01.12.12

Dokumentation

Wie ein Sargtischler zum Nosferatu-Darsteller wurde

Mit 16 brannte Alexander Granach nach Berlin durch. Er arbeitete erst als Sargtischler, schaffte es aber, bei einer Schauspielschule angenommen zu werden. Und spielte in Murnaus "Nosferatu" mit.

Von Henryk M. Broder
Foto: dpa

Der Schauspieler Alexander Granach in einer zeitgenössischen Fotografie von 1920. der Dokumentarfilm über ihn ist die tieftraurige, anrührende Geschichte eines Ost-Juden, dessen Zuhause die Bühne war
Der Schauspieler Alexander Granach in einer zeitgenössischen Fotografie von 1920. der Dokumentarfilm über ihn ist die tieftraurige, anrührende Geschichte eines Ost-Juden, dessen Zuhause die Bühne war

Das Leben von Alexander Granach war so abenteuerlich und verrückt wie die Filme, in denen er spielte. 1890 in einem galizischen Dorf, das heute zur Ukraine gehört, als das neunte von dreizehn Kindern eines jüdischen Bäckers geboren, lernte auch er das Bäckerhandwerk, bevor er mit 16 nach Berlin durchbrannte, wo er als Sargtischler arbeitete.

Mit 22 schaffte er es, an Max Reinhardts Schauspielschule angenommen zu werden. Nach einem "Gastspiel" als Rekrut in der österreichischen Armee während des Ersten Weltkrieges kehrte er nach Deutschland zurück, wo er schnell zu einem der erfolgreichsten Schauspieler seiner Zeit wurde: Liebling der Frauen, Held der Taxifahrer, Vorbild aller Mimen.

Mit der Machtergreifung durch die Nazis endete die einzigartige Karriere des "Galizianers" auf deutschen Bühnen (u.a. als Shylock und Mephisto) und im deutschen Film, darunter Murnaus "Nosferatu". Granach flüchtete in die Sowjetunion, wo er im Zuge der stalinistischen Säuberungen 1937 verhaftet wurde.

Zweite Karriere in Hollywood

Nachdem Lion Feuchtwanger bei Stalin zugunsten des Deutschen interveniert hatte, konnte er die Sowjetunion verlassen und ein Visum für die USA bekommen, wo ihm in Hollywood eine zweite Karriere gelang - in Filmen von Ernst Lubitsch, Fritz Lang und Michael Curtiz. – Alexander Granach starb im März 1945 in New York an den Folgen einer Blinddarmoperation.

Nun hat die Münchener Dokumentaristin und Filmhistorikerin Angelika Wittlich Granachs kurzes, wildes Leben rekonstruiert, in einem 105 Minuten langen Dokumentarfilm, der denselben Titel trägt wie seine 1945 erschienene Autobiografie "Da geht ein Mensch".

Es ist die tieftraurige, anrührende Geschichte eines Ost-Juden, dessen Zuhause die Bühne war, und zugleich eine Chronik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, an deren Ende eine Frage steht, auf die niemand eine Antwort weiß: Was wäre aus Deutschland geworden, wenn die Nazis nicht dazwischen gekommen wären? Der Film ist derzeit in ausgewählten Kinos zu sehen.

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