24.09.12

Pariser Louvre

Wo der Islam zu leuchten beginnt

Hier sind die Mohammed-Karikaturen ganz weit weg: Ein Rundgang durch die neue Abteilung im Louvre, die 3000 Objekte auf zwei Etagen ausstellt, unter dem spektakulär gewölbten Dach aus Stahl und Glas.

Foto: AFP

Komplexe Schönheit: Verzierte elfenbeinerne Büchse in Paris
Komplexe Schönheit: Verzierte elfenbeinerne Büchse in Paris

Es war ein unglücklicher Zufall, dass die Eröffnung der neuen Abteilung für islamische Kunst des Louvre in jene Woche fiel, da sich fast alles um die Mohammed-Karikaturen des französischen Satireblattes "Charlie Hebdo" drehte. Die in mehr als zehn Jahren erarbeitete Ausstellung, verantwortet von der Kuratorin Sophie Makariou, zeigt Kunst aus zwölf Jahrhunderten. 3000 Objekte stellt die Schau auf zwei Etagen aus, unter dem spektakulär gewölbten, golden schimmernden Dach aus Stahl und Glas, das die Architekten Rudy Ricciotti und Mario Bellini über den Cour Visconti des Louvre gespannt haben.

Dennoch sollte Sophie Makarou bei der Begehung der neuen Räume am Donnerstag immer wieder Fragen zu den tagespolitischen Ereignissen beantworten, als ließe sich das Erregungspotenzial mancher Anhänger einer Weltreligion aus deren kulturgeschichtlichen Erzeugnissen erklären.

Die "leuchtende Seite" des Islam soll das Gebäude zeigen, so der Wunsch des Präsidenten Jacques Chirac, als er das Projekt im Jahr 2003 anstieß. Tatsächlich zeigt sich das Leuchtende eindrücklich: Das Obergeschoss unter dem schwebenden Dach lässt vielfach gebrochenes Tageslicht hinein, das durch seitliche Schächte bis ins Untergeschoss dringt.

Rekonstruierte Wandmosaike

Ricciotti spielt mit seiner Architektur gern etwas vor, das nicht da ist: Die dreieckigen Lichtblenden des Daches sind aus Stahlwollfäden, die gewölbte Fläche wirkt von oben aber wie ein im Wehen erstarrtes Stück Stoff. Ricciotti wollte das Gemachte der Architektur deutlich herausstellen und erweist damit zugleich jenen anonymen Künstlern seine Referenz, deren kunstfertiger Umgang mit Glas, Bronze und Keramik die Artefakte hervorgebracht hat, die im Obergeschoss in der Ausstellung zu sehen sind.

Herausragend sind die rekonstruierten Wandmosaike der im 19. Jahrhundert durch ein Feuer zerstörten Großen Moschee von Damaskus. Der französische Kunsthistoriker Victor Eustache de Lorey endeckte sie 1929. Als man sie 1931 in Paris ausstellte, waren sie eine Sensation: Die Mosaikkünstler der Umayaden hatten Stadt-Landschaften geschaffen, die aussahen wie jene des Fauvisten Raoul Dufy.

Eine mit Jagdszenen verzierte Elfenbein-Schmuckdose – ein Geschenk für den jüngsten Sohn des Kalifen von Cordoba, Abd al-Rahman III. (929-961) – legt den Schluss nahe, dass die islamische Zivilisation als eine sinnliche und verspielte begonnen hat und der figürlichen Darstellung keineswegs abgeneigt war.

Bronze-Taufschale als Herzstück

Im Untergeschoss, in dem Kunstwerke der Jahre 1000 bis 1800 untergebracht sind, sticht neben filigran kalligraphierten Schriften der Erklärtext ins Auge: Die mechanische Reproduktion der als heilig geltenden arabischen Schriftzeichen sei in weiten Teilen der islamischen Welt bis ins 19. Jahrhundert verboten gewesen. Was die Frage aufwirft, wie es um die Entwicklung der islamischen Aufklärung bestellt gewesen wäre, wenn sich der Buchdruck schneller verbreitet hätte.

Das Herzstück der neuen Abteilung aber ist die mit Jagd- und Kriegsszenen verzierte Bronze-Taufschale, in die der spätere französische König Ludwig XIII. 1601 in Fontainebleau getaucht wurde. Sie dürfte aus Syrien oder Ägypten stammen. Ihr Stil deutet darauf hin, dass sie in der Regierungszeit des Sultans Al-Nasir Ibn Qualawan (1309-1341) entstand. Die Franzosen behaupteten im 18. Jahrhundert, sie habe bereits dem späteren König Ludwig IX. gedient, "dem Heiligen". Irgendwann stellte man fest, dass der sich auf Kreuzzug begeben hatte, lange bevor die Schale entstanden war. Nun steht sie im Louvre, als leuchtendes Rätsel.

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