Jan Delay

"Brennende Autos sind auch Agitation"

Foto: dpa / dpa/DPA

Sein Herz schlägt immer noch für den schwarzen Block, auch wenn davon auf seinem Album "Wir Kinder vom Bahnhof Soul" nichts zu hören ist. Im Gespräch mit Morgenpost Online erklärt Sänger Jan Delay, was brennende Autos in Hamburg bedeuten und warum das Palästinensertuch "kein Scheiß" war.

Morgenpost Online: Herr Delay, können Sie das Phänomen "Jan Delay" erklären?

Jan Delay: Schwarze Mucke, schwarzer Block, schwarzer Humor und schwarze Zahlen.

Morgenpost Online: Wo bitte ist der schwarze Block?

Delay: Der ist immer da. Der ist hier. (Zeigt auf sein Herz) Und vor allem ist er auch da, wo der schwarze Humor ist.

Morgenpost Online: Auch in Hamburg brannten in letzter Zeit Autos. Man verdächtigt ja Leute aus dem autonomen Umfeld. Ist das ein Ausdrucksmittel, das für Sie nachvollziehbar ist?

Delay: Jeder braucht wohl sein Ventil und muss mal Druck ablassen.

Morgenpost Online: Ist das ein Ventil oder steckt da eine politische Message dahinter?

Delay: Für 50 Prozent der Leute ist es Entertainment und für die anderen wirkliche Agitation.

Morgenpost Online: Agitation wofür?

Delay: Gegen die "Welt am Sonntag" und fürs "Rote Flora Magazin".

Morgenpost Online: Es heißt, die neue Platte sei nicht so frech und gesellschaftskritisch.

Delay: Das nicht, es heißt immer, sie sei nicht mehr so politisch. Frech ist ein Scheißwort, aber allein, dass sie nicht mehr so politisch ist, ist schon superfrech. Ich mach ein Tanzalbum, was wollt ihr mit eurem Scheiß? Ich hab alles gesagt, warum soll ich mich wiederholen?

Morgenpost Online: Aber es kann ja auch sein, dass man plötzlich merkt, das mit dem Palästinensertuch war totaler Blödsinn, das muss ich jetzt mal richtigstellen.

Delay: Nein, das Palästinensertuch war kein Scheiß. Es ist nur scheiße, dass Honks aus irgendwelchen Vorabendserien das jetzt tragen, wenn sie ins Kino gehen.

Morgenpost Online: Wenn man einmal eine Nummer-eins-Platte gemacht hat, ist man dann süchtig nach mehr?

Delay: Es gibt ja nicht mehr. Man ist nur süchtig nach "Nummer einsen". Es stellt sich dann automatisch so ein Flash ein.

Morgenpost Online: Muss man Kompromisse eingehen, um auf Platz eins zu kommen?

Delay : Ich nicht, weil ich Popgeschmack habe. Und die Musik, die ich mache, ist nun mal die Musik, die ich höre.

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