04.12.12

Datenschutz

Studenten planen Klage gegen Facebook

Österreichische Studenten dringen seit einem Jahr auf mehr Datenschutz bei Facebook. Das soziale Netzwerk weist die Vorwürfe zurück. Die Klage könnte bis vor den Europäischen Gerichtshof gehen.

Foto: dpa

Facebook hat alles im Blick. Manchen Datenschützern geht das zu weit
Facebook hat alles im Blick. Manchen Datenschützern geht das zu weit

Facebook droht ein langwieriges Gerichtsverfahren in Europa: Die österreichische Studentengruppe "Europe-v-Facebook" wirft dem größten sozialen Internet-Netzwerk mangelnden Datenschutz vor und will vor Gericht ziehen, wie die Gruppe am Dienstag mitteilte.

"Das Verfahren könnte zu einem der größten Musterverfahren im Bereich Datenschutz werden und hätte gute Chancen bis zum Europäischen Gerichtshof zu laufen", hieß es in der Mitteilung.

Bereits mehrere Anzeigen gegen Facebook

Die Studentengruppe dringt seit mehr als einem Jahr auf einen besseren Datenschutz für Facebook-Nutzer und hat bereits etliche Anzeigen gegen die Internetplattform eingebracht. Seither kümmert sich die zuständige Datenschutzbehörde in Irland um den Fall – dort hat die Europa-Tochter von Facebook ihren Sitz.

Mit den Entscheidungen der Datenschützer sind die Studenten aber nicht zufrieden. Daher wollen sie nun Einspruch gegen das Vorgehen der Iren einlegen und Facebook so vor Gericht belangen.

Facebook pocht darauf, europäische Standards zu erfüllen

Facebook erklärte, seine Datenschutzmaßnahmen würden die europäischen Standards mehr als erfüllen. Das lege der neueste Bericht der irischen Datenschützer dar. "Aber trotzdem haben wir einige ausgesprochene Kritiker, die nie zufrieden sein werden mit dem was wir machen – egal was es ist", erklärte ein Facebook-Sprecher.

Offen ist noch, wie die Studenten ihren Rechtskampf finanzieren. Nach Einschätzung des Leiters der Initiative, Max Schrems, dürften sie rund 100.000 Euro benötigen – die sie unter anderem über eine Spendenplattform im Internet einsammeln wollen.

Facebook hat auf einige Kritikpunkte reagiert

Die Studenten erklärten, Facebook habe bereits auf einige ihrer Kritikpunkte reagiert und beispielsweise die Gesichtserkennung abgeschaltet, Daten gelöscht und die Datenschutzrichtlinie geändert. Dies sei jedoch nicht ausreichend. "Bei genauerer Untersuchung traten teilweise extreme Schlampereien hervor", teilten sie mit.

Den irischen Datenschützern werfen die Studenten vor, kein politisches Interesse daran zu haben, gegen Facebook vorzugehen, weil Facebook ein wichtiger Arbeitgeber sei. Die Behörde wies das zurück, und erklärte, Facebook bereits weitreichende Zugeständnisse abgerungen zu haben.

Datenschützer fordern strengere Regeln für Netzwerke

Facebook ist immer wieder mit dem Vorwurf mangelnden Datenschutzes konfrontiert. Zuletzt hatte auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich europaweit einheitliche und schärfere Regeln für Suchmaschinen und soziale Netzwerke wie Google oder Facebook gefordert. Damit will er erreichen, dass die Konzerne nicht unbegrenzt Daten über ihre Nutzer speichern.

Quelle: Reuters
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