03.12.12

New York

Obdachloser will Schuhe des Polizisten nicht tragen

Ein New Yorker Polizist kaufte einem barfüßigen Obdachlosen neue Schuhe – und die barmherzige Geste machte den Beamten auf einen Schlag weltberühmt. Doch der Beschenkte trägt die neuen Schuhe nicht.

Foto: dpa

Polizist DePrimo schenkte am Times Square in New York einem Obdachlosen ein paar Schuhe. Das Foto ging um die Welt, doch die Geschichte hat kein Happy End
Polizist DePrimo schenkte am Times Square in New York einem Obdachlosen ein paar Schuhe. Das Foto ging um die Welt, doch die Geschichte hat kein Happy End

Das Foto ging um die Welt: Ein Mann in der blauen Uniform der New Yorker Polizei hockt auf seinen Fersen neben einem barfüßigen Obdachlosen, dem er gerade eben ein Paar Schuhe gekauft hat.

Der Name des Polizisten: Lawrence DePrimo. Ihm hatte der Obdachlose leid getan, denn es war bitter kalt. Er selbst fror, obwohl er zwei Paar Socken übereinander trug. Nachdem er ein paar Worte mit ihm gewechselt hatte, ging er ihn ein Schuhgeschäft und erwarb Allwetterstiefel.

Normalerweise hätten sie ihn hundert Dollar gekostet, aber der Inhaber des Geschäfts, der wusste, zu welchem Zweck die Stiefel bestimmt waren, gab ihm einen Angestelltenrabatt, und so kosteten sie Lawrence DePrimo 75 Dollar.

Auf einen Schlag berühmt

Als er sich dann neben dem Obdachlosen niederhockte, erinnerte diese Pose Jennifer Foster – eine Touristin aus Arizona, die gerade in New York Urlaub machte – an ihren Vater. Auch er war Polizist gewesen, auch er hatte sich um einen Obdachlosen gekümmert, ihm Essen gekauft.

Er habe, sagte sie, auf genau dieselbe Art auf seinen Fersen gesessen. Also schoss sie ein Foto. Dieses Bild beschrieb sie in einer E-Mail an die New Yorker Polizei, die wollte das Foto prompt haben – und publizierte es auf Facebook.

Danach war Lawrence DePrimo, der doch nur freundlich sein wollte, auf einen Schlag berühmt. Michael Bloomberg, New Yorks Bürgermeister, erwähnte ihn in einer Rede und auf Twitter. Wildfremde Leute wollten sich plötzlich mit ihm zusammen fotografieren lassen. Der Polizeipräsident schenkte ihm Manschettenknöpfe.

Und der Obdachlose? Er heißt Jeffrey Hillman, ist 54 Jahre alt – und als er zuletzt in der Upper West Side gesichtet wurde, war er wieder barfuß, seine Füße voller Blasen und Schürfwunden.

Stiefel versteckt, statt sie zu tragen

Wo waren die Stiefel abgeblieben, die der freundliche Polizist ihm gekauft hatte? "Die sind versteckt", sagte er, "die sind viel Geld wert." Hillman war dankbar für das, was Lawrence DePrimo für ihn getan hatte, gleichzeitig äußerte er sich verbittert; er hätte von der Berühmtheit gern ein Stück abgehabt.

Hillman stammt aus New Jersey, war fünf Jahre lang in der Armee (er war in den USA und in Deutschland stationiert) und arbeitete in Küchen in New Jersey als Koch. Warum dann sein Leben aus dem Ruder lief und er auf den Straßen von Manhattan landete, wollte er lieber nicht erzählen.

Mittlerweile hat sich eine Frau gemeldet, die anonym bleiben möchte. Auch sie habe einmal einem Obdachlosen Schuhe gekauft; beinahe ist die anonyme Wohltäterin sicher, dass es sich bei ihm um Jeffrey Hillman handelte. Er sei so nett gewesen, dass sie sich unbedingt um ihn kümmern wollte.

Offenbar reichen zufällige Akte der Barmherzigkeit aber nicht aus, um die Probleme des Jeffrey Hillman zu kurieren.

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