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10.05.09

Kommentar

Carreras' Opernkarriere war schon 1987 vorbei

Vor kurzem gab er seinen Abschied von der Oper bekannt. Doch der Rücktritt von Startenor José Carreras ist kein plötzliches Ende einer großen Karriere. Vielmehr ist dieser Schritt konsequent. Denn Carreras' verbliebene stimmliche Fähigkeiten reichen schon lange nicht mehr für Oper. Höchstens noch für Mehrzweckhallen.

AP

Der mexikanische Operntenor Rolando Villazón bei seinem Auftritt in der Fernsehsendung "Wetten dass...?" in München im März 2009.

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Die Meldung wäre komisch, hätte sie nicht einen so tragischen Hintergrund. Mit seinem von der seriösen Londoner "Times" angekündigter "Rückzug von der Opernbühne" ließ Startenor José Carraras weltweit die Medien erbeben. Sofort wurden Elogen und Elegien auf den jüngsten der "Drei Tenöre" verfasst. Doch sah sich die Carreras-Stiftung gezwungen, die Ankündigung eines anvisierten Abgangs zu relativieren.

Die Meldung beruhe auf einer Fehlinterpretation der Aussage von Carreras, "sein künstlerisches Schaffen künftig nicht mehr auf die Oper konzentrieren zu wollen". Dasselbe, was Carreras über Konzert-Engagements sage, gelte auch für Opernaufführungen, erklärt die Stiftung: Solange diese sich in einem Rahmen bewegten, die ihm "künstlerisch und professionell optimale Bedingungen" böten, werde er weiterhin Opern bestreiten.

Aber wo eigentlich, fragt man so belustigt wie betrübt. Die Karriere als ernst zu nehmender Operntenor war für den heute 62-jährigen Katalanen schon 1987 vorbei, als bei ihm Leukämie festgestellt wurde. Als er ein Jahr später als geheilt mit einem Liederabend in der Wiener Staatsoper zurückkehrte, konnte freilich jeder hören, dass sich seine sowieso schon vorher durch zu schwere Rollen überforderte Stimme nicht wirklich erholt hatte.

Seither sang José Carreras vor allem Gala- und Charitykonzerte, wo es weniger um die richtigen Töne als um die richtige menschliche Einstellung geht. Sein künstlerischer Mittelpunkt sind lange schon nicht mehr die Opernhäuser von New York bis Barcelona, sondern Mehrzweckhallen in Asien und Leipzig, wo er mit dem MDR eine jährliche Spendengala veranstaltet. Auch die mikrofonverstärkten Auftritte der "Drei Tenöre" mit ihren Programmen in Fußballstadien konnten an der Legende weiterstricken.

Pavarotti ist tot, Domingo rutscht ins Baritonfach, und Carreras hat in völlig unbekannten Opern wie Ermanno Wolf-Ferraris "Sly" vergeblich versucht, seine Opernkarriere wiederzubeleben. 2004 war sein bisher letzter Auftritt in Auszügen aus "Carmen" in Wien zu seinem 30-jährigen Staatsopernjubiläum. Der Operntenor Carreras ist lange schon Geschichte. Leider.

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