen und auch über unseren kleinen Schubladen Mann und Frau."

Quelle: Reuters/AFP/ks/ecb
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