Kurt Krömer
"Man kann in Kriegsgebieten witzige Filme drehen"
Ein Jahr war Alexander Bojcan, bekannt als Kurt Krömer, nicht auf dem Bildschirm. Nun kehrt er mit einer neuen Show zurück.
Ist das schon ein Comeback? Ein Jahr war Kurt Krömer nicht mehr im Fernsehen. Am 18. August startet seine neue Show, immer sonnabends nach dem "Wort zum Sonntag". "Krömer" heißt die 45-minütige Show, Untertitel "Late Night Show". Aufgezeichnet wird im Berliner Ensemble, das Bühnenbild wird gediegen aussehen, die ganze Krömer-Nummer einen Tick reifer daherkommen. Steffen Rüth sprach mit dem Grimme-Preisträger über sein neues Image.
Morgenpost Online: Herr Krömer, Sie sehen plötzlich so seriös aus.
Kurt Krömer: Seriös? Nee, das bin ich nicht. Das definiert sich für mich auch nicht über die Kleidung. Du kannst einen schwarzen Anzug tragen und völlig unseriös sein.
Morgenpost Online: Trotzdem: Die bunten Anzüge sind weg, der Seitenscheitel auch. Warum jetzt dieser unflippige Aufzug?
Kurt Krömer: Das Optische ist mir nicht mehr so wichtig. Seit ich die Haare nicht mehr glatt kämme, geht das mit der Frisur auch viel schneller.
Morgenpost Online: Optisch sind Sie runderneuert. Wie sieht es inhaltlich aus? Was unterscheidet ihre neue Show "Krömer" von "Krömer – Die Internationale Show"?
Kurt Krömer: Vieles bleibt wie gehabt, ich habe an meinen Fähigkeiten ein bisschen herumgedoktert, vielleicht bin ich insgesamt etwas erwachsener geworden. Dazu kommt: Ich wollte und musste schärfer werden.
Morgenpost Online: Inwiefern?
Kurt Krömer: Nur der Fragensteller zu sein hat mich genervt. Ich habe jahrelang allein auf der Bühne gestanden. Was man heute als "Stand-up" bezeichnet, das mache ich seit 17 Jahren. Ich bin eben nicht nur Talkmaster, sondern vor allem ein Livekünstler. Das fließt jetzt also alles mit ein, deshalb zeichnen wir auch im Berliner Ensemble und nicht mehr im sterilen Studio auf.
Morgenpost Online: Was passiert denn genau bei "Krömer"?
Kurt Krömer: Wir behandeln Themen, bei denen man sagt "So etwas gehört doch nicht in eine komische Show". Rassismus an sich ist ja nicht besonders spaßig, Nazimärsche auch nicht. Ich gehe da aber hin, setze mich mit der Thematik auseinander und führe Interviews mit Nazis. In diesen Einspielfilmen kann der Zuschauer sehen, wie ich die Dummheit der Leute noch mal unterstreiche. Das zu erleben, ist schon zynisch, makaber und: Satire. Anschließend möchte ich dann mit den Gästen, die ich in der Sendung habe, über Nationalsozialismus oder Afghanistan reden.
Morgenpost Online: In Afghanistan waren Sie auch?
Kurt Krömer: Ja, ich dachte, ich fahre da mal hin. Man muss ja auch dort hin gehen, wo es weh tut. Dass die Bundeswehr mich als Kriegsdienstverweigerer eingeladen hatte, fand ich mutig, also wollte ich auch den nötigen Arsch in der Hose haben, hinzugehen.
Morgenpost Online: Ist der Beitrag lustig oder ernst geworden?
Kurt Krömer: Die Erfahrung hat gezeigt, dass man auch in Kriegsgebieten witzige Filme drehen kann, ohne sich über die Soldaten, oder den Krieg als solchen lustig zu machen.
Morgenpost Online: Machen Sie jetzt politisches Kabarett?
Kurt Krömer: Ich bin kein Kabarettist, den Zeigefinger lasse ich weg. Nur zu sagen "Nazis sind Schweine", ist auch zu einfach. Lieber gehe ich zu den Nazis, führe Interviews und stelle fest "Das sind wirklich Schweine". Sich im Gespräch mit einem Nazi naiv zu stellen, hat für mich großen Unterhaltungswert. Ich entlarve die Leute, indem ich den Maulwurf spiele. Ich komme rein, und dann gibt es einen Schlag in den Nacken, wenn sie es verdient haben.
Morgenpost Online: Gehen Ihnen die täglichen Talkshows auf den Geist?
Kurt Krömer: Ich will ja kein Klugscheißer sein, und ich bin auch kein Journalist, bloß: Denen gehen echt die Themen aus. Wo ist bei einem Frank Plasberg die Würze geblieben, wenn er plötzlich Sendungen macht wie "Hilfe, wir werden immer dicker"? Das könnte auch bei "Vera am Mittag" laufen. Fünf dieser Sendungen pro Woche sind auch zu viel. Ich will ja jetzt nicht alle zum Rücktritt drängen, aber mal so ein bisschen aufhören, tut überhaupt nicht weh.
Morgenpost Online: Womit wir bei Gottschalk wären.
Kurt Krömer: Ach ja. Vielleicht will er Markus Lanz die Einschaltquoten vermiesen. Am Geld wird es bei ihm ja wohl nicht liegen.
Morgenpost Online: Sie laufen samstags dann auch gegen Lanz und "Wetten, dass..?"
Kurt Krömer: Wir fangen ja erst nach dem "Wort zum Sonntag" an und haben – denke ich – ein etwas anderes Publikum.
Morgenpost Online: "Late Night" ist ein schwieriges Pflaster. Gerade erst ist Harald Schmidt bei Sat1 gescheitert.
Kurt Krömer: "Krömer" hat extra den Untertitel "Late Night Show" – damit jetzt alle diskutieren, ob das funktionieren kann. Was Schmidt macht und was ich mache, ist aber nicht zu vergleichen. Wenn er auf das sinkende Schiff Sat1 aufspringt, muss er damit rechnen, dass es nicht klappt. Sat1 ist Privatfernsehen, da ist die Quote entscheidend, da kann er machen, was er will.
Morgenpost Online: Könnten Sie sich vorstellen, bei einem Privatsender zu arbeiten?
Kurt Krömer: Ich habe immer mal wieder Gespräche mit Privatsendern. Aber ich habe keine Lust auf deren Ansagen und Bedingungen. Was soll ich mir den Quotenverlauf im Minutentakt anschauen. Kein Bock. Ich möchte das lieber sein lassen.
Morgenpost Online: Bei ihnen ist die Quote egal?
Kurt Krömer: Die Obersten bei der ARD gucken nicht auf den Sendeplatz nach dem Wort zum Sonntag. Da ist denen egal, was passiert, so lange ich nicht auf die Bühne komme und den Hitlergruß mache. Ich habe keinen Druck, was die Quote angeht. Aber den "Musikantenstadl" um 20.15 Uhr, den dürfte ich wohl nicht übernehmen.
Morgenpost Online: Würden Sie gern die große Show zur besten Sendezeit moderieren?
Kurt Krömer: Davon habe ich mich echt verabschiedet. Da brauchst du die Masse. Ich würde mich dort selbst zerstören. Jedes Mal, wenn ich einen etwas härteren Witz gegen die FDP machen oder mir eine Zigarette anzünden würde, gäbe es Alarm. Ich möchte mich nicht zurücknehmen. Die Sendung muss anarchisch bleiben.
Morgenpost Online: Sie können recht fies werden auf dem Bildschirm. Sind Sie privat netter?
Kurt Krömer: Privat bin ich ziemlich zurückhaltend. Da bin ich weder den ganzen Tag am Pöbeln noch ständig lustig. Ich komme aus einem ganz normalen Elternhaus und habe mir diese Normalität bewahrt. Ich weiß, wie man mit Menschen umgeht und was Respekt ist. Sonst würde so eine Nummer wie die in Afghanistan nicht funktionieren.
Morgenpost Online: Wie sehr hat das Showgeschäft ihren Charakter verdorben?
Kurt Krömer: Dieses "Hier kommt der Star" finde ich affig. Ich bin sowas wie ein Außerirdischer, ich mache meine Sendungen und dann gehe ich wieder heim. Im Showbiz finde ich nicht statt, gehe nur in die Talkshow "3 nach 9" und nehme ansonsten an dem Tralala nicht teil. Der Lanz ruft immer an, aber ich habe kein Interesse daran, über mein Leben zu sprechen, selbst wenn sich da in 38 Jahren vielleicht ein paar interessante Sachen angesammelt haben.















