12.12.12

Peter Jackson

"Der Hobbit ist eine Ikone – etwas Besonderes"

Regisseur Peter Jackson wurde mit der "Herr der Ringe"-Trilogie berühmt. Jetzt legt er nach – mit gleich drei "Hobbit"-Filmen. Im Interview verrät er, warum Gollum und der Drache viel besser aussehen.

Quelle: Warner
08.12.12 2:28 min.
In der Vorgeschichte von "Der Herr der Ringe" muss Hobbit Bilbo Beutlin das verlorene Zwergenkönigreich zurückgewinnen. "Der Hobbit - Eine unerwartete Reise" ist der erste Teil der Prequel-Trilogie.

In dieser Woche kommt der vielleicht wichtigste Blockbuster des Jahres in die Kinos. Der neuseeländische Regisseur Peter Jackson bringt nach seiner preisgekrönten Verfilmung von "Der Herr der Ringe" den nächsten Klassiker von J. R. R. Tolkien auf die Leinwand. "Der Hobbit" erzählt die Vorgeschichte vom "Herrn der Ringe". Der erste Teil des "Hobbit", "Eine unerwartete Reise", kommt jetzt in die Kinos.

Berliner Morgenpost: Mr. Jackson, die Frage, die sich die Tolkien-Fans am häufigsten stellen, lautet: Warum haben Sie das schmale Kinderbuch "Der Hobbit" auf drei Kinofilme aufgeteilt?

Peter Jackson: Zunächst sollten es ja zwei Filme werden. Es sind dann drei geworden, weil wir gemerkt haben, dass es uns schwer fällt, Dinge wegzulassen. "Der Hobbit" ist eine Buch-Ikone. Viele Leute haben es in den letzten 75 Jahren gelesen und haben ihre Erwartungen. Es ist eine Kindergeschichte, sie erzählt in sehr hohem Tempo, ohne Pausen. Ständig passiert etwas. Die Charaktere werden dagegen nicht besonders entwickelt. Das mussten wir in den Filmen ergänzen. Wir wollten die Geschichte anpassen an die Erzählweise unserer "Herr der Ringe"-Trilogie. Dafür brauchten wir drei Filme.

Berliner Morgenpost: Sie sprechen von Erwartungen. Warum sind so viele Menschen so heiß auf Tolkien-Storys?

Jackson: Seine Charaktere haben einfach etwas Besonderes. Der Zauberer Gandalf zum Beispiel ist eine wunderbare Figur. Ich bin überzeugt, dass sie zu einem Großteil auf Tolkien selbst basiert, dass Tolkien sich sehr mit ihm identifizierte. Als Ian McKellen zum ersten Mal Gandalf spielte, beim "Herrn der Ringe", schauten wir uns viele Videos von Tolkien an, Interviews mit der BBC, Lesungen und so weiter. Ian hat seine Stimme und Darstellung daran orientiert.

Was Tolkien tut, fühlt sich einfach authentisch an. Er schafft es irgendwie, seine Erfindungen wie historische Ereignisse wirken zu lassen, obwohl darin Drachen und Riesen und so weiter auftauchen. Diese Authentizität habe ich versucht, einzufangen. Ich habe viele wilde Kamerafahrten gemacht und häufiger Weitwinkelobjektive genutzt, als ich das normalerweise tue.

Berliner Morgenpost: Sie arbeiten seit Jahren am "Hobbit". Welche Phase war am schönsten?

Jackson: Ich glaube, das Drehbuchschreiben. Bei so einem Projekt gibt es eigentlich nicht einen Film, sondern drei. Zuerst den, den man sich beim Drehbuchschreiben ausdenkt. Dabei kannst du einfach träumen. Es gibt keine Grenzen. Keinen Regen und keine Trucks, die zum Drehtermin durch die Wildnis fahren müssen. Dann kommt das Filmen. Plötzlich hast du Zeitpläne und Budgets. Plötzlich fehlt dir die Zeit für all die wunderbaren Kameraperspektiven, die du eigentlich ausprobieren wolltest.

So entsteht ein zweiter Film. Und dann, wenn du alles im Kasten hast, beginnt die Post Production. Man wählt im Schnitt Szenen aus, die Spezialeffekte kommen dazu, die Musik und so weiter. Dieser dritte Film ist auch schön. Aber anders als der, den du dir ausgedacht hattest.

Berliner Morgenpost: Warum haben Sie zwischenzeitlich gesagt, Sie wollten den "Hobbit" doch nicht mehr machen?

Jackson: Ich dachte, es wäre interessant, wenn es nach dem "Herrn der Ringe" mal ein anderer Regisseur macht. So ähnlich wie bei "Harry Potter" oder bei den Bond-Filmen. Das hätte dem Film einen neuen Look gegeben. Guillermo del Toro (der zwischenzeitlich als Regisseur vorgesehen war; die Redaktion) hätte das sicher getan. Aber ich bin froh, dass ich den Film jetzt mache. Das hat den Vorteil, dass ich viele Synergien mit dem "Herrn der Ringe" nutzen konnte. Die Art des Erzählens, die Charaktergestaltung, die Landschaften. Irgendwann werden die Leute alle sechs Filme nebeneinander im Regal stehen haben. Sie sind eine Einheit.

Berliner Morgenpost: Wird Ihnen Tolkiens fiktives Land Mittelerde nicht langsam langweilig?

Jackson: Ich liebe Fantasy. Filme wie "King Kong" haben mich inspiriert, Regisseur zu werden. Es ist eine Spielzeugkiste, mit der ich gerne spiele. Aber ich bin auch froh, dass es nur eine begrenzte Anzahl an Tolkien-Büchern gibt, die man verfilmen kann. Ich werde sehr stolz sein, wenn der "Hobbit" fertig ist. Und dann werde ich andere Dinge tun.

Berliner Morgenpost: Haben Sie beim "Herrn der Ringe" Entscheidungen getroffen, die Sie jetzt beim "Hobbit" gestört haben?

Jackson: Eigentlich nicht. Selbst wenn man das eine oder andere hätte verbessern können: Ich wollte auf jeden Fall die Einheitlichkeit der Story. Ich wollte nicht das Design des "Herrn der Ringe" ändern. Die Welt sollte sich gleich anfühlen. Die Hobbit-Höhle Beutelsend ist das gleiche Set, das wir auch im "Herrn der Ringe" genutzt haben. Der Elbenort Bruchsal sieht gleich aus.

Nur wo es technische Verbesserungen gab, haben wir das Design weiterentwickelt. Gollum zum Beispiel sieht jetzt viel besser aus. Er hat jetzt mehr Muskeln im Gesicht, die am Computer simuliert werden. Jetzt sieht man viel deutlicher, was Andy Serkis (Gollum-Darsteller) tut. Für mich sind neue Techniken wie 3D oder auch die schnellere Bildrate von 48 Bildern pro Sekunde, die wir im "Hobbit" zum ersten Mal nutzen, ein Geschenk. Mit diesen Werkzeugen kann ich den Leuten das Gefühl geben, Teil von Mittelerde zu werden.

Berliner Morgenpost: Neben Serkis und McKellen spielen noch viele andere Stars mit, die wir schon vom "Herrn der Ringe" kennen. Die Stimmung am Set muss wie ein Familientreffen gewesen sein.

Jackson: Es war toll. Und sehr lustig. Ich versuche immer, meine Leute aufzuziehen, so oft ich kann. Ian McKellen zum Beispiel hält am Set manchmal ein Nickerchen, als Gandalf verkleidet, mit dem Hut und dem Bart. Wenn wir eine halbe Stunde lang die Kamera und das Licht einstellen, sitzt Ian in seinem Sitz und döst. Ich liebte es, mich hinter ihn zu stellen und "Action!" zu rufen. Er sprang jedes Mal aus dem Sitz und dachte, die Kamera läuft.

Berliner Morgenpost: Was können Sie über den Drachen Smaug verraten? Sie haben angekündigt, es würde der spektakulärste Drache werden, den man je gesehen hat...

Jackson: Smaug ist einer der ersten Drachen der Fantasy-Literatur. Aber seitdem hat es so viele Darstellungen von Drachen gegeben, auch im Film. Was kann man da noch anders machen? Ich wollte Smaug nicht wie ein Alien aussehen lassen. Er sollte ein klassischer Drache sein. Er ist so böse, hinterlistig und gerissen. Wie er den Hobbit Bilbo ausquetscht, in der einen Szene... Aber ich will niemandem die Spannung verderben. Schaut es euch an!

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