09.12.12

Kino

Es ist nicht das, was Sie schon wieder denken!

Ein alter Schauspielstar, eine junge Nachwuchsautorin, eine gemeinsame Nacht: Fritzi Haberlandt und Mario Adorf lassen in "Die Libelle und das Nashorn" die Banalität des Drehbuchs vergessen.

Quelle: NFP
01.12.12 1:55 min.
Für den gefeierten Schauspieler Nino endet eine Lesung aus seiner Biografie genauso, wie er es sich gewünscht hatte. Als er die Jungautorin Ada trifft, nimmt der Verlauf des Abends eine neue Wendung.

Sie haben sich erst einmal nicht viel zu sagen, die Nachwuchsautorin Ada Hänselmann (Fritzi Haberlandt) und der gefeierte Schauspiel-Star Nino Winter (Mario Adorf): Bei einer Lesung erwärmt sich das Publikum deutlich mehr für Winters Memoiren "Ich kam, sah und liebte" denn für Adas vermutlich in eindringlicher, karger Sprache verfasstes Romandebüt. Ist ja auch logisch: zwei Generationen, zwei Geschlechter, zwei Sprachstile = zwei Welten.

Doch wie der Zufall und die 1980 geborene Regisseurin Lola Randl ("Die Besucherin") es wollen, platzt beider Abreise, und die zarte Ada und der brummige Nino, "Die Libelle und das Nashorn" eben, verbringen eine gemeinsame Nacht im Hotel.

Es ist nicht das, was Sie denken! Sie reden nur. Und spielen Rollenspiele: Nach einigen Whiskys in der Hotelbar verlangt Ada zum Beispiel, Nino möge einen Detektiv spielen und sie beschatten. Obwohl er viel lieber den Bösen geben würde und besorgt an seine entlaufene Katze zu Hause denkt, erfüllt er geduldig den Auftrag, getarnt mit einer Zeitung. So nett ist er.

Bald liegen sie miteinander im Bett

Schon bald liegen sie miteinander im Bett. Es ist aber immer noch nicht das, was Sie denken! Auch bloßes Reden und Rollenspielen könnte ja theoretisch ein gewisses Leinwandknistern hervorrufen. Der Vergleich mit "Lost in Translation" bietet sich hier schon inhaltlich an.

Es ist aber eher so, dass diese an sich charmante Ranschmeiße ans ganz große Erwachsenen-Kino recht kläglich im frühkindlichen Stadium stecken bleibt: Es handelt sich doch eher um die Konstellation Opa – Enkelin. Was nicht heißen soll, dass das nicht auch zauberhaft und spannend sein könnte.

Doch die angestrengt putzigen Fragen und Antworten über das Leben, die Liebe und die selbstverständlich naturgewollte bürgerliche Kleinfamilie sorgen in solide durchgehaltener Banalität dafür, dass es auch für den Zuschauer eine sehr lange, seltsame Nacht wird: Die melancholischen Abgründe, die das Ganze dunkel unterfüttern sollen, reichen nicht tiefer als bis in den aufgeräumten Papierkorb, in den Ada zu Beginn das dicke Buch ihres Kollegen schmiss.

Haberlandt fährt ihre Rolle virtuos an die Wand

Das Schauspieler-Duo tut das einzig Mögliche und Richtige, um das Gesamtkonzept des Films nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen: Haberlandt fährt ihre Rolle virtuos an die Wand der infantilen Begrenztheit, die das Drehbuch für sie vorgesehen hat, Adorf macht wie ein gutmütiger alter Bär oder Hase die Sache nochmals mit und lässt dabei offen, ob er damit nur Ada oder vielleicht doch den ganzen Film meint.

Es ist schade: Mit dem beschworenen nostalgischen Charme alter Edgar-Wallace-Filme und anderen optischen und musikalischen Spielereien stellt der Film, wie Ada sagen würde, gaaaaanz viele liebenswerte Seiten zur Schau. Der Wille zum Spiel allein reicht hier aber dann doch nicht aus.

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