08.11.12

"Argo"

Wie Ben Affleck den Ayatollah Khomeni austrickst

Von George Clooney koproduziert: "Argo" erzählt vom Agenten des Geheimdienstes CIA, der eine Filmproduktion vortäuscht, um 1979 US-Bürger aus der Hölle des Iran zu schleusen.

Zu den erfreulicheren Entwicklungen in Hollywood zählte zuletzt die Karriere von Ben Affleck. Zwischen 2001 und 2004 hatte er noch viermal die Goldene Himbeere gewonnen, mit der jedes Jahr die schlechtesten Leistungen der Branche bedacht werden.

Seine Hauptrolle im superpatriotischen Kitschstreifen "Pearl Harbour" inspirierte sogar eine Liebesliedzeile in der Satire "Team America": "I need you like Ben Affleck needs acting school" – "Ich brauche Dich, wie Ben Affleck eine Schauspielschule braucht."

Rückblickend könnte man meinen, dass er sich diesen hämischen Rat tatsächlich zu Herzen genommen hat, denn das Missbrauchsdrama "Gone Baby Gone" markierte 2007 nicht nur Afflecks überzeugendes Debüt als Regisseur. Sein Wechsel hinter die Kamera wurde ihm auch zur Lehrstunde in Sachen Schauspielerei, wie er selbst bekannte.

In seinem zweiten Film, dem Krimi "The Town – Stadt ohne Gnade" besetzte er sich dann auch selbst als Darsteller – und landete erneut einen Erfolg an den Kassen und bei der Kritik.

Wie Al Pacino in "Serpico"

Auch in "Argo", Afflecks dritter Regiearbeit, ist er nun wieder als Hauptdarsteller zu sehen – und auf dem ersten Blick kaum zu erkennen. Sein Bart ist voll, der Pony reicht ihm bis zu den Augen. Er erinnert ein wenig an Al Pacino in "Serpico" von 1973 – nicht von ungefähr, denn "Argo" spielt in den letzten Tagen der Siebzigerjahre und auch seine Inszenierung erinnert an den Stil dieser Epoche.

Affleck erweitert ihn allerdings um das Tempo, wie man es von Paul Greengrass kennt, oder den letzten Jason-Bourne-Filmen mit Matt Damon. Wie "Bloody Sunday" beruht auch "Argo" auf einer wahren Begebenheit, einer Geschichte, die fast vergessen, aber zu fantastisch ist, um sie unverfilmt zu lassen.

November 1979. Während der gestürzte Schah von Persien in den USA zu Gast ist, besetzen Studenten die US-Botschaft in Teheran. Sechs Angestellte können entkommen und sich im Haus des Botschafters von Kanada verstecken. Es gilt, sie unerkannt außer Landes zu bringen, bevor die islamischen Revolutionäre die hastig geschredderten Personalakten in der US-Botschaft rekonstruieren und so ihre Flucht bemerken würden.

Tony Mendez (Ben Affleck), der CIA-Experte für solche Fälle, muss schnellstmöglich dem Krisenstab in Washington seinen Lösungsvorschlag unterbreiten. Und an dieser Stelle wagt "Argo" einen radikalen Genrewechsel: vom dramatischen, actionreichen Politthriller zur Realsatire.

Fake-Filmproduktion

Mendez geht nach Hollywood und ruft im Handumdrehen eine Fake-Filmproduktion ins Leben. Gemeinsam mit dem Produzenten Lester Siegel (Alan Arkin) zieht er "Argo" aus einem Stapel Drehbücher, ein C-Movie-Projekt, das zum großen Teil in der Wüste spielen soll. Das Casting beginnt, Plakate werden gedruckt, die Presse wird zur Konferenz mit Schnittchen und Champagner geladen.

Als Koproduzent reist Affleck offiziell in den Iran, um mit seinen sechs Landsleuten – getarnt als professionelle Filmcrew – schließlich unerkannt das Land zu verlassen. Was klingt wie eine durchgeknallte Komödie, ist tatsächlich passiert. Und die erstaunlichste Leistung von Affleck vor und hinter der Kamera besteht darin, dass sein Film die Balance zwischen den Genres hält.

Ironischerweise vergreift sich "Argo" lediglich in einigen Szenen, die zur dramaturgischen Zuspitzung hinzuerfunden wurden und zum Beispiel ein allzu klischeebeladenes Bild von den iranischen Grenzsoldaten am Flughafen zeichnen. Andererseits vermeidet der von George Clooney koproduzierte Film den großen patriotischen Überschwang, der "Pearl Harbour" vor elf Jahren noch zum Verhängnis geworden war. Ben Affleck hat die Schule wohl ein für allemal verlassen.

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