09.12.12

Umstrittene Treibjagd

Halali auf einem der größten Friedhöfe Deutschlands

Treibjagd auf dem Friedhof: Weil Wildtiere großen Schaden anrichten, haben Jäger auf Deutschlands größter evangelischer Ruhestätte in Stahnsdorf bei Potsdam Rehe und Wildschweine zur Strecke gebracht.

Foto: pa/dpa

Es ist ein Ort der Ruhe, des Gedenkens, der Trauer. Eine Treibjagd passt nicht zur Stille auf einem Friedhof. Dennoch rücken immer wieder Jäger aus, wie hier auf einem Friedhof in Fulda, um Wildschweine und Rehe zu erlegen
Es ist ein Ort der Ruhe, des Gedenkens, der Trauer. Eine Treibjagd passt nicht zur Stille auf einem Friedhof. Dennoch rücken immer wieder Jäger aus, wie hier auf einem Friedhof in Fulda, um Wildschweine und Rehe zu erlegen

Jäger haben am Samstag auf dem Friedhof in Stahnsdorf bei Potsdam 12 Rehe und 16 Wildschweine geschossen. Die umstrittene Aktion war nach Angaben von Kirchhofsverwalter Olaf Ihlefeldt nötig, weil der Wildbestand dramatisch zugenommen habe.

Mindestens 30 Wildschweine und mehr als 30 Rehe seien auf dem 206 Hektar großen Waldfriedhof heimisch geworden. Die Tiere würden großen Schaden anrichten. Das Rehwild fresse frischen Grabschmuck, die Wildschweine verwüsteten die Ruhestätten.

Rund fünf Stunden dauerte die Jagd auf dem nach Kirchenangaben größten evangelischen Friedhof Deutschlands. Mit dem Ergebnis zeigte sich der Kirchhofsverwalter aber nicht ganz zufrieden. "Wir haben deutlich mehr Wild gesehen, als gestreckt werden konnte", sagte Ihlefeldt.

Nur ein Viertel des Bestandes erlegt

Nach Einschätzung der Jäger sei etwa ein Viertel des Bestandes erlegt worden. "Das reicht nicht aus", so der Verwalter. Er ging davon aus, dass es Mitte Januar eine weitere Jagd geben wird – trotz empörter Reaktionen der Öffentlichkeit.

15 Schützen und 31 Jagdhelfer hatten sich laut Ihlefeld an der Aktion beteiligt. Es habe keine Schäden an den Gräbern gegeben, sagte er. Für Besucher war der Friedhof solange geschlossen geblieben.

Jagd auf befriedetem Gelände

"Die Entscheidung für eine Jagd auf einem Friedhof ist immer schwierig zu treffen", meint der Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg, Wolfgang Bethe. Weil es befriedetes Gelände sei, werde zunächst versucht, das Wild zu vertreiben.

Bei Wildkaninchen gelinge dies beispielsweise durch den Einsatz von Habichten oder Adlern. Bei Wildschweinen, die in Brandenburg auf ideale Bedingungen stoßen, sei dies schwieriger. "Und auf einem Friedhof droht ihnen üblicherweise keine Gefahr."

Der Südwestkirchhof war 1909 als Begräbnisstätte für mehrere Berliner Kirchengemeinden eröffnet worden. Auf ihm sind zahlreiche Prominente begraben, darunter der Großindustrielle Werner von Siemens, der Künstler Heinrich Zille und der Komponist Engelbert Humperdinck.

Quelle: dpa/oc
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