07.09.12

"The Watch"

Als eine Swingerclub-Orgie die Welt rettete

Science-Fiction-Nonsense-Kino für alle Sinne: In der abgedrehten Komödie "The Watch" hat so ziemlich jeder Held seine Probleme mit dem Geschlechtlichen. Und Ben Stiller ist auch noch dabei.

Quelle: 20th Century Fox
01.09.12 1:37 min.
In der kleinen Vorstadt Glenview in Ohio gründen ein paar Familienväter nach einem grausamen Mord eine Bürgerwehr - ohne zu ahnen, dass sie schon bald viele größere Aufgaben übernehmen müssen.

Hinter Alien-Attacken im Kino verbargen sich in Wirklichkeit ja schon immer die Projektionen amerikanischer Urängste. Mal war es – wie in den Filmen zu Zeiten des Kalten Krieges – die Panik vor einem Angriff der Sowjets, mal – wie in "Men in Black" - die Furcht vor illegalen Immigranten, die sich in dem Einmarsch der Außerirdischen materialisierte.

Akiva Schaffers "The Watch" behandelt nun konsequent eine der größten Bedrohungen, der sich die USA permanent ausgesetzt sehen: Sex. Das mag am Anfang der Komödie sicherlich noch nicht so deutlich zutage zu treten. Da gründet der spießige Kleinstadt-Supermarktfilialleiter Evan (Ben Stiller) gemeinsam mit drei weiteren Durchschnittsluschen (gespielt von Vince Vaughn, Jonah Hill und Richard Ayodade) eine Bürgerwehr, um den unappetitlichen Tod eines Arbeitskollegen aufzuklären.

Allmählich schwant den allseits belächelten Bürgersheriffs, dass es in den Häusern ihrer beschaulichen Heimatstadt nicht mit rechten Dingen zugeht. Schleimabsondernde Ekel-Außerirdische, die eindeutig vom selben Planeten wie Ridley Scotts Alien stammen, benutzen die Bürger als Körperspender. Offenbar haben die Wesen aus dem Weltall ein ähnlich laxes Verhältnis zum gewaltsamen Eindringen wie mancher US-Republikaner.

Dominante sexuelle Anspielungen

Die sexuellen Anspielungen sind in "The Watch" so dominant, dass man kaum noch vom einem Subtext sprechen kann. Nicht nur, dass der Schleim der Aliens an eine gewisse Körperflüssigkeit erinnert, auch ihr Hirn sitzt genau dort, wo es sich bei den meisten Erdenmännern befindet: zwischen den Beinen. Akuter Außerirdischen-Verdacht besteht bei Menschen, die sich sexuell zwielichtig verhalten – wie etwa der neue Nachbar, der ein wenig zu auffällig gut gebaute Männerkörper lobt.

Letztendlich wären da noch die Helden, die alle so ihre Probleme mit dem Geschlechtlichen haben. Der eine kann keine Kinder zeugen, der andere hat panische Angst davor, dass seine pubertierende Tochter geschwängert wird, der dritte lebt noch bei seiner Mutter und der vierte wirkt seltsam asexuell. Dass es unter anderem eine Swingerclub-Orgie ist, die die Welt rettet, weil ein Außerirdischer dadurch den Wert menschlichen Miteinanders zu schätzen gelernt hat, ist vor diesem Hintergrund nur allzu folgerichtig.

Man sollte allerdings hinzufügen, dass es sich bei diesen satirischen Spitzen um launige Zufallstreffer handelt. "The Watch" ist in erster Linie die Ausweitung der Judd-Apatov-Zoten-Zone auf die Science-Fiction-Ebene: Ein unterleibsfixierter Jungsspaß, der durchaus das Zeug zu noch etwas mehr gehabt hätte.

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