Museumsinsel
Die Nofrete zeigt sich wieder in Berlin
Der Architekt David Chipperfeld hat mit der Sanierung des Neuen Museums auf der Berliner Museumsinsel bewiesen, dass Restaurierung und Denkmalschutz vereinbar sind. Nun greift die Ausstellung "kulturGUTerhalten" sein Konzept auf. Höhepunkt der Schau ist die Büste der Nofretete.
Von Gabriela Walde
Tag der offenen Tür im Neuen Museum: Nach mehr als zehn Jahren Sanierung können die Berliner endlich einen ersten Blick in den Bau auf der Museumsinsel werfen.
Restaurierung bedeutet weit mehr als nur einen bunten Scherbenhaufen zusammenzusetzen. Wie diffizil und ausgefeilt eine Restaurierungsphilosophie sein kann, das hat zuletzt der Architekt David Chipperfield mit dem Neuen Museum bewiesen. Er zeigt, wie sich historische Schichten mit zeitgemäßer Architektur unter Auflagen des Denkmalschutzes zu einem eigenen Ganzen fügen.
Die Ausstellung "kulturGUTerhalten" im Alten Museum fügt sich da hervorragend ins Konzept, jetzt, da das Ägyptische Museum auf seine Umsiedlung ins benachbarte Neue Museum wartet. Als einziges Exponat des Ausstellungshauses ist als Höhepunkt der Schau auch die Büste der Nofrete zu sehen, die seit der Schließung des Ägyptischen Museums Ende Februar nicht zu sehen war.
Neun der 16 Museen haben zusammengearbeitet. Seit mehr als 20 Jahren ist dies die erste Schau zu diesem Thema: Sie konzentriert sich auf die Konservierung und Restaurierung von rein archäologischen Artefakten. Betroffen sind Werke, die nicht nur durch Bearbeitung, sondern durch Naturkatastrophen, klimatische Veränderungen oder durch Kriege geschädigt wurden. Gerade der Zweite Weltkrieg hat eine große Lücke in den Beständen der Staatlichen Museen hinterlassen. Unter den archäologischen Objekten in den Berliner Sammlungen gibt es kaum eines, was noch nie bearbeitet wurde.
Die Werke, die aus Grabungen in Troja, Babylon oder etwa Armana stammen, mussten registriert, katalogisiert, restauriert und vor allem konserviert werden, um sie vor weiterem Verfall zu bewahren und gleichzeitig auch präsentationsfähig für ein Publikum zu gestalten. Diese sogenannten Erstrestaurierungen haben dementsprechend einen großen Stellenwert, da jeweils die neuesten Techniken und modernsten Materialien angewandt werden. So kommt es vor, dass Fehlbearbeitungen "ent-restauriert", reversible Materialien eingesetzt werden, die auch von späteren Generationen bearbeitet werden können.
Die Forschung hat sich in diesem Bereich die letzten 30 Jahre stark verändert, der Beruf des Restauratoren erfuhr durch ein wissenschaftliches Studium eine Aufwertung. Zumal sich auch die Techniken beispielsweise durch den Einsatz vom Computertomographie und Laser stark entwickelt haben.
Neueste Forschungen beschäftigen sich gar mit der Züchtung von Bakterien, die Kunststoffe auffressen, diese auf der Oberfläche des Objektes auflösen, was bedeutet, dass die Werke nicht der Hitze ausgesetzt werden müssen. Die ästhetische Herangehensweise ist heute eine andere, früher war man bemüht, die Objekte in ihren "Urzustand" zurück zu versetzen. Dem heutigen Standart entspricht es, das Werk in seiner aktuellen Substanz lediglich konservatorisch zu fixieren.
Diese Vorgänge mögen trocken klingen - doch der Schau "kulturGUTerhalten" ist es gelungen zu zeigen, wie facettenreich dieser Arbeitsbereich ist und was für eine Sisyphos- und Glanzleistung die Wiederherstellung von Objekten sein kann. Da sieht man – per Screen – einen Restauratoren per Pinsel, Pinzette, Messerchen und Lupe, wie er eine Elfenbeinskulptur Millimeter für Millimeter freilegt und in eine Schale in Form einer transparenten Butterdose legt – das Fragment ist nicht größer als ein kräftiger Männerdaumen.
Neun Museen präsentieren sich
Eine schlanke Amphore, die aus dem Mittelmeer geborgen wurde, trägt auf den ersten Blick eine aufwendige, recht imposante und barock wirkende Verzierung am Rand. Erst beim genauen Hinsehen erkennt der Besucher, dass sich hier über Jahrhunderte bunte Korallen, Muscheln und Schwämme zu einem skurrilen Vasenschmuck verwachsen haben. Highlight der Schau ist Nofretete. "Ihr Zustand ist perfekt", so Dietrich Wildung, Chef des Ägyptischen Museums. Obgleich sie Fehlstellen und Schmutz angezogen hat. Nur fragil ist sie, deswegen soll sie nicht reisen. 1992 wurde sie geröntgt. Innen, so Wildung, sähe sie "saumäßig" aus, mit einem langen dürren Hals als Trägergestell.
Die Spannbreite der 75 ausgestellten Objekte reicht vom 4. Jahrhundert v. Chr. bis 1600 nach Chr.: punziertes Silbergeschirr, bestickte Stoffe, monumentale Steinskulpturen, bemalte Vasen und filigranste Elfenbeinplättchen. Auch ein Paar verknautschte lederne, ägyptische Flipflops gehören zu den Exponaten; sie sind in ihrer damaligen Form "eingefroren". Wir sehen: Die Altägypter waren moderner als wir.
Altes Museum , Am Lustgarten, Mitte. Täglich ab Freitag, 27. März, 10-18 Uhr, Do 10-22 Uhr. Bis 1. Juni.
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