27.07.12

Festspielchefin

Widerstand in Wagner-Familie gegen NS-Aufklärung

Festspielchefin Katharina Wagner unterstützt die Forderung, die Geschichte der eigenen Familie während des Nationalsozialismus aufzuklären. Allerdings gebe es dagegen Widerstand innerhalb der Familie.

Foto: picture alliance (3) / Wikipedia / frida-leider.de

Die Ausstellung "Verstummte Stimmen. Die Bayreuther Festspiele und die 'Juden' 1876 bis 1945", die parallel zu den Bayreuther Festspielen 2012 gezeigt wird, attestiert ihnen auch vor 1933 ein "klares jüdisches Feindbild".

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Die Bayreuther Festspielchefin Katharina Wagner sieht ihre eigene Familie in der "Verantwortung", die NS-Vergangenheit lückenlos aufzuklären. Problematisch sei allerdings nach wie vor, dass es vier Stämme der Familie Wagner gebe, die nicht alle "für diese Forderung zugänglich" seien, sagte die Urenkelin des Komponisten Richard Wagner.

Sie reagierte damit auf einen Vorstoß von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), der die Familie zu einer umfassenden Erforschung ihrer Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus aufgefordert hatte.

Neumann hatte betont, die Verbindungen der Festspiele zum Nationalsozialismus und seinen Vertretern in den Jahren 1933 bis 1945 "sowie die antijüdische Haltung des Hauses Wagner – auch schon vor dem Jahre 1933 – stellt ein besonders dunkles Kapitel in der deutschen Musik- und Kulturgeschichte dar".

"Lückenlose Aufarbeitung"

Die aktuelle Festspielleitung sei sich der Verantwortung zur Aufarbeitung dieser Vergangenheit bewusst und stelle sich ihr, sagte der Kulturstaatsminister. Er erwarte jedoch, dass die Leitung wie auch die Familie Wagner "auf diesem Weg weiter vorangehen".

Hierzu gehöre, sagte der Minister weiter, insbesondere "die Zugänglichmachung aller Archive." Denn aus der Geschichte des Grünen Hügels resultiere "eine besondere Verantwortung" zur "lückenlosen Aufarbeitung" der eigenen Vergangenheit. Wagner sagte zu der Forderung des Kulturstaatsministers, sie sei "ganz und gar seiner Meinung".

Die neue Spielzeit in Bayreuth war am Mittwochabend mit der Oper "Der Fliegende Holländer" eingeläutet worden. Kritiker hatten dem Opernhaus zuvor vorgeworfen, eine intensive, selbstkritische Aufarbeitung der NS-Zeit bisher versäumt zu haben. Anlass der Debatte war der plötzliche Rückzug von Bass-Bariton Evgeny Nikitin wegen dessen Nazi-Tätowierungen.

Quelle: dapd/fsc
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