11.04.12

Programm 2012/13

Berliner Staatsballett spart für die Jubiläumsspielzeit

Beim Staatsballett Berlin gibt es in der nächsten Saison keine Premieren. Was Intendant Vladimir Malakhov sonst plant.

Quelle: BMO
11.04.12 2:05 min.
Beim Staatsballett Berlin gibt es in der nächsten Saison keine Premieren. Die Compagnie spart auf ihre Jubiläumsspielzeit 2013/14 zum zehnjährigen Bestehen.

Die Spielzeit 2012/13 des Berliner Staatsballetts wird eine Spielzeit ohne die Primaballerina Polina Semionowa. Diese Entscheidung ist Vladimir Malakhov sichtlich nicht leicht gefallen. Sein Gesicht gewinnt an Härte, wenn er über sie spricht oder besser: sprechen muss. Nein, sie soll auch keine Gastauftritte haben. "Polina war schon ein Gast in den letzten vier Jahren", sagt der Intendant und bekannteste Tänzer des Staatsballetts. Er war enttäuscht, dass sie ihren Weggang über Facebook angekündigt hat, ohne das mit ihm oder der Compagnie abgestimmt zu haben. "Es ist alles noch zu frisch." Dafür, fügt Malakhov an, soll es Gastauftritte von international bekannten Tänzern geben, etwa Svetlana Zakarova vom Moskauer Bolschoi. Wer noch? "Überraschung!"

Gut gelaunt hat also Vladimir Malakhov am Mittwochmorgen zusammen mit seiner Stellvertreterin Christiane Theobald und dem Geschäftsführenden Direktor Georg Vierthaler das Programm für die kommende Saison vorgestellt. Diesem Termin gingen mehrere kritische Stimmen in Medien voraus, die anmahnten, dass das Staatsballett in den vergangenen Jahren sich künstlerisch zu wenig weiter entwickelt habe, junge Tänzer zu wenig gefördert wurden. Zudem soll es in der kommenden Spielzeit – das war schon vorher bekannt – keine Premieren geben und fünf Vorstellungen weniger. Von 91 Vorstellungen in 2011/12 geht die Zahl der Aufführungen in der kommenden Spielzeit auf 86 zurück.

Zwischen drei Stühlen

Doch das alles hat mit Zahlen zu tun, ein Feld, mit dem sich vor allem der Geschäftsführende Direktor auskennt. Georg Vierthaler sagt, dass die Auslastung seit der Neukonstituierung des Staatsballetts im Jahr 2004 konstant hoch sei. In diesem Jahr liege sie bisher bei 83,4 Prozent. "Wir haben ein sehr treues Publikum", sagt er. "Insgesamt sahen im Jahr 2011 rund 110.000 Zuschauer die Vorstellungen des Staatsballetts Berlin." Aufführungen im großen Saal der Deutschen Oper waren zu 100 Prozent ausverkauft. Die sinkende Zahl der Vorstellungen habe vor allem mit der Koordinierung zwischen den drei Opernhäusern zu tun, in denen die Compagnie derzeit auftritt: Schillertheater, Deutsche Oper und Komische Oper.

Letztere bekommen in der kommenden Spielzeit mit Barrie Kowsky (Komische Oper) und Dietmar Schwarz (Deutsche Oper) neue Intendanten, mit denen es wieder neu zu verhandeln gilt über die Stellung des Staatsballetts. Ein weiteres Problem könnte werden, dass nach den noch zu erwartenden Premieren dieser Saison – "The Open Square" und die dreiteilige Choreografie "Duato | Forsythe | Goecke" – keine Mittel für weitere Premieren in der kommenden Saison vorhanden sind. Christiane Theobald versicherte, dass durch die neuen Kostüme und anderen Veränderungen viele der Wiederaufnahmen der insgesamt zehn Choreografien im Aufwand einer Neuaufführung gleichkommen.

Ein Höhepunkt, so Malakhov weiter, wird dabei die Wiederaufführung von "Die Bajadere" (aus dem Jahr 2005) in der kommenden Spielzeit sein. Das Publikum könne dann "das Corps de Ballet in seiner vollen Stärke bewundern". Auch Boris Eifmans Ballett "Tschaikowsky – Das Mysterium von Leben und Tod" muss für die Bühne des Schillertheaters neu einstudiert werden, weil die Staatsoper derzeit saniert wird. Sein zehnjähriges Jubiläum würde das Staatsballett gern wieder dort feiern – zumal die kommende Spielzeit in der Deutschen Oper ebenfalls wegen Renovierungsarbeiten verkürzt wird. Da passt es gut, dass sich die Compagnie auch alternative Spielstätten in Betracht zieht. So sind für die kommende Spielzeit zwei Veranstaltungen im Konzerthaus geplant sowie zehn Vorstellungen des "Märchenballetts ab 4" im Theater an der Parkaue. Zudem halten sich hartnäckig Gerüchte, dass es weitere Ballett-Auftritte im Club Berghain geben wird.

Malakhov will weitertanzen

Ein klarer Höhepunkt im Jahreskalender des Staatsballetts wird aber die Wiederaufnahme von Maurice Béjarts Opus Magnum "Ring um den Ring" sein. Béjart hatte sein Tanzepos 1990 in der Deutschen Oper zur Uraufführung gebracht. Das Stück um Gier, Macht, Mord, Betrug, aber auch Liebe ist nicht nur passend zum Richard-Wagner-Jahr 2013 ins Programm gehoben worden, sondern auch, weil sie sonst nirgends auf der Welt zu sehen ist. Das Erbe des im Jahr 2007 gestorbenen Künstlers wird zwar an den Bühnen von Lausanne bis Tokio gepflegt, aber dieses Stück hat er speziell mit den Tänzern des Staatsballetts entwickelt.

Bleibt noch die Frage, wie lange Vladimir Malakhov selber noch auf der Bühne auftreten will. Als er auf eine Zusammenarbeit mit Sasha Waltz angesprochen wird, sagt er, dass sie erst im Jahre 2017 Zeit hätte. "Dann könnte ich nur noch auf der Bühne spazieren", meint er. Doch genauer wird er nicht. Natürlich wolle er noch einzelne Rollen tanzen, ja, aber er wolle sich mehr auf die Förderung der Talente in seiner Compagnie konzentrieren. Er sei nicht mehr "der klassische Prinz". Vielmehr wolle er seine Tätigkeit immer mehr auf die Funktion des Intendanten und der Weitergabe seiner Erfahrungen verlegen. "Ich will meinen jungen Kollegen nicht das Brot wegnehmen", so formuliert er es. Er sei glücklich, wenn der Choreograph glücklich sei. Sein neues Motto lautet: "Erst kommen die Tänzer, dann ich."

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