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Kino

Ulrich Tukur ist Favorit für den Deutschen Filmpreis

Die Oscars und die Golden Globes sind vergeben, auch die Berlinale hat ihre Auszeichnungen verliehen. Nun geht es aus Sicht der deutschen Filmindustrie nur noch um den Deutschen Filmpreis. Wer dafür nominiert ist und wer aus welchem Grund außen vor bleibt, lesen Sie hier.

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Deutscher Filmpreis
Foto: dpa-Zentralbild
Am 24. April wird auf einer Gala in Berlin in verschiedenen Kategorien der Deutsche Filmpreis, die "Lola", verliehen.

Filmbiografien, sogenannte Biopics, sind die großen Favoriten beim Rennen um den Deutschen Filmpreis, der am 24. April im Palais am Funkturm verliehen wird. Die Nominierungen dazu gaben Kulturstaatsminister Bernd Neumann und Akademie-Vorstandsmitglied Jasmin Tabatabai am Freitag im ZDF-Morgenmagazin bekannt.

Sieben Mal wurde das Biopic „John Rabe“ von Oscar-Preisträger Florian Gallenberger über die Rettung hunderttausender Chinesen durch einen deutschen Kaufmann nominiert, darunter in der Kategorie „Bester Spielfilm“, vier Mal die RAF-Chronik „Baader-Meinhof Komplex“.

 INTERAKTIVE GRAFIK: Die Geschichte der RAF 

Sie konkurrieren in der Königsdisziplin „Bester Spielfilm“ mit „Chiko“ von Özgür Yildirim, „Im Winter ein Jahr“ von Caroline Link, „Wolke 9“ von Andreas Dresen und „Jerichow“ von Christian Petzold, die ebenfalls als beste Filme nominiert sind und damit bereits je 250.000 Euro bekommen. Mehrfach nominiert sind „Im Winter ein Jahr“, „Chiko“ (je vier Mal), „Krabat“ „Wolke 9“, „Nordwand“ (je drei), „Jerichow“, „Novemberkind“, „Fleisch ist mein Gemüse“ und „Effie Briest“ ( je zwei). Die Liste deckt damit im Grunde die wichtigsten Tendenzen des deutschen Kinojahres 2008 ab, von der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit über Literaturverfilmungen bis zum sozialen Realismus der Berliner Regisseure Christian Petzold und Andreas Dresen.

Auf den Preis für die besten Schauspieler können sich bei den Männern Josef Bierbichler (“Im Winter ein Jahr“), Denis Moschitto (“Chiko“) und Ulrich Tukur (“John Rabe“) Hoffnung machen, bei den Frauen Anna Maria Mühe (“Novemberkind“), Ursula Werner (“Wolke 9“) und Johanna Wokalek „Der Baader Meinhof Komplex“.

Mit Trostnominierungen müssen sich Wim Wenders' geflopptes Künstlerporträt „Palermo Shooting“ (bester Schnitt), Leander Haußmanns Komödie „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“ (Filmmusik), das Trümmerdrama „Anonyma – Eine Frau in Berlin“ (Nebendarstellerin) und die arg steife Fontane-Adaption „Effi Briest“ (Kostüm und Nebendarsteller) begnügen.

„Interessant sind jedoch nicht nur die Titel auf der Nominiertenliste, sondern vor allem jene, die fehlen. Wie bereits bei der Vorauswahl im Januar abzusehen, wo lediglich August Diehl für seine Nebenrolle unter die letzten 14 kam, wurde Heinrich Breloers aufwendige Thomas Mann Verfilmung „Die Buddenbrooks“ komplett ignoriert. Ein herber Schlag für die Prestigeproduktion. Auch das Regional- und Dialektkino wie Joseph Vilsmaiers „Die Geschichte des Brandner Kasper“ oder die Neoheimatfilme eines Marcus H. Rosenmüller, dessen „Räuber Kneißl“ in der Vorauswahl mehrfach genannte wurde, gehen leer aus.

Der höchstdotierte deutsche Kulturpreis

Aber vor allem sämtliche großen internationalen Koproduktionen, die letztes Jahr in Berlin und Babelsberg realisiert wurden, sucht man auf der Liste vergeblich. Weder „Operation Walküre“ über Stauffenbergs Attentatversuch auf Hitler mit Tom Cruise noch Tom Tykwers Bankenthriller „The International“ mit Clive Owen sind vertreten und auch Stephen Daldrys Bernhard Schlink-Verfilmung „Der Vorleser“ mit Kate Winslet und David Kross taucht nicht auf.

Das liegt nicht nur an den Regularien der Deutschen Filmakademie, die festlegen, wann ein Film deutsch ist. Produzent oder Regisseur müssen Deutscher sein oder dem deutschen Kulturkreis angehören oder es muss in Deutsch gedreht worden sein – zwei dieser drei Kriterien müssen erfüllt sein. Singers und Daldrys Filme scheiden dadurch aus, nicht aber Tykwers Thriller. Er wurde schlicht nicht eingereicht. Begründung aus Babelsberg: Das Risiko des wirtschaftlichen Verlusts durch Raubkopien stünde in keinem Verhältnis zu Prämien und Marketing-Effekt des Preises.

Ein Risiko, das die „John Rabe“-Macher eingegangen sind und das sich nun für die viersprachig in Shanghai gedrehte Produktion ausgezahlt hat: Neben der Spielfilmkategorie sind auch Florian Gallenberger für die beste Regie und Ulrich Tukur als bester Hauptdarsteller nominiert. Wie fragwürdig die Regeln aber sind, zeigt die Nominierung des Besten Nebendarstellers für „John Rabe“: Sie geht an den amerikanischen Schauspieler Steve Buscemi.

Die „Lola“ ist mit insgesamt 2,845 Millionen Euro Preisgeld der höchstdotierte Kulturpreis der Bundesrepublik. Allein die Nominierung eines Films in der Kategorie Bester Film bringt dem jeweiligen Produzenten 250.000 Euro ein, siegt er, erhält er noch einmal die Summe. Das Geld kommt aus Bundesmitteln.

 

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