15.11.12

Düsseldorfer Zelle

Bombenbauer auf Einkaufstour im Baumarkt

Vier mutmaßliche Al-Qaida-Terroristen stehen vor Gericht, weil sie einen Anschlag in Deutschland geplant haben sollen. Ein BKA-Ermittler schildert die Vorbereitungen – und den Frust der Angeklagten.

Foto: dpa

Die Angeklagten Amid C. (l.), Jamil S. (M.) und Abdeladim El-K. (r.) im Gerichtssaal des Oberlandesgericht in Düsseldorf
Die Angeklagten Amid C. (l.), Jamil S. (M.) und Abdeladim El-K. (r.) im Gerichtssaal des Oberlandesgericht in Düsseldorf

Die mutmaßlichen Al-Qaida-Terroristen der sogenannten Düsseldorfer Zelle haben sich laut Bundeskriminalamt systematisch um den Bau einer Bombe bemüht. Der mutmaßliche Kopf der Terrorzelle habe sich aus dem Internet ein Al-Qaida-Handbuch mit Bombenbauanleitungen auf einen Speicher-Stick heruntergeladen, sagte ein 35-jähriger BKA-Kommissar im Terrorprozess vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht.

Die sichergestellten Verlaufsdateien zeigten, dass sich Abdeladim El-K. anschließend immer wieder stundenlang mit dem Handbuch beschäftigt habe.

"Es ist sehr auffällig, mit welcher Intensität die Dinge von ihm konsumiert wurden", sagte der Ermittler. Dann habe die Gruppe begonnen, sämtliche zum Bombenbau benötigten Materialien zu beschaffen. Auf Ebay habe man Laborzubehör gesucht und im Internet auch nach Sprengstoff-Grundstoffen wie Azeton und Wasserstoffperoxid geforscht.

Einkaufsliste für den Baumarkt

In dem Prozess müssen sich seit Ende Juli vier Angeklagte verantworten. Die 21- bis 32-jährigen Männer sollen im vergangenen Jahr – auf Weisung der Al-Qaida-Führung – einen Bombenanschlag in Deutschland vorbereitet haben. Sie waren in Düsseldorf und Bochum festgenommen worden. Das Quartett schweigt bislang zu den Tatvorwürfen. Den Männern drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Noch einige weitere Inhaltsstoffe der im Al-Qaida-Handbuch beschriebenen Bomben hätten auf der Einkaufsliste der Angeklagten gestanden, sagte der Zeuge vom BKA. Es sei um Bestandteile für Zünder-Sprengstoff und die Hauptsprengladung gegangen. In Baumärkten habe man chemische Reinigungsmittel mit den Bestandteilen kaufen wollen.

Als dies zunächst nicht gelungen sei und einer der entsandten Einkäufer mit leeren Händen heimkam, sei die Stimmung den abgehörten Gesprächen zufolge gereizt gewesen. "Bin doch in andere Geschäft gegangen, Alter. Gab auch nicht", habe er sich entschuldigt. Der mutmaßliche Anführer habe dann dafür plädiert, so viel wie möglich im Internet zu kaufen: "Da wird nicht gefragt "Wofür?"."

Aus Dünger habe die Gruppe ebenfalls Sprengstoff-Grundstoffe gewinnen wollen. Außerdem habe sie sich um Elektronik-Bauteile bemüht, die zum Zünderbau benötigt wurden.

Quelle: dpa/mcz
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