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09.04.09

Produzentin Broccoli

"James Bond ist unser Familienunternehmen"

Die 007-Macher: Was James-Bond-Produzent Albert R. Broccoli begann, führt nun dessen Tochter Barbara Broccoli weiter. Morgenpost Online sprach mit ihr über die Bond-Krise Anfang der Neunzigerjahre und eine mögliche Neu-Verfilmung des Kinderbuches "Tschitti Tschitti Bäng Bäng" von Bond-Erfinder Ian Fleming.

DPA

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Mit einem Einspielergebnis von 576 Millionen Dollar war "Ein Quantum Trost" im Kino beinahe so kassenträchtig wie "Casino Royale" (599) - und nun fällt dank der DVD ein neuer Dollarregen: Erfolge, die vor allem Barbara Broccoli, der Tochter des früheren Produzenten Albert R. Broccoli, und dessen Stiefsohn Michael G. Wilson zu verdanken sind. Die 48-jährige begann als Assistentin bei "Moonraker - Streng geheim" und verantwortet seit "GoldenEye" (1995) sämtliche 007-Filme gemeinsam mit ihrem Stiefbruder als "Eon Productions". Der nächste Bond soll Ende 2011, möglicherweise auch schon Ende 2010 in die Kinos kommen.

Morgenpost Online: Es gibt die Aussage eines Industrie-Insiders, welche lautet: Barbara Broccoli ist die am härtesten arbeitende Person und die generöseste.

Barbara Broccoli: (holt tief Luft und wundert sich) Ich weiß nicht, ob das wahr ist. Mein Vater hatte eine bestimmte Philosophie, was Arbeit anging, und eine große Leidenschaft für Bond. Er hat sehr hart gearbeitet, und ich habe von ihm gelernt. Als Produzentin muss man alle Aspekte des Films verstehen.

Morgenpost Online: Zu welchem Zeitpunkt in Ihrem Leben war Ihnen klar, dass Sie in seine Fußstapfen treten mussten? Sie waren ja selbst Produzentin und haben andere Filme realisiert.

Broccoli :Es hat wohl daran gelegen, dass ich mehr Zeit mit meinem Vater verbringen wollte. Er war ein außergewöhnlicher Mensch, den ich sehr geliebt habe. Er war 51, als ich geboren wurde, also immer sehr viel älter und meine Zeit mit ihm war bemessen. Wenn er kein Filmproduzent gewesen wäre, sondern eine Pizzeria besessen hätte, würde ich wohl heute Pizzas verkaufen.

Morgenpost Online: Ist es für Sie überhaupt möglich, andere Filme anzugehen?

Broccoli: Es gibt diverse Projekte, die wir entwickeln. Um aber die Bondmarke zu schützen, muss man ihr die volle Aufmerksamkeit widmen. "Ein Quantum Trost" haben wir direkt nach "Casino Royale" gemacht. Zwischen Bond und meine Familie und die Kinder etwas zu quetschen ist kaum möglich.

Morgenpost Online: Also unterliegen Sie zur gleichen Zeit einer Last wie einem Vermächtnis. Werden Ihre und Michael Wilsons Kinder früher oder später Bond weiterführen?

Broccoli: Michaels Sohn arbeitet schon mit uns und auch die Tochter meiner Schwester. Meine Kinder sind sehr interessiert, aber es ist ihre Entscheidung. Die Gelegenheit ist da, und der Job ist aufregend. Ich habe ihn nie als Last, sondern als Privileg empfunden. Wir haben viele Fans, und wir reisen um die Welt.

Morgenpost Online: Früher haben Sie z.B. die Rechte an dem Buch "Schatten über Babylon" von David Mason erworben, worin es um ein westliches Attentat auf Saddam Hussein geht. Aber ein Film ist nicht daraus entstanden.

Broccoli: Es ist ein fantastisches Buch, das wir zu einem Film machen wollten, aber zu der Zeit war es dem Studio politisch zu brisant. Jetzt ist es nicht mehr aktuell, aber ich hoffe, dass die Idee dennoch umgesetzt wird.

Morgenpost Online: Wird "Tschitti Tschitti Bäng Bäng" erneut von Ihnen verfilmt werden? Ihr Vater produzierte den Film 1968 mit.

Broccoli: Ich hoffe das, denn die Technologie ist nun soweit, dass wir problemlos ein Auto zum Fliegen bringen können.

Morgenpost Online: 1989 bis 1995 gab es eine Pause in der Bondgeschichte - gerade, als Sie anfingen, Ihren Vater mehr zu unterstützen. War dies für Sie der bislang schwerste Kampf um die Zukunft von James Bond?

Broccoli: Ja, diese Pause hat an allen unseren Nerven gezehrt. Es war die schlimmste Zeit für uns. Ich meine sogar, dass mein Vater daraufhin krank geworden ist. Wir hatten mehr als fünf Jahre lang Stress. Jetzt ist die Situation viel besser, denn wir arbeiten in Partnerschaft mit MGM und hatten zwei sehr gute Erfahrungen mit Sony und hoffen, dass dies so weitergeht.

Morgenpost Online: Sehen Sie keine Gefahr darin, dass Sony sich bemüht, seine Produkte in Ihre Filme zu integrieren?

Broccoli: In Bezug auf elektronische Geräte ist das kein Problem, jeder besitzt sie. Ohne Telefon, Blackberry und Computer ist kaum ein Leben vorstellbar. Da Sony die führende Marke vieler dieser Produkte ist, passen dieser Qualitätsanspruch und unserer gut zusammen.

Morgenpost Online: Gab es in "Casino Royale" nicht noch wesentlich mehr Sony-Produkte, die dann aber dem Schnitt zum Opfer gefallen sind?

Broccoli: Wir haben einige wenige Schlüsselpartner, mit denen wir arbeiten. Dazu zählen Aston Martin, Bollinger Champagner und Omega-Uhren. Zusätzlich haben wir Promotions-Abkommen mit Firmen, die ein besonderes Profil haben, aber nicht im Film auftauchen. Dazu zählt etwa Coke Zero, die stark für den Film werben. Ich denke, was passiert, ist dies: dass die Menschen aufgrund der vielen Produkte verwirrt sind, weil sie viele Anzeigen und Spots sehen. Wir sind den Firmen dankbar, denn ein teurer Film wie dieser kostet zusätzlich viel Geld, um ihn bekannt zu machen.

Morgenpost Online: Gab es je einen Moment in Ihrer Karriere, wo Sie aufgeben und etwas Anderes machen wollten?

Broccoli: Mein Vater hat gesagt, dass die Bondfilme das Huhn sind, das goldene Eier legt. Wenn Sie so was hätten, würden Sie das aufgeben?

Morgenpost Online: Das kommt darauf an wie viele goldene Eier ich schon zuhause habe.

Broccoli: Aber es ist eine Leidenschaft! Es geht nicht um Geld, sondern um die Leidenschaft. Es erwärmt mir das Herz, wenn mich Leute auf der Straße ansprechen und sagen: Schon als ich ein Kind war, habe ich Bondfilme gesehen, oder sie erzählen, dass sie mit der ganzen Familie hingegangen sind. Die Menschen haben einen nostalgischen Blick auf James Bond. Das hat vielfach damit zu tun, dass 007 für sie ein Familienerlebnis ist.

Morgenpost Online: Aber einmal stand Ihre Verwertungsfirma Danjaq LLC, die 007-Lizenzen veräußert, zum Verkauf. Joel Silver wollte die Bond-Rechte erwerben, Quentin Tarantino "Casino Royale" verfilmen. Was hat Sie dazu bewogen, nichts abzugeben?

Broccoli: Es gab im Laufe der Zeit viele Leute, die Bondfilme machen wollten und Angebote unterbreitet haben, um die Firma zu übernehmen. Es hat schwierige Zeiten gegeben, speziell damals, als es zu einem Gerichtsprozess mit MGM kam. Es gab auch immer Gerüchte eines Verkaufs, aber es ist ein Familienunternehmen, und wir wollten nie wirklich damit aufhören.

Morgenpost Online: Denken Sie, dass es nach "Sag niemals nie" ein weiteres Remake von "Feuerball" geben wird?

Broccoli: Nein, der Fall ist endgültig abgeschlossen.

Morgenpost Online: Also gilt das Motto "Everything or Nothing" für Sie heute immer noch. Dafür steht doch Eon Productions - für "Alles oder nichts", oder?

Broccoli: (lacht laut) Es steht nicht dafür, aber das Motto ist schön. Tatsache ist, dass, als mein Vater nach Großbritannien ging, sein früherer Partner Harry Saltzman und er eine Firma gründen mussten. Also kauften sie eine mit dem Namen Eon. Er hat der Firma also keinen Namen gegeben. Ich mag "Everything or Nothing" sehr gerne. Ich bin sehr froh, dieses Motto zu übernehmen.

Morgenpost Online: Auf den letzten Filmfestspielen in Cannes haben Sie bekannt gemacht, dass Sie in Zukunft Drehbuchautoren fördern wollen. Was verbirgt sich konkret dahinter?

Broccoli: Mein Produzentenkollege Michael G. Wilson und ich sind uns einig, dass wir die britische Filmindustrie unterstützen wollen, weil Sie uns gegenüber sehr hilfreich war. So haben wir einen Drehbuchkursus entwickelt. Wir haben festgestellt, dass es in Großbritannien eine Reihe von Autoren gibt, die ein bisschen Hilfe benötigen. Wir werden ihnen sowohl etwas Geld als auch etwas Führung anbieten, so dass sie mit Filmemachern und Produzenten arbeiten können. Dieses Jahr sind schon eine Reihe guter Projekte entstanden, und ich hoffe, dass einige zu Filmen werden.

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