Berlin-Konzert
Vom Spaß-Ska zum Balkan-Pop - Madness ist zurück
Samstag, 6. Juni 2009 00:02 - Von Peter E. Müller30 Jahre stehen die Mannen von Madness nun schon auf der Bühne, aber von Altersmüdigkeit keine Spur. Gekonnt mixen die Briten alte Ska-Hits mit Stücken vom phänomenalen neuen Album "The Liberty Of Norton Folgate" - und bescheren Berlin das erste große Konzert-Highlight des Sommers.
Ein bisschen herrscht hier Volksfeststimmung. Der Geruch von Bratwurst und Cheeseburger hängt in der Luft. Rude Boys mit Hosenträgern und Schiebermütze belagern die Bierbuden. Ein langer Kerl in schwarzem Anzug und mit feuerrotem Fez auf dem Kopf tanzt sich schon mal warm in der Menge, während das Vorprogramm, die Berliner Folkpunk-Truppe The Pokes, über die Bühne in der Zitadelle tobt.
Die heizt die Stimmung an für die Attraktion des Abends, die Tausende in das Spandauer Festungsgemäuer gelockt hat. Und als die britische Ska-Pop-Mannschaft von Madness schließlich in Originalbesetzung zu Balkan-Folklore-Klängen auf der Bühne erscheint, ist auf dem Gelände kein Halten mehr. „This is the heavy, heavy monster sound“ skandiert Tanzbär Carl Smyth ins Mikrofon. Und mit dem Klassiker „One Step Beyond“ beginnen gut eineinhalb Stunden mit einer der ausdauerndsten und energetischsten Band, die das britische Königreich zu bieten hat.
Es sei doch tätsächlich der 30. Geburtstag, den „this funny old band“ in diesem Jahr feiern kann, erzählt Sänger Graham „Suggs“ McPherson. Und alle feiern mit. Dieser Abend wird zu einem Fest, bei dem von Anfang an keiner Stillstehen will, Schafskälte und angedrohtem Bodenfrost zum Trotz.
Madness mixen gekonnt alte Hits mit Stücken vom phänomenalen neuen Album „The Liberty Of Norton Folgate“. Auf „Embarrassement“ von 1980 folgt der neue Song „Forever Young“, gleich darauf gibt’s mit „The Prince“ das allererste Stück, das Madness 1979 aufgenommen hat.
Von ihren Anfängen als rüde Ska-Band, die man auch in Berlin im legendären Kant-Kino und anderswo erleben konnte, haben sich diese sieben Londoner zu einer Party-Pop-Band entwickelt, die karibische Rhythmen und britischen Sixties-Pop zu einer bewegungsintensiven Melange verquirlt. Und auch nach 30 Jahren – freilich mit längeren Unterbrechungen – ist diesen Musikern keine Altersroutine anzumerken, auch wenn sie in den neuen Stücken durchaus etwas nostalgisch werden und mit dem Erwachsenwerden kokettieren.
Natürlich gibt’s all die Hits, die die Band berühmt gemacht haben, von „My Girl“ über „Baggy Trousers“ bis zu „Our House“ und „It Must Be Love“. Eine Coverversion von Max Romeos „Iron Shirt“ ist ebenso dabei wie das Instrumental „The Return of the Los Palmas Seven“. Und die neuen Stücke, darunter die treibende „Clerkenwell Polka“ oder das pulsierende „That Close“ passen sich wunderbar ein in diesen stimmigen Party-Mix in bestem Live-Sound.
Immer wieder plaudert „Suggs“ mit dem Publikum. Die Atmosphäre ist gleichzeitig so ausgelassen wie intim, gerade so, als wäre man in einem kleinen Club in Camden Town und nicht in dieser Renaissance-Trutzburg unter kühlem blauen Himmel. Der Applaus ist lautstark langanhaltend - und natürlich gibt es bei den Zugaben mit „Madness“ auch jenen Song, den Prince Buster in den sechziger Jahren aufgenommen hatte und der dieser Band einst ihren Namen gab. Nach diesem Konzert kann der Berliner Konzertsommer bereits jetzt sein erstes Highlight verbuchen.

















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