22.10.12

USA

Mach meine Tochter nicht dumm an, Rabbi!

Krach im US-Wahlkampf: Ein orthodoxer Rabbi greift die Komikerin Sarah Silverman wegen eines antirepublikanischen Videos an. Deren Vater antwortet dem Geistlichen mit einer deftigen Pöbelei.

Foto: picture alliance / dpa

Per Online-Video fordert Sarah Silverman Senioren auf, sich zu bewaffnen, damit sie wählen gehen können
Per Online-Video fordert Sarah Silverman Senioren auf, sich zu bewaffnen, damit sie wählen gehen können

Die jüdische Komikerin Sarah Silverman wittert eine Intrige der Republikaner. In einigen amerikanischen Bundesstaaten sollen die Leute bei den kommenden Präsidentschaftswahlen nämlich ihre Führerscheine vorlegen, ehe sie zu den Urnen schreiten (es gibt in Amerika keine staatlichen Ausweispapiere).

Etwa 22 Millionen Amerikaner aber haben keinen solchen, behauptet sie, und zwar vor allem Schwarze, Senioren, Studenten und Veteranen. Ganz besonders erbost Silverman, dass anstelle eines Führerscheins auch ein Waffenschein akzeptiert wird.

In einem YouTube-Video, das sich durch die gewohnten Obszönitäten auszeichnet, aber nicht besonders witzig ist, fordert die Komikerin darum vor allem aber die lieben Senioren auf, sich zu bewaffnen, damit sie wählen gehen können. Ihr Video heißt: "Let My People Vote" – eine Anspielung auf das biblische "Schalach et ami!" (2. Mose 5,1), das Moses einst dem ägyptischen Pharao entgegenschleuderte.

Antwort vom Rabbiner

Dieses relativ unwitzige Video rief nun eine ebenso humorlose Reaktion hervor. Ein Rabbiner namens Yaakov Rosenblatt schrieb einen offenen Brief an Sarah Silverman, der in der ziemlich unbekannten "Jewish Press" veröffentlicht wurde. "Wir beide haben jüdische Vorfahren", heißt es dort. "Ich bin nicht sicher, was wir sonst noch gemeinsam haben. Du bist gut in dem, was Du tust – Comedy –, und ich versuche, gut zu sein in dem, was ich tue – als Ehemann, Vater, Rabbi und Produzent von koscherem Fleisch. Meine Frau und ich sind mit sechs Kindern gesegnet, und ich verbringe meine Tage damit, dass ich für den Nachwuchs sorge."

Rabbi Rosenblatt wüsste nun gern, warum Sarah Silverman mit 42 Jahren noch nicht verheiratet ist. Außerdem bittet er sie, biblische Anspielungen zu unterlassen, wenn sie Obszönitäten von sich gibt.

Haben die amerikanischen Juden ihren Humor verloren?

In der Kommentarspalte der Online-Ausgabe der "Jewish Press" findet man eine Stellungnahme von Ronald Silverman, Sarahs Vater, die ebenfalls keinen Funken Witz hat, dafür aber wenigstens schön grob ist. Sie beginnt mit "Hallo Arschloch" und endet mit "You don't fuck with my family". Zwischendurch zählt Ronald Silverman die Errungenschaften seiner Kinder und Enkel auf – die andere Tochter Reformrabbinerin, der Schwiegersohn für den Nobelpreis nominiert, die Enkelin in der israelischen Armee.

So weit, so normal. Aber könnte es sein, dass Amerika das Land ist, in dem Juden ihren Humor verloren haben?

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