07.11.12

Prix Goncourt Frankreichs Literatur-Oscar für Jérôme Ferrari

Foto: ERIC FEFERBERG / AFP

Der wichtigste französische Literaturpreis Prix Goncourt geht in diesem Jahr an Jérôme Ferrari für seinen Roman „Le sermon sur la chute de Rome“ (etwa: „Der Eid auf den Niedergang Roms“).

Wie die Goncourt-Jury am Mittwoch in Paris bekanntgab, wurde Ferrari im zweiten Wahlgang gewählt. Der 1968 in Paris geborene Autor gehört zur neuen aufsteigenden Literatengeneration Frankreichs. Sein Werk handelt von einer Bar in Korsika, die zum Dreh- und Angelpunkt von Hoffnungen, Enttäuschungen und Konflikten wird, in denen sich die der gesamten Menschheitsgeschichte widerspiegeln.

Ferrari stand als Favorit auf fast allen Shortlists der diesjährigen französischen Literaturpreise. Er habe durch seine Sprache und seinen Stil überzeugt, befand die Jury. "Le sermont sur la chute de Rome" ist das sechste Werk des Philosophielehrers. Von dem rund 200 Seiten langen Roman wurden bislang mehr als 90.000 Exemplare verkauft.

Der Preis ist mit nur zehn Euro dotiert

Der erstmals 1903 vergebene Prix Goncourt ist zwar nur mit symbolischen zehn Euro dotiert, doch er katapultiert die Autoren wochenlang in die Bestsellerlisten und treibt die Verkaufszahlen in die Höhe.

Ferraris Roman handelt von einem jungen Korsen, der sein Studium aufgibt, um gemeinsam mit einem Jugendfreund eine Bar in einem korsischen Dorf zu übernehmen. Die jungen Männer wollen aus dem Dorfcafé "die beste aller möglichen Welten" machen, werden aber rasch von Enttäuschungen, Frustrationen und Konflikten eingeholt. Für Ferrari spiegelt sich in ihrem Schicksal die gesamte Menschheitsgeschichte wieder. In seinem Schwur hatte der heilige Augustin den Römern im Jahre 410 versichert: "Die Welt ist wie ein Mensch: Sie wird geboren, sie wächst und sie stirbt."

Der aus einer korsischen Familie stammende 44 Jahre alte Ferrari ist von Beruf Philosophie-Lehrer. Zur Zeit unterrichtet er am französischen Gymnasium von Abu Dhabi. Zuvor arbeitete er an Gymnasien in Algier und auf Korsika. Ferrari war der Favorit fast aller Shortlists für die diesjährigen französischen Literaturpreise. "Le sermont sur la chute de Rome" ist sein sechstes Buch. Auf Deutsch erschien 2011 sein Roman "Und meine Seele ließ ich zurück", der während des Algerien-Kriegs spielt.

Zeitgleich wurde am Mittwoch der Literaturpreis "Renaudot" vergeben. Die Auszeichnung ging an Scholastique Mukasonga für "Notre-Dame du Nil" (etwa: "Notre-Dame am Nil"). Das Werk handelt von einem 16-jährigen Mädchen, das in den Bergen zwischen der Kongo-Nil-Wasserscheide zurückgezogen lebt, um bis zur Hochzeit vor allen Versuchungen geschützt zu sein. Der Roman der aus Ruanda stammenden Schriftstellerin wurde im zehnten Wahldurchgang gewählt. Das Buch stand nicht auf der Favoritenliste.

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