09.11.12

Heiratsschwindler

Wie Salafisten auf Facebook Frauen austricksen

Salafistische Heiratsschwindler machen sich im Internet zunehmend an alleinstehende Frauen heran, warnt der Prediger Hassan Dabbagh. Er arbeitet nun an einem öffentlichen Pranger für die Betrüger.

Foto: dapd

Der Imam der Leipziger Al-Rahman-Moschee, Hassan Dabbagh, hier in den Räumen der Gemeinde (Archivbild von 2006), warnt auch die Männer
Der Imam der Leipziger Al-Rahman-Moschee, Hassan Dabbagh, hier in den Räumen der Gemeinde (Archivbild von 2006), warnt auch die Männer

Heiratsschwindler vermutet man ja überall, aber nun wirklich nicht in der Salafistenszene. Weit gefehlt. Der Prediger Hassan Dabbagh warnt nun "seine Brüder und Schwestern" vor diesen Männern – ganz öffentlich, in einem Video auf YouTube. Die Masche sei immer die gleiche: Männer aus der salafistischen Szene kontaktieren salafistische Frauen auf Facebook unter einem falschen Namen.

Sie geben zunächst vor, sich über allgemeine Themen und ihre Religion austauschen zu wollen. Nach einigen Wochen fragen sie die Frauen, ob sie verheiratet seien. Sie empfehlen den ledigen Frauen einen "guten Bruder" für eine islamische Heirat. Bei diesem "Bruder" handelt es sich allerdings um sie selbst.

Nachdem sie die Frauen unter ihrem richtigen Namen kontaktiert haben, kommt es zu einer islamischen Eheschließung. Allerdings wird diese Ehe geheim gehalten, da die Heiratsschwindler bereits verheiratet sind. Nach kurzen Zeit werden die Frauen aber sitzen gelassen.

Heiratsschwindler öffentlich an den Pranger

Prediger Dabbagh will das nicht länger hinnehmen: Er fordert alle betroffenen Frauen auf – unter denen sich auch konvertierte Muslimas befinden sollen –, ihm per E-Mail ihre Geschichte mit allen Einzelheiten und vor allem mit den Namen der Personen zu schicken.

Dabbagh will alle Namen der Heiratsschwindler öffentlich verkünden, um die Frauen vor ihnen zu warnen, "egal, wer die Person ist". In einem zweiten Video wiederholt Dabbagh seine Warnung und berichtet, dass er viele Reaktionen von Frauen und Männern erhalten habe. Namen von Heiratsschwindlern nannte der Prediger allerdings nicht. Man solle aus den Vorfällen lernen.

Dabbagh warnt auch die Männer: "Such dir eine Frau, die Allah fürchtet. Die Frau, die heute mit dir chattet, chattet auch mit zehn anderen."

Salafistische Männer können Mehrehen eingehen, aber sie müssen das Einverständnis ihrer Frau(en) einholen. Dabbagh ist Vorsitzender der islamischen Al-Rahman-Moschee in Leipzig. Der Verfassungsschutz Sachsen stuft das salafistische Gedankengut der Al-Rahman-Moschee teilweise als demokratiefeindlich ein.

Quelle: DW
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