Fernsehen
ZDF-Chefhistoriker Guido Knopp geht in den Ruhestand
Knopp gehört zu Deutschlands bekanntesten Historikern, seine massentaugliche Vermittlung ist aber umstritten. Nun verabschiedet er sich.
Neid, ja Hass muss man sich erst einmal verdienen. Wohl kein Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Deutschland ist seit Jahren derart heftig angefeindet worden wie Guido Knopp, der Leiter der Redaktion Zeitgeschichte und damit "Chefhistoriker" des ZDF. Jetzt hat sein Sender bestätigt, dass Knopp im Januar 2013 in den Ruhestand gehen wird, pünktlich zu seinem 65. Geburtstag. Nur noch eine große "Knopp-Serie" wird es geben, mit dem Titel "Weltenbrand" über die Jahre 1914 bis 1945.
Seit rund 30 Jahren ist Guido Knopp der erfolgreichste Geschichtsvermittler in der Bundesrepublik und hat wesentlichen Anteil am Aufschwung des Bewusstseins für die Bedeutung der Vergangenheit hierzulande. Seine Kritiker, die ihm eigentlich nur diesen Erfolg neiden, war und ist das gleichgültig: Sie zeihen ihn beispielsweise der "Geschichtspornografie" – so ein noch immer renommierter Professor, der allerdings seit Jahren keine überzeugende Publikation mehr vorgelegt hat. Oder hielten ihm vor, unterschwellig durch Musik und montierte Bilder NS-Propaganda zu betreiben – weil sie in den Texten der Dokumentationen nichts in diesem Sinne Vorwerfbares finden konnten.
Knopp und sein Arbeitgeber haben sich davon nicht beirren lassen, auch wenn ihm mitunter anzumerken war, dass verbale Tiefschläge schmerzten und schmerzen. Ohnehin war die unsachliche Kritik stets beschränkt auf selbsternannte Intellektuelle, weniger erfolgreiche Kollegen und TV-Kritiker, die meistens von Zeitgeschichte erheblich weniger verstanden als Knopps großes Team.
TV-Produktionen mit Millionen-Publikum
Zeitweise erreichten seine Serien etwa über "Hitlers Helfer" in der besten Sendezeit eine höhere einstellige Millionenzahl an Zuschauern. Davon sind die Produktionen, die das ZDF inzwischen am Dienstagabend ausstrahlt, weit entfernt.
Knopps Methode, die spannend aufgemachte Montage von originalem Bildmaterial, Zeitzeugen-Interviews und manchmal Spielszenen, ist inzwischen zum Gemeingut geworden. Einige der besten TV-Produktionen folgten diesem Schema. Entscheidend weiter entwickelt hat das Konzept übrigens der neben Knopp bekannteste Macher von Zeitgeschichtsfernsehen, Michael Kloft von Spiegel-TV: Er findet oft bislang übersehenes Material, das für sich selbst spricht. Ohne den langjährigen Erfolg des Knopps-Teams jedoch hätte es im deutschen Fernsehen kaum die Chance zu solchen Innovationen gegeben.
Im Gegensatz zu vielen seiner Kritiker hat Knopp eine solide wissenschaftliche und journalistische Ausbildung. Nach einer Doktorarbeit über die Spaltung der SPD gegen Ende des Ersten Weltkriegs hat er als Journalist bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Welt am Sonntag" gearbeitet, bevor er 1978 zum ZDF wechselte. Hier baute er den zunächst kleinen Bereich zu einer großen Redaktion aus, übernahm schließlich sogar eine eigene Hauptabteilung. Wahrscheinlich ist, dass es keinen vergleichbar einflussreichen Nachfolger geben wird; das ZDF hat seine Sendeplätze neu verteilt und mit einigen der Neuerungen bereits Schiffbruch erlitten. Wenn die letzte von ihm geprägte Serie über die Zeit der Weltkriege ab dem 18. September gute Quoten erzielt, dürfte das sein schönstes Abschiedsgeschenk sein.















