07.09.12

Biographie

Katja Eichinger – Bernd war kein "Kommerzhengst"

In einem Interview verteidigt Katja Eichinger ihren verstorbenen Mann, erzählt von Gesprächen bei Dreharbeiten und greift seine Kritiker an. Eines von seinen Werken will sie weiterführen.

Foto: dapd
Katja Eichinger, Ehefrau des verstorbenen Filmproduzenten Bernd Eichinger
Katja Eichinger sagt, ihr Mann habe gerne provoziert. Doch genau dafür habe sie ihn geliebt

Katja Eichinger hat ein Buch über ihren Mann Bernd geschrieben, den berühmten Filmproduzenten, der im vergangenen Jahr völlig überraschend starb. Das Buch ist auch eine Hommage an ihre große Liebe geworden. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa erzählte sie nun unter anderem, warum ihr Mann alles andere war als ein "Kommerzhengst".

Auch ihre Entscheidung, so früh ein Buch über ihn zu schreiben, begründet sie: "Es war Bernds Wunsch, dass ich dieses Buch schreibe. Es gibt immer verschiedene Perspektiven auf die Vergangenheit. Er hat mir seine erzählt. Es war sowohl ihm als auch mir wichtig, dass diese Perspektive aufgeschrieben wird."

"Die Erinnerung ist ein Haus mit beweglichen Wänden"

Insbesondere wegen des Films "Der Baader Meinhof Komplex" hätten sie sehr viel über Zeugenaussagen und Erinnerung gesprochen. "Bernd betonte dabei immer wieder, dass Zeugenaussagen nur etwas wert seien, wenn sie direkt nach dem Ereignis erfolgen. Denn unsere Erinnerung passt sich immer den Anforderungen unserer Lebensumstände an. Die Erinnerung ist ein Haus mit beweglichen Wänden."

In der Zeit direkt nach dem Tod habe sie sich permanent mit ihren verstorbenen Partner beschäftigt. Worte könnten den Erinnerungen dann Plastizität verleihen, denn: "Irgendwann holt einen der Strom des Lebens wieder zurück. Zwar nur langsam, aber es ist unvermeidlich und auch wichtig. Da wird es schwieriger, stehen zu bleiben und mit dem erforderlichen Sinn fürs Detail zurückzublicken."

"Genau dafür habe ich ihn geliebt"

Nach seinem Tod habe sie sich gewundert, dass Bernd Eichinger vielerorts als "Kommerzhengst" bezeichnet worden sei. "Anhand seiner Filme, die sich ja zum großen Teil sehr düsterer Stoffe annahmen und auf den ersten Blick überhaupt keinen Hit versprachen, ist das eine bizarre Unterstellung." Natürlich habe er die bürgerliche Gesellschaft gerne provoziert. "Dass sich die Leute so daran gestoßen haben, ist mir unverständlich, denn genau dafür habe ich ihn ja geliebt."

Jetzt habe sie ein Projekt von ihrem Mann übernommen, erzählt Katja Eichinger, "Vernon God Little" nach dem Roman von DBC Pierre. "Ansonsten ist es mir wichtig, dass Bernds Geist den Menschen zugänglich gemacht wird. Dass wir von seinen Erfolgen ebenso wie von seinen Fehlern lernen können." Sie habe nun ein Archiv seiner Aufzeichnungen und Memorabilien in die Wege geleitet. Das habe ihr Mann sich immer gewünscht.

Zunächst sei sie aber froh, dass das Buch fertig sei. "Das war keine kleine Aufgabe."

Quelle: dpa/ans
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