13.11.12

Gefallener CIA-Chef

Das Ende der Männer und die neue Macht der Frauen

Eine Soldatin, die ihren Chef ruiniert – das gab es bisher nicht mal in Hollywood. Die Petraeus-Affäre hat das Zeug dazu, den Stoff für einen Thriller über die Macht der Frauen zu liefern.

Von Jenny Hoch
Foto: Screenshot Die Welt

Paula Broadwell ist die Frau, die CIA-Chef David Petraeus zu Fall brachte. Die Elitesoldatin würde auch in einem Hollywoodfilm eine gute Figur abgeben
Paula Broadwell ist die Frau, die CIA-Chef David Petraeus zu Fall brachte. Die Elitesoldatin würde auch in einem Hollywoodfilm eine gute Figur abgeben

Michelle Rodriguez ist eine amerikanische Schauspielerin, die sich auf ein eigenes Rollensegment spezialisiert hat. In Actionfilmen verkörpert sie mit Hingabe toughe Top-Soldatinnen, die an Mut, Opferbereitschaft und Trainingslevel ihren männlichen Kollegen in nichts nachstehen. Dummerweise muss Rodriguez immer nach spätestens einer Dreiviertelstunde ihr Leben lassen – während die Männer heldenhaft die Welt retten.

Diese Dramaturgie ist obsolet. Mit Paula Broadwell, der Elitesoldatin, die von der Biografin zur Geliebten von CIA-Chef David Petraeus wurde und ihn dann zu Fall brachte, betritt ein weiblicher Militär die staubige Kampfarena der Weltöffentlichkeit, der sich nicht mehr mit einer Nebenrolle begnügt. Dafür ist Broadwell zu emanzipiert.

Sie will keine kumpelhafte Verliererin sein wie Rodriguez, sondern die heimliche Kommandantin, die die ihr ergebenen Männer in ihrem Sinne lenkt. Und zwar mit vollem Körpereinsatz. Ihr Maschinengewehr lässt diese Eine-Frau-Einheit lieber im Spind, Erotik, hat sie gelernt, ist die wirksamere Waffe.

General Petraeus – der Anti-Bond

Wäre sie eine Filmfigur, dann wäre sie das soldatische Gegenstück zum herkömmlichen Bond-Girl – und ihr Ex-Geliebter Petraeus ein Anti-James-Bond. Der ist zwar auch ein Top-Agent, aber viel zu asketisch, als dass er den Unterschied zwischen einem gerührten und einem geschüttelten Martini goutieren könnte. Einen Titel für diesen imaginären Film gibt es auch schon. Er heißt: "The End of Men", auf Deutsch "Das Ende der Männer".

So hat Hanna Roisin, geboren in Israel, aufgewachsen in den USA und Reporterin bei der Zeitschrift "Atlantic", ihr viel diskutiertes Buch genannt. Die Mittvierzigerin ist keine Hardcore-Feministin, ebenso wenig wie Broadwell, die sich in der Rolle der "Soccer-Mum" gefällt, die ihre beiden Söhne zum Fußball kutschiert, sich um den Haushalt kümmert und früher als Model für eine Maschinengewehrfirma gearbeitet hat.

Die Journalistin hat nur gründlich recherchiert, und dabei ist nun mal herausgekommen, dass die Männer am Ende sind und die Frauen am Gipfel ihrer Macht. Ihre Erklärung: Die postindustrielle Gesellschaft braucht immer weniger Männer. Die Zahlen sprechen für sich: Seit 2000 gibt es in der amerikanischen Industrie sechs Millionen Jobs weniger, fast alles Männerjobs. Was dagegen wächst, ist der Dienstleistungssektor. Der brauche, so schreibt es Roisin, dringend und vor allem Frauen mit ihrer "offenen Kommunikation".

Ob "unangebrachte Kommunikation", so wie sie in der immer unübersichtlicher werdenden Petraeus-Affäre gepflegt wurde, die neue Machtstellung der Frauen ebenfalls untermauert, kann an dieser Stelle nicht eindeutig geklärt werden. Fest steht aber, dass Roisins These vom Ende der Männer in Hollywood heißer Stoff für einen Verschwörungsfilm wäre.

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