20.12.12

Kulinarisches Kino

Diese Köchin flieht vor Frankreichs Präsident

Ein Film über das Kochen und die Einsamkeit: "Die Köchin und der Präsident" beruht auf der wahren Geschichte von Präsident François Mitterrand und seiner Leibköchin Danièle Delpeuch.

Quelle: Alamode
19.12.12 1:34 min.
Die neue französische Komödie "Die Köchin und der Präsident" basiert auf eine wahre Geschichte. Eine resolute Provinzköchin muss sich in François Mitterrands elitärem Präsidentenpalast behaupten.

Bevor jetzt alle meinen, "Die Köchin und der Präsident" sei ein weiterer Wohlfühlfilm mit Dunstabzugshaube, eine Erfolgsstory mit ordentlich Schmalz: Ja, so ist es. Auch. Doch der französische Regisseur Christian Vincent erzählt ebenso vom Scheitern. Und von einer Selbst-Rettung: Es geht um einen Menschen, der seine Liebe zum Beruf zu lange dem verkehrten Auftraggeber zur Verfügung gestellt hat.

Es ist die wahre Geschichte der Danièle Delpeuch (im Film heißt sie Hortense), einst Leibköchin des französischen Präsidenten François Mitterrand. Für seine privaten Mahlzeiten wollte der die bodenständigen Gerichte seiner Kindheit. "Poularde in Halbtrauer" zum Beispiel. Hortense ist Spezialistin dafür.

Den sagenhaften Aufstieg knallt der Regisseur an den Anfang: Wir sehen Catherine Frot pausbäckig und nervös beim Einstellungsgespräch, dann beim Rühren und Schnippeln. Vor allem aber wird sie, zwischen Cinderella-Traum und Kafka-Albtraum, durch alle Hierarchiestufen dieses demokratischen Hofes geschleust, bis sie endlich vor dem zu Bekochenden steht.

Parabel über die Einsamkeit

Mit Gespür fürs Geheimnisvolle und zugleich Absurde dieser Situation schubst Vincent die unprätentiöse, aber keineswegs naive Frau in eine von Intrigen und Dünkel durchwirkte Welt. Sie wird diesen Kosmos nicht ändern, stattdessen ihre Freude verlieren und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Und dafür sorgen, dass ihr Leben dennoch nicht ins Tragische kippt.

Weshalb sie dann mal weg ist: Vorausblenden verraten, dass sie bald als Köchin in der Kantine einer antarktischen Forschungsstation anheuert. Während sie im Palast auf jedes kleine Zeichen ihres Auftraggebers warten muss, um Rückschlüsse auf seinen Geschmack treffen zu können, fliegt ihr am Südpol die Wärme fröhlicher Esser entgegen.

"Die Köchin und der Präsident" wird mehr und mehr zur Parabel über die Einsamkeit zweier Menschen, die – beruflich – nicht so dürfen, wie sie könnten. Catherine Frots wunderbar expressionistisches Gesicht bewahrt die Balance zwischen Spott und Trauer; Jean D'Ormesson gibt, wie aus der Zeit gefallen, den Märchen-Präsidenten, der sich gegen ärztlichen Rat in Hortenses Küche stiehlt, als ginge es darum, außer Trüffeln auch die Hoffnung wiederzufinden, vielleicht doch am richtigen Ort zu sein.

Die in letzter Zeit ein wenig harmlose kulinarische Kinokomödie (wie "Kochen ist Chefsache") verträgt solch zartbittere Note. Ohne allzu sehr den sozialkritischen Kochlöffel zu schwingen, sollte sie dieses Feld nicht komplett den Appetit hemmenden Dokumentationen zur Nahrungsmittelindustrie überlassen.

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