18.04.12

"Tatort"-Vorspann

"Mehr Demut, Herr Schweiger"

Die Kritik des zukünftigen TV-Kommissars Til Schweiger am Vorspann der ARD-Krimireihe stößt auf Widerspruch bei vielen Kollegen und echten Kriminalisten. Andere halten die komplette Serie für langweilig.

Foto: dpa
Vorspann zum 'Tatort'
Motive aus dem Vorspann zur ARD-Krimireihe "Tatort". Archivbild.

Als erstes sorgte der neue Hamburger "Tatort"-Kommissar Til Schweiger für Entsetzten: Der Vorspann der Serie missfällt dem Schauspieler, er findet ihn "irgendwie dämlich" und "outdated".

Nachdem er mit diesem Vorschlag zunächst bei lang gedienten Fernseh-Kollegen auf Widerstand gestoßen war, äußern sich nun auch echte Kriminalisten: "Es zeugt schon ein wenig von Arroganz, wenn der Möchtegern-Ermittler Til Schweiger bereits vor der allerersten Klappe das unverwechselbare Markenzeichen des "Tatorts", den Vorspann, nun abschaffen will", sagte André Schulz, Vorsitzender des Bunds Deutscher Kriminalisten, am Mittwoch.

Zudem erklärte Schulz, es sollte für Schweiger eine Ehre sein, einen Kriminalbeamten im "Tatort" spielen zu dürfen. "Ein bisschen Demut für die angebotene Rolle und weniger Überheblichkeit würde ihm gut tun."

Zuvor hatte unter anderem die Leipziger "Tatort"-Kommissarin Simone Thomalla den Vorschlag kritisiert. Es sei zum Lachen, dass Schweiger das einzig Übergreifende am "Tatort" wegrationalisieren wolle, sagte sie.

Der Erfinder des Vorspanns, Gunther Witte, bezeichnete die Forderung als "völlig absurd". Er hätte "nicht gedacht, dass sich Til Schweiger auf einen solchen Quatsch einlässt", so Witte. Der Vorspann wird seit Beginn der Reihe im Jahr 1970 eingesetzt.

Soziale Netzwerke machen langweiligen "Tatort" zum Selbstläufer

Viel weiter als Schweiger geht Medienwissenschaftler Dennis Gräf mit seiner Kritik an der "Tatort"-Reihe. Er hält die ganze Serie für veraltet.

Der Erfolg des Formats habe nichts mit den Inhalten oder den Darstellungstechniken zu tun, "denn die sind auf dem Stand von vor 40 Jahren. Das ist langweilig", sagte der Wissenschaftler von der Universität Passau.

Vielmehr werde der "Tatort" vor allem beim jüngerem Publikum dadurch zum Selbstläufer, dass in sozialen Netzwerken behauptet werde, es handele sich um etwas Besonderes. "Aber das ist nicht so", kritisierte Gräf.

Stattdessen werde der "Tatort" immer konservativer und die Norm- und Wertevermittlung "immer gruseliger". Täter und Opfer seien meist Randgruppen wie Schwule, Lesben oder Ausländer. Dass der "Tatort" dennoch sehr hohe Einschaltquoten erziele, sei für ihn "sehr verwunderlich".

Dem "Tatort" kann auch Schweiger nicht schaden

Das ursprüngliche Erfolgsrezept der Sendung, die regionale Anbindung, funktioniere offenbar auch heute noch, räumte Gräf ein, der sich unter anderem in seiner Doktorarbeit mit der Sendung auseinandergesetzt hat.

Der "Tatort" biete den Zuschauern Stoffe aus der Region. Diese könnten sich zudem mit den Geschichten aus der Lebensrealität, die sich meist um Probleme wie Hartz IV oder soziale Ungleichheiten drehten, identifizieren.

Dass der neue Hamburger Kommissar Til Schweiger, der bislang vor allem in Komödien spielte, das Image der Krimireihe beschädigen könnte, glaubt Gräf nicht. "Es ist eigentlich egal, wen man da hinstellt", sagte er. Der "Tatort" habe sich so sehr verselbstständigt, dass die Besetzung keine Rolle spiele. Dabei gehe es "immer um den gleichen Brei".

Quelle: dapd/epd/sr
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Die Krimiserie
  • Entstehungsgeschichte

    Der 1”Leipzig wurde am 29. November 1970 im Deutschen Fernsehen ausgestrahlt, produziert vom NDR , mit Walter Richter als Kommissar Trimmel. Der Film war zum Zeitpunkt der Entscheidung für den „Tatort”-Start bereits fertiggestellt und wurde erst nachträglich als Auftaktfilm in die Reihe integriert.

  • Das Konzept

    Seit dem Beginn der Reihe steht der jeweilige Kommissar im Mittelpunkt der Folgen. Die erzählten Geschichten sollen realitätsnah und vorstellbar sein. Im „Tatort” werden oft Verzweiflung, Streitigkeiten und Misstrauen verarbeitet.

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