Film
Das ist eine Liebeskomödie nur für Männer
Der französische Film "Das verflixte 3. Jahr" ist charmant, zotig, ironisch und auch ein wenig gefühlig – und nichts für Frauen
"Frauen sind wie Zigaretten. Irgendwann muss man mit ihnen aufhören."
Zwei Sätze aus dem Film von Frédéric Beigbeder, die seine Welt ziemlich gut umreißen: Ein bisschen Macho und ein bisschen Pathos, eine gute Portion seines Lieblingsthemas (Frauen!) und seiner Lieblingshaltung (Provokation!). Frédéric Beigbeder prüft im Zeitalter der rituellen Empörung über Sexismus, der moralischen Ambivalenzen und der politischen Correktness, wer seine Doppeldeutigkeiten nicht versteht oder verstehen will, wer sich noch aufregen kann. Eine Frau ist wie eine Zigarette, also wie ein Objekt, ein Suchtstoff, ein Laster? Er meint es natürlich nicht so; das ist ja das schöne an den postironischen Zeiten, man meint alles nie ganz ernst.
Frédéric Beigbeder hat nun seinen Roman "Die Liebe währt drei Jahre" (Kinotitel "Das verflixte 3. Jahr") verfilmt. Der Franzose hat, ähnlich wie Michel Houllebecq, die Literatur in seinem Heimatland deutlich popularisiert und weiß nicht nur kurzweilige Romane ("39,90", "Ein französischer Roman") zu schreiben, sondern lässt die Öffentlichkeit auch an seinem abwechslungsreichen Privatleben mit verschiedenen hübschen Frauen und komplizierten Trennungen, mit Drogen inklusive Verhaftung – das gesamte Programm eben – teilhaben. Wie im Grunde immer bei ihm, ist auch "Das verflixte 3. Jahr", das morgen in unsere Kinos kommt, stark autobiografisch: "Ich war mehrmals verheiratet und habe jedes Mal gespürt, dass es nicht funktionieren kann", hat er der Wochenzeitung "Freitag" erzählt, "dann verliebte ich mich in eine andere. So ging es immer weiter".
Der gestörte Fall liegt neben ihr
Wer den Autor Beigbeder für überspannt, egomanisch und narzisstisch hält (das alles ließe sich gut begründen) und seine Bücher deshalb ablehnt, der wird auch den Filmemacher Beigbeder nicht mögen. Aber man kann ihn und seinen neuen Film natürlich auch anders verstehen und zwar als fiktionalisierte, etwas simplifizierte Version des Buchs der Soziologin Eva Illouz "Warum Liebe weh tut", das die zunehmende Bindungsunfähigkeit seit Beginn der sechziger Jahre zu erklären versucht. Bei Beigbeder sieht das wie folgt aus: Ein Mann wirft sein großes Glück weg, leidet unendlich wegen einer Frau und er weiß, dass er nicht das Leben aufgeben sollte und wie albern und unzeitgemäß Liebeskummer und die ganze Drecksromantik im 21. Jahrhundert, dem Zeitalter des fortgeschrittenen Individualismus und der unendlichen Möglichkeiten, sein Leben zu führen, sind und denkt sich, dass er sich jetzt endlich einmal bitte zusammenreißen möge. Und dennoch...
Also, da haben wir zum einen Marc (Gaspard Proust). Er ist Journalist, ein wenig verpeilt und niedlich in seiner Unbeholfenheit, nur gelegentlich charakterlich instabil. Und dann haben wir Anne, die Frau an seiner Seite, wenngleich nicht lange, sondern, wir ahnen es, drei Jahre. In dem Film wähnt diese zerbrochene Ehe sogar nur einen Vorspann lang. Küssen und lachen, zusammenziehen und konsumieren, langweilen und streiten – der 3-Phasen-Tabs einer durchschnittlichen Beziehung. Oder wie es in dem Film heißt: "Erst kauft man die Möbel, dann stellt man sie um, dann trennt man sich."
Es spricht nicht unbedingt für die Klugheit der Menschen, dass sie es immer wieder aufs Neue versuchen und glauben, ausgerechnet sie könnten sich dem Scheitern entziehen. Aber gut, das ist ja bekannt, und so baut auch Marc an dem Fundament für ein zwar leicht tragisches, aber zumindest aufwühlendes Leben. Er verliebt sich in Alice (Louise Bourgoin), die Frau seines Cousins, die bestimmt auch ganz tolle Qualitäten hat, aber vor allem umwerfend hübsch ist. Sie findet ihn nett und süß und so und hätte ihn gern als besten Freund. Aber bitte nicht mehr. Marc fühlt sich, wie man sich so fühlt, wenn man lebendig gegrillt wird. Getreu dem schönen Buchtitel "Das Herz ist ein einsamer Jäger" nähert sich Marc seiner Angebeteten mit viel Geduld.
Es kommt, wie es kommen muss und beide sind auch wahnsinnig glücklich, nur hat Marc anfangs versäumt, alle Karten auf den Tisch zu legen. Er hat nämlich unter Pseudonym ein Buch geschrieben über das verflixte 3. Jahr und die Unmöglichkeit der Liebe. Dieses Buch wird zum Bestseller, nur Alice findet, dass es "sexistische Scheiße" ist und regt sich furchtbar über den gestörten Autor auf. Sie weiß nicht, dass dieser pathologische Fall gerade neben ihr liegt. Dann sagt sie noch, dass sie nichts mehr hasst als Lügen – und schon steckt Marc in der Falle. Er würde ihr ja bestimmt die Wahrheit sagen. Aber doch nicht gerade jetzt. Später. Vielleicht.
Sterben, auswandern oder beides
Der Schwindel fliegt auf, Marc wird von seiner Verlegerin als Autor geoutet und seine Alice will nichts mehr von ihm wissen. Marc durchläuft alle Phasen eines Verlassenen – er schreibt endlose Briefe, die nie beantwortet werden, er möchte entweder sterben oder auswandern, am besten beides, er trinkt, kann nicht schlafen und findet alle anderen Frauen sterbenslangweilig. "Im 21. Jahrhundert ist Liebe eine SMS ohne Antwort", denkt sich Marc. Er bekommt den Rat, "du solltet nicht aufgeben, bevor man kämpft". Und weil wir im Film sind, kämpft er um sie, und sie weiß zu verzeihen.
Ehrlich gesagt, es fehlt mir die Empathie, um nachzuvollziehen, wie Frauen diesen Film wohl finden; es steht zu befürchten, dass er bei ihnen durchfällt. Eine Kollegin von dpa bemängelt die "selbstgefällige Selbstironie", die Kritikerin der "FAS" ist genervt von der "Mischung aus Narzissmus und halblustigem Zynismus". Kurzum, was sie stört, ist weniger die Machart des Films, sondern seine Haltung. Daher der Aufruf: Männer, geht in diesen Film und wohnt einer echten Rarität bei, einer Liebeskomödie für den Mann. Ihr werdet Euch nicht eine Sekunde langweilen. Und das eine oder andere wird Euch ziemlich bekannt vorkommen. Und bitte lasst die Freundin zu Hause.















