22.11.12

"Love is all you need"

Ein fabelhaftes Kino-Ticket nach Positano

Bittersüß wie Zitronenlimonade, realistisch wie ein Dogma-Film: In Susanne Biers warmherziger romantischer Komödie "Love is all you need" hat das Genre das Erwachsenenalter erreicht. Wurde auch Zeit.

Von Elmar Krekeler

Wir träumen ja gern. Gerade vor Weihnachten. Davon, dass wir für immer jung bleiben, zum Beispiel. Und dass die Liebe jederzeit vielleicht doch um die Ecke kommt. Davon träumen wir noch lang, träumen uns zu potenziellen Hauptfiguren romantischer Komödien schön. Deren immer wieder vorweihnachtlicher Erfolg beruht auf nichts anderem.

Spätestens dann ist das allerdings vorbei, wenn man sitzt, wo Ida (Trine Dyrholm) gleich am Anfang sitzt in Susanne Biers romantischer Komödie "Love is all you need". Einer Onkologin gegenüber, die fragt, was man so von plastischer Chirurgie hält. Und man antworten muss, nicht viel, im Zweifel würde es der Gatte gar nicht merken, dass da was ist, wo zwischendurch mal nichts mehr war.

Womit gleich klar ist, dass Ida in einer romantischen Komödie des üblichen Typs so richtig gar nichts zu suchen hat. Sie ist zu alt, sie ist beinharte Realistin, sie geht der Profession der Frisörin nach. Und sie glaubt auch dann noch an das Gute an besagtem beleibten Gatten Leif, als sie ihn – sie kommt von der Therapie, sie gilt als geheilt – eines Mittags auf dem Sofa erwischt, mit seinem besten Stück in der blonden Trine aus der Buchhaltung. Die einzige Extravaganz, die sich Ida leistet, ist ein gewisser Hang zum Zitronenfarbenen.

Lebenslügen unterm Sternenhimmel

Schon da ist klar, dass die romantische Komödie mit Biers Variation endlich das Erwachsenenalter erreicht hat. Die Dogma-Pionierin und ihr Standard-Skriptschreiber Anders Thomas Jensen können wahrscheinlich gar nicht anders, als noch aus dem schlimmsten Genre das Menschlichste herausholen. Es geht der Geist von "Das Fest" um in diesem warmherzigen Liebesdrama.

Und reibt sich an den RomComregeln. Es passiert, was gern passiert in RomComs, mit Figuren, wie sie in beinahe jeder auftauchen. Eine Hochzeit steht an. Astrid, Idas Tochter, und Patrick, Philips Sohn, wollen sich trauen. Sie kennen sich kaum drei Monate. Philip macht groß in Gemüse und Obst (Vorsicht: Zitrone!). Er ist in allem das Gegenteil von Ida und sieht aus wie ein bürokratisierter James Bond, was daran liegt, dass Pierce Brosnan ihn fabelhaft spielt. In Philips zitronenbaumumstandenem Landsitz an der Amalfi-Küste kommt die Familie zusammen. Und sie feiern, auf Wahrheit, auf Lebenslüge komm raus.

Und von Lebenslügen gibt es unterm ewig blauen, nachts herrlich bestirnten Himmel und den wunderbar gelben Zitronen wirklich genug. Gefühlsknoten werden geschürzt. Dramatik findet statt. Alles geht gut. Was will man mehr. Eine Zitronenlimonade vielleicht. Bittersüß. Und ein Ticket nach Positano.

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