Kinderbücher
Alles Gute, Räuber Hotzenplotz
"Räuber Hotzenplotz" wird 50 Jahre alt. Generationen von Kindern wurden mit Otfried Preußlers "Mann mit den sieben Messern" groß.
Mit Großmutters neuer Kaffeemühle nimmt das Unheil seinen Lauf. Nichts ahnend sitzt die alte Dame vor ihrem Häuschen und mahlt Kaffee, als plötzlich ein fremder Mann mit struppigem schwarzen Bart, Hakennase, Schlapphut und sieben Messern im breiten Gürtel auftaucht. Mit vorgehaltener Pistole stiehlt er der Großmutter, die bald darauf in Ohnmacht fällt, die neue Kaffeemühle, die so schön "Alles neu macht der Mai" spielt.
Generationen von Kindern kennen diese erste Szene des "Räubers Hotzenplotz" auswendig und wuchsen auf mit Gestalten wie dem bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann, dem Wachtmeister Alois Dimpfelmoser und der Wahrsagerin Witwe Schlotterbeck.
Bunt illustrierte Neuausgabe
Am 1. August jährt sich das Erscheinen des Kinderbuchklassikers von Autor Otfried Preußler zum 50. Mal. Zum runden Geburtstag bekommt Räuber Hotzenplotz frische Farbe ins Gesicht. Zur bunt illustrierten Neuausgabe im Buchregal kommt jetzt die App-Version aus dem Thienemann-Verlag. So soll sich die berühmte Kasperlgeschichte auch noch an ihrem 100. Geburtstag weltweiter Beliebtheit erfreuen.
"Hotzenplotz" zuerst nur Ablenkung
Eigentlich habe er sich mit der klassischen Kasperlgeschichte 1962 nur von der Arbeit an seinem düsteren Buch "Krabat" ablenken wollen, erinnert sich Preußler jetzt in einem Interview. Er habe sich gedacht: "Jetzt schreibst du mal Lustiges, etwas zum bloßen Spaß – sagen wir eine Kasperlgeschichte." Den markanten Namen des Räubers lieh er sich bei der Stadt Osoblaha in Mährisch-Schlesien, die den deutschen Namen Hotzenplotz trägt. "Als ich mir die erste Geschichte vom Räuber Hotzenplotz ausdachte, habe ich natürlich nicht ahnen können, welchen ungewöhnlichen Anklang der Mann mit den sieben Messern beim verehrlichen Publikum finden würde", sagte Preußler im Interview mit seinem Verlag Thienemann.
Der Erfolg war in der Tat gewaltig: Die insgesamt drei "Hotzenplotz"-Bände verkauften sich weltweit mehr als 7,5 Millionen Mal und allein in Deutschland über fünf Millionen Mal. Das erste Buch wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt, darunter Koreanisch, Litauisch, Russisch, Chinesisch und Afrikaans. Es erscheint zurzeit in der 64. Auflage.
Zu Fortsetzungsbüchern gezwungen
Zu den Fortsetzungsbüchern wurde Preußler quasi von seinen jungen Lesern gezwungen. "Ich habe keineswegs die Absicht gehabt, diesem ein weiteres folgen zu lassen", sagte der inzwischen 88 Jahre alte Autor. Sieben Jahre später, nachdem tausende Kinder mich mit Anfragen, Bitten und detaillierten Vorschlägen für weitere Hotzenplotz-Bücher bestürmt hatten, habe ich mich wohl oder übel dazu entschließen müssen, einen zweiten Hotzenplotz-Band zu schreiben.
Um den Kinderbuchautor zum dritten Band zu bewegen brauchten die Fans weit weniger Zeit: "Diesmal hat es bloß noch vier Jahre gedauert, bis ich mürbe gewesen bin. Da habe ich dann 'Hotzenplotz 3' geschrieben." Preußler selbst wurde spätestens mit der "Hotzenplotz"-Trilogie zu einem der wichtigsten deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchautoren. Er ist der Vater von Buchhelden wie dem "Kleinen Wassermann", der "Kleinen Hexe" und dem "Kleinen Gespenst", die die Kindheit von mehreren Generationen prägten. Seine insgesamt 32 Bücher wurden weltweit 50 Millionen Mal verkauft.
















