26.09.11

Rosenstolz-Comeback

"Der Papst akzeptiert meine Art zu lieben nicht"

Zurück aus der Krise: AnNa R. und Peter Plate von Rosenstolz erinnern sich an Amy Winehouse und verraten, was sie von Papst Benedikt XVI. halten.

Foto: Zentralbild

Seit 1991 sind die Sängerin AnNa R. und der Singer/Songwriter Peter Plate Rosenstolz. Die beiden Musiker fanden nach der Wende in Berlin-Friedrichshain zueinander.

21 Bilder

Rosenstolz sind wieder da. Nach drei Jahren Zwangspause erscheint ihr neues Album "Wir sind am Leben" . AnNa R. und Peter Plate sitzen in ihrem Kreuzberger Studio und warten darauf, sich die nächste Zigarette anzuzünden. "Man muss hier immer viel rauchen", sagt AnNa R. "Das wird sich jetzt auch nicht mehr ändern." Ansonsten aber wollen sie um einiges kürzer treten. AnNa R. merkt man an, dass sie nicht nur über die Burnout-Probleme ihres Bandkollegen reden will, deswegen reden wir lieber über Amy Winehouse, ihre Künstlerfreundschaft, Berlin und den Papst.

Berliner Morgenpost : Zuerst die drei wichtigsten Fragen: Wie geht es Ihnen? Wie war der Urlaub? Sind Sie gerade verliebt?

Peter Plate : Mir geht es heute ganz gut, mein Urlaub war in Italien, es war super. Und ich liebe meine Katze.

AnNa R. : Mir geht's auch gut, ich war nicht im Urlaub und ich bin immer verliebt.

Berliner Morgenpost : Herr Plate, Sie hatten Ihre Auszeit in London genommen, hat AnNa Sie da besucht?

AnNa R. : Nee, was soll ich denn in London?

Plate : Ich bin ja extra nach London gegangen, um... naja, nicht um weit weg von AnNa zu sein, eher um mich dem Leben zu stellen. Aber das klingt jetzt ganz schön dramatisch.

Berliner Morgenpost : Wie war das Zurückkommen aus London?

Plate : Im Januar bin ich endgültig zurückkommen und seitdem monatelang hier. Das ist eine ganz neue Erfahrung, nachdem wir früher nur unterwegs waren.

Berliner Morgenpost : Was sind die Konsequenzen nach dem Neuanfang? Keine großen Konzerte mehr?

AnNa R. : Das überlegen wir uns, wenn es soweit ist. Was wir zusammen jetzt anders machen, ist, dass wir das Tempo etwas mehr rausnehmen, uns nicht mehr so durchhetzen. Musikmachen kann tödlich sein.

Plate : Das tut auch ein bisschen weh. Natürlich wären wir gern perfekt, nach dem Motto: "Alles ist super und morgen geht's wieder los." Aber dann wäre ich sofort wieder alle. Wir haben beschlossen, dass wir ja auch Spaß haben wollen.

Berliner Morgenpost : Das Album ist somit aus Spaß entstanden?

AnNa R. : Wir hatten wirklich nicht vor, ein Album zu machen. Mal kam Ulf mit einem Lied, dann Peter, aber ganz ehrlich: Die beiden können nicht so toll singen und dann fragten sie, ob ich nicht mal probieren möchte... Erst nach dem zehnten Song haben wir dann überlegt, ob wir nicht doch ein Album machen sollten.

Berliner Morgenpost : Und dann gleich so voller Pathos: "Wir sind am Leben"?

Plate : Der Titelsong hat auch mit Berlin zu tun. Ich wollte von London hierher fliegen und mein Flug wurde gestrichen, wegen der Aschewolke. Da bin ich zurück in meine Wohnung und habe mir ganz viele Fragen gestellt und die zu einem Lied zusammengesetzt.

Berliner Morgenpost : Der Song klingt auch nach einem Rückblick, einer Bilanz?

Plate : Nach 20 Jahren blicken wir schon auf eine lange Zeit zusammen zurück, ja. Unsere Anfänge waren schon sehr holprig. Unsere ersten drei Alben sind mehr oder weniger gefloppt, das vierte auch noch, wir wurden auch mal auf der Bühne ausgebuht...

AnNa R. : Ja, aber du erinnerst dich: Uns war das egal damals, oder? Wir wollten einfach auf der Bühne stehen und Spaß haben!

Berliner Morgenpost : Wo waren Sie gerade, als Amy Winehouse starb?

AnNa R. : Ich war zuhause und hab das über Videotext gelesen.

Plate : Ich habe nur gedacht, dass sie wirklich tolle Musik gemacht hat und es echt traurig ist, dass es da offenbar keinen gab, der sie stoppen konnte oder aus ihrer Not rausholt.

Berliner Morgenpost : Sagen Sie, kurze Frage zwischendurch, sind Sie eigentlich befreundet? Ihre früheren Aussagen sind da widersprüchlich...

AnNa R. : Also: Wir sehen uns oft, ja, aber wir unternehmen nichts zusammen. Wir waren zum Beispiel noch nie zusammen im Kino.

Plate : Nee, stimmt. Obwohl, ganz am Anfang waren wir mal zusammen in der Disko, weißt du noch?

AnNa R. : Ach! In der "Busche", wo ich beklaut wurde. Furchtbar... Heute gehe ich gar nicht mehr in Clubs. Ich tanze lieber zuhause. Wenn ich den ganzen Tag mit Menschen unterwegs bin, will ich abends allein sein. Ich mag nicht, wenn um mich zu viele Menschen sind.

Berliner Morgenpost : Also keinen Exzess? Wie kommt es zu der Zeile: "Ich liege im Aschenbecher"?

Plate : Das ist mir genau so passiert: Ich hab im Bett geraucht – soll keiner nachmachen – und bin tatsächlich in den Aschenbecher gefallen. Ich musste lachen und hab das in mein Notizbuch geschrieben: "Ich lieg im Aschenbecher".

Berliner Morgenpost : Ist das das persönlichste Lied auf der Platte?

Plate : Ja, auch das zieht ein wenig Bilanz, weil ich wir im Jahr 1994 das Lied "Die Zigarette danach" aufgenommen hatten, was ich auch gesungen habe.

AnNa R. : Ha! Die Rauch-Lieder singst immer du, weil du dabei rauchen darfst. Unverschämtheit!

Berliner Morgenpost : Im letzten Lied heißt es: "Ich bin zwar älter aber nicht geläutert." Dabei geht doch das Album um Läuterung?

Plate : Ich stelle für mich fest, ich bin noch genauso neugierig wie früher, es ändert sich doch nichts.

AnNa R. : Vor allem, muss man geläutert sein? Ist das denn nötig?

Berliner Morgenpost : Der Papst würde das schon sagen, er war ja gerade in der Stadt. Was sagen Sie?

AnNa R. : Nichts. Über den Papst rede ich nur mit Freunden.

Plate : Ich habe auf fast jedem Rosenstolz-Konzert über den Papst geredet. Weil er eben meine Art zu lieben nicht akzeptiert. Ich verstehe nicht, dass so jemand einen großen Bahnhof in unserem Land bekommt. Die Positionen, die er vertritt – zu Kondomen, Abtreibung, Selbstbestimmung – bei jedem anderen Staatsmann würde unsere Politik viele höhere Maßstäbe anlegen.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Obama in Berlin
Aktualisiert vor 11 MinutenUS-Präsident zu Besuch
Liveblog – Barack Obama im Ritz-Carlton angekommen

US-Präsident Barack Obama ist mit seiner Frau Michelle und den Töchtern Sasha und Malia in Berlin gelandet. Die Präsidentenfamilie hat im Hotel eingecheckt. Unsere Reporter berichten im Liveblog. mehr...


Ein Blick in die Präsidentenmaschine „Air Force One“
15:26Präsidentenmaschine
Obama in Berlin - Eine interaktive Tour durch die "Air Force One"

Die "Air Force One" ist die Maschine des US-Präsidenten. Über kein anderes Flugzeug gibt es mehr Geheimnisse. Wir zeigen, wie es im Inneren der berühmtesten Boeing 747 der Welt aussieht. mehr...


Sekunden vor der Landung: Auf diesen Moment haben die Fans der „Air Force One“ gewartet
22:00Obama in Berlin
Blick auf die "Air Force One" macht Planespotter glücklich

Sie warten und warten – auf den einen Moment. Planespotter haben sich am Flughafen Tegel versammelt, um Barack Obama landen zu sehen. Die "Air Force One" ist für viele das schönste Flugzeug der Welt. mehr...

BMO_ObamaLimo.jpg
19:57Interaktive Grafik
Die Staatskarosse des US-Präsidenten ist ein rollendes "Biest"

Bei der Sicherheit des US-Präsidenten wird nichts dem Zufall unterlassen. Seine Dienstlimousine ist wie ein fahrender Hochsicherheitstrakt. Daher hat es auch den Spitznamen "The Beast" - das Biest. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Rosenstolz – Musikduo aus Berlin
  • Die Gründung

    Das Musikduo mit Sängerin AnNa R. und Songwriter, Keyboarder und Sänger Peter Plate gründete sich vor 20 Jahren im Friedrichshain. Bei ihrem „Mondänpop“ wird fast alles auf Deutsch gesungen. Rosenstolz ist eine der umsatzstärksten Bands hierzulande.

  • Die Krise

    2009 hatte Plate einen Burnout, Rosenstolz musste die Tour abbrechen. Für eine Weile sah es so aus, als würde es kein 12. Album mehr geben. Die neue CD „Wir sind am Leben“ ist bei Universal erschienen.

Top-Thema

Aus dem Bett ihrer Suite im „Ritz-Carlton“ kann das Präsidentenpaar auf den Potsdamer Platz schauen
Obamas Hotel in Berlin

Hier übernachtet die First Familiy

Video Nachrichten mehr
US-Präsident So bereitet sich Berlin auf den Obama-Besuch vor
Berlin-Besuch Obamas Rede an der Siegessäule
Staatsbesuch In Berlin gilt höchste Sicherheitsstufe für Obama
USA Obama verteidigt Abhöraktionen der Geheimdienste
 
Top Bildershows mehr
Staatsbesuch

Von Kennedy bis Bush – US-Präsidenten in Berlin

Absperrungen

US-Präsident Barack Obama in Berlin

US-Präsident

Straßensperrungen zum Besuch von Obama in Berlin

"Ritz-Carlton"

Hier übernachtet Barack Obama in Berlin

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote