25.07.12

Chassidim-Ausstellung

Warum haben Orthodoxe eigentlich so viele Kinder?

Das israelische Nationalmuseum will seine Ausstellung über die streng gläubigen "Chassidim" auch diesen öffnen, folglich separate Besuchszeiten für Männer und Frauen anbieten. Warum eigentlich?

Foto: Dennis Van Tine
Internationale Chabad-Lubawitsch Konferenz in New York
All-inclusive-Ferien in der Karibik nicht vorgesehen: Chassiden, hier Chabad-Lubawitsch-Rabbiner, bei der New Yorker "International Conference of Chabad-Lubavitch Emissaries" im Jahr 2011

Die Älteren unter uns, die sich noch an die Sechzigerjahre erinnern können, wissen, wofür "Jazz in der Kirche" steht: den Versuch, junge Menschen in Gottesdienste zu locken. Heute spricht man von "Zielgruppen-Marketing", einfachere Gemüter sagen auch gerne: "Man muss die Menschen dort abholen, wo sie sind."

Nun hat das israelische Nationalmuseum in Jerusalem bekannt gegeben, es werde sich anlässlich einer Ausstellung über das Leben der streng orthodoxen "Chassidim" auch dem orthodoxen Publikum öffnen, das heißt, separate Besuchszeiten für Männer und Frauen anbieten. Nur bei Bedarf, z.B. am Dienstagmorgen, wenn das Museum normalerweise geschlossen ist. Der Marketingchef des Museums sagte einer israelischen Zeitung, dies sei eine Chance, "die Hand auszustrecken und zu sagen: Bitte kommt".

Im Leben der Orthodoxen hat sich wenig bis nichts verändert

Eine schöne Geste, sollte man meinen. Ein Zeichen des Entgegenkommens der Mehrheitsgesellschaft gegenüber einer Minderheit. Wenn dem nur so wäre. Tatsächlich liegt ein mehrfaches Missverständnis vor. Die Verantwortlichen im Israel-Museum sind offenbar der Meinung, die Orthodoxen würden in Scharen in das Museum strömen, wenn es dort nur wie in einer orthodoxen Synagoge zuginge, wo Männer und Frauen getrennt beten. Und dass sie sich für nichts anderes so brennend interessieren wie das Leben der orthodoxen Juden, also ihr eigenes.

Aber kein Orthodoxer muss ein Museum besuchen, um sich darüber kundig zu machen, wie Orthodoxe früher gelebt haben oder heute leben. Er muss sich nur in seiner Umgebung umsehen. Abgesehen davon, dass seine Vorfahren keine mobilen Telefone benutzt haben, hat sich im Leben der Orthodoxen wenig bis nichts verändert. Sie erziehen ihre Kinder zur Frömmigkeit und rechnen täglich mit der Ankunft des Messias.

All-inclusive-Ferien in der Karibik nicht vorgesehen

In der Welt der Orthodoxen sind Museumsbesuche ebenso wenig vorgesehen wie All-inclusive-Ferien in der Karibik. Die Einladung an die Orthodoxen, das Museum zu besuchen, könnte die Angesprochenen aber auf eine Idee bringen. "Machen wir gerne", werden sie antworten, "aber nur, wenn wir in Bussen zum Museum fahren können, in denen Männer und Frauen getrennt sitzen".

Fundamentalisten und Orthodoxe aller Glaubensrichtungen zeichnen sich dadurch aus, dass es ihnen nicht genügt, nach ihren Vorstellungen zu leben, sie wollen auch alle, die anders leben, dazu zwingen. Kommt man ihnen entgegen, regieren sie nicht, indem sie sich auch bewegen, im Gegenteil, sie sehen sich in ihrer Position bestätigt – und erheben neue Forderungen. Deswegen sollten alle "Geschäfte" mit Orthodoxen auf der Basis von Gegenseitigkeit gemacht werden.

Wir bauen Moscheen in Duisburg, wenn in Riad Kirchen gebaut werden. Wir führen separate Besuchszeiten für Männer und Frauen in Schwimmbädern ein, wenn die Orthodoxen in ihren Vierteln Besuchszeiten für gemischte Gruppen einführen. Und was wir wahnsinnig gerne erfahren möchten: Wie kommt es, dass die Orthodoxen so viele Kinder haben, wenn sie auf die Trennung der Geschlechter so großen Wert legen?

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