03.06.12

Staatsballett

Wenn die Tänzer selbst zum Thema werden

Diesmal darf das Staatsballett nicht Spitze tanzen - in "Open Square" geht es vor allem um Kommunikation, sagt Choreograph Itzik Galili.

Foto: Enrico Nawrath
Komische Oper
Experiment: Auch unmenschliche Arbeitsbedingungen der Tänzer sind Thema

Tänzer: schrecklich. Diese armen, geschundenen Kreaturen. In der Komischen Oper kann man sie erleben, wie sie sich abrackern, mit Gummiknochen und eingefrorenem Lächeln.

Und dann knicken sie doch ein, einer nach dem anderen. Wie viel Wahrheit steckt in der Choreografie von Itzik Galili? Wenn man ihn fragt, geht es in "The Open Square" um Kommunikation.

In den zwölf Nummern seiner ersten abendfüllenden Arbeit für das Staatsballett hat er aber vor allem die Tänzer selbst zum Thema gemacht. Bei den Proben verlangt der Choreograf grundsätzlich, dass alle ihr Tun hinterfragen.

Nun also auch bei der Uraufführung auf der Bühne. Da stehen die Frauen und Männer als Marionetten des Choreografen. Man sieht, wie sie sich hinter der Fassade der Leichtigkeit abmühen und bewundert sie für die pointierte Darstellung.

Gefragter Choreograf der mittleren Generation

Bissiger Humor und wilde Amüsierlust sind charakteristisch für die Arbeiten des israelischen Choreografen. Sein Trio-Kleinod "The Sofa" ist beim Staatsballett zum Publikumshit geworden. Auch das Gastspiel mit seiner eigenen Compagnie war ein Highlight. Inzwischen zählt er zu den gefragtesten Choreografen der mittleren Generation.

Allein im letzten Monat hatte er drei Premieren. Zwischen Kuba, England und Deutschland ist er mit Tanzstücken unterwegs, die sich zwischen Tanztheater und Abstraktion, Körpertheater und Modern Dance einfach nicht festlegen wollen.

Galilis Stücke sind Abenteuerreisen. Trotzdem gibt es Konstanten. Die ausgefeilte Lichtregie zum Beispiel, die auch in Berlin das Publikum verzaubert. Jeder Tänzer spielt mit dem Feuer, jeder trägt ein Licht.

Auch mit dem Schlagwerker-Ensemble Percossa arbeitet er schon seit Jahren zusammen. Das Orchester der Komischen Oper bewältigt unter der Leitung von Alexander Vitlin ein rhythmusbetontes Spektrum zwischen Varieté, Strawinsky-Anklängen und Walzer-Persiflage.

Viel Sinn für Selbstironie

Das Staatsballett darf nicht Spitze tanzen. Es muss sich in Tanzregionen beweisen, in denen nicht seine angestammte Stärke liegt. Vladimir Malakhov hat diese Uraufführung schon vor Beginn der Saison als experimentell bezeichnet. Er möchte seine Tänzer breit aufgestellt wissen.

Das Experiment gelingt vor allem mit ausdrucksstarken Soli und Duos, etwas weniger in den leicht unkoordinierten Ensembles. Die Tänzer beweisen wie der Choreograf viel Sinn für Selbstironie. Es gibt wunderbare poetische Bilder, lautstark gefeiert werden die witzigen Momente. Am Anfang hält Michael Banzhaf eine kleine Rede, weil er seine 700. Vorstellung feiert.

Sie wird zur Anklage gegen die unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Tänzer. Klar, die Rede gehört zum Stück. Auch das ist ein Thema des Abends: die feine Grenze zwischen Schein und Sein.

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