14.11.11

Liedermacher Franz Josef Degenhardt mit 79 Jahren gestorben

Franz Josef Degenhardt

Foto: picture-alliance / / picture-alliance //picture alliance

Der Liedermacher und Schriftsteller Franz Josef Degenhardt ist tot. Der mit gesellschaftskritischen Werken bekannt gewordene Künstler starb am Montag im Alter von 79 Jahren in Quickborn.

Am 19. Dezember 2011 sollte im Berliner Ensemble ihm zu Ehren ein Konzert stattfinden, schließlich wäre er am 3. Dezember 80 Jahre alt geworden. Die Würdigung wird Franz Josef Degenhardt nicht mehr erfahren, der Schriftsteller und Liedermacher ist am Montag im Alter von 79 Jahren gestorben. Dies bestätigte sein Sohn Kai. Sein Vater sei friedlich am Wohnort der Familie in Quickborn bei Hamburg eingeschlafen, sagte Kai Degenhardt.

Mit seinen sogenannten "sozialkritischen" Liedern prägte Degenhardt die Protestkultur der späten 60-er und 70-er Jahre. Sein größter Erfolg war das Lied "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern", in dem er sich 1965 über das Bürgertum erhob. Aus heutiger Sicht ist dieser Ruhm beim Hören dieses Liedes kaum nachvollziehbar. So lässt sich seine einstige Popularität nur aus dem Zeitgeist erklären, der seine Etablierung als Liedermacher der linken Bewegung in der alten Bundesrepublik beförderte.

Politik gehöre für ihn in die Kunst, hatte der Liedermacher in einem Interview kurz vor seinem 75. Geburtstag gesagt: "Es ist ja kein Singen, kein Lesen, kein Malen außerhalb historischer Horizonte möglich. Es ist immer öffentlich, gesellschaftsbezogen und damit auch politisch."

Franz Josef Degenhardt legte rund 30 Alben und mehrere Textbücher vor. Außerdem verfasste er sieben Romane, darunter die 1975 erschienenen "Brandstellen". Am Rand des Ruhrgebiets, in Schwelm, am 3. Dezember 1931 geboren, wuchs Degenhardt in einer katholischen Familie auf. Sein Vetter war der konservative Kardinal Johannes Joachim Degenhardt (1926-2002), Erzbischof von Paderborn. Franz Josef studierte von 1952 bis 1956 Jura in Freiburg und Köln und begann eine Universitätskarriere. 1969 ging er als Anwalt nach Hamburg, verteidigte bei APO-Prozessen Sozialdemokraten und Kommunisten. Als Folge des "Unvereinbarkeitsbeschlusses" 1971 nach zehn Mitgliedsjahren aus der SPD ausgeschlossen, trat Degenhardt 1978 der DKP bei.

(BMO)
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