Boulevard der Stars

Stars greifen in Berlin nach den Sternen

Der Berliner "Walk of Fame" zu Ehren deutscher Film- und Fernsehgrößen ist eröffnet. Viele der Stars erschienen persönlich, um ihren Stern am Potsdamer Platz zu bewundern.

Wo Armin Mueller-Stahl draufsteht, ist auch Armin Mueller-Stahl davor. Lachend kniet der deutsche Hollywood-Star am Freitag vor seinem Messingstern auf dem roten Teppich Boulevard der Stars und neckt die Fotografen: "Draufzeigen!", fordern die. "Ach, ist doch eh klar, dass das meiner ist!", entgegnet der Schauspieler vergnügt. Um den Fotografen dann den Gefallen doch noch zu tun. Schließlich ist hier jeder stolz auf seinen Stern, selbst Weltstars wie Mueller-Stahl. Auch Regisseur Wim Wenders verbirgt seine Freude nicht. Effektvoll stützt er sich vor seinem Stern auf die Knie, reibt mit den Händen über das Messing und sagt scherzhaft: "Warum nicht? Ist doch meiner!"

Zuvor hat Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gemeinsam mit Filmproduzent Artur Brauner genau über dessen Stern unter Trommelwirbel das Goldene Band zur Eröffnung des 320 Meter langen Boulevards auf dem Fahrbahn-Mittelstreifen zwischen Potsdamer Platz und Sony Center durchschnitten. "Der Boulevard der Stars wird eine große Attraktion für Berlin sein", sagt Wowereit in seiner Ansprache. Und grüßt neben den Geehrten auch "alle, die erst noch einen Stern bekommen wollen". Ein Lacher für das Publikum.

Schließlich müssen die Stars sich einen Ehrenplatz auf dem neuen Berliner Boulevard hart verdienen – und das Urteil fällt am Ende eine Fachjury. Anders also als beim berühmten "Walk of Fame" in Los Angeles entlang des Hollywood Boulevard, wo Filmgrößen wie zum Beispiel Marilyn Monroe, Audrey Hepburn, Lauren Bacall oder Humphrey Bogart seit nunmehr 50 Jahren geehrt werden. Dort kann man sich mit einer Geldzahlung für eine Verleihung nominieren lassen.

Schauspieler Michael Mendl gefällt die Berliner Variante ohnehin besser: "Es ist für die Ausgezeichneten eine größere Ehre, wenn sie sich nicht selbst bewerben." Ihm selbst hat man hier noch keinen Stern gewidmet. "Aber ich würde ihn bestimmt nicht rot übermalen, wenn ich hier einen bekäme."

Die Chance besteht für Mendl: Insgesamt 150 Sterne sollen es einmal sein, jedes Jahr will die Jury sieben bis zehn weitere Stars aus dem deutschsprachigen Film und Fernsehen ehren. Bis zum Jahr 2021 etwa kann der Boulevard der Stars also noch erweitert werden, und "ein Denkmal für Berlin als Filmstadt" werden, wie es die Geschäftsführerin der Boulevard-Gesellschaft, Georgia Tornow gern sähe.

Regisseurin Doris Dörrie hat bereits zur Eröffnung ihren Stern auf dem Boulevard bekommen und mahnt am Freitag dennoch zur Bescheidenheit: "Wir sollten uns nicht so wichtig nehmen und nicht glauben, wir wären nun alle große Hollywood-Stars." Produzent Artur Brauner freut sich, dass er in Berlin auf dem Boulevard verewigt ist: "Ausgerechnet in dieser Stadt, in der ich an mehr als 200 Filmproduktionen mitgewirkt habe."

Vor dem anschließenden Galadinner übergibt Tom LaBonge, Distriktbürgermeister von Hollywood, Klaus Wowereit im Ritz Carlton ein Zertifikat der Stadt Los Angeles. Ein Gruß der Partnerstadt Berlins, der für Heiterkeit sorgt, weil LaBonge das gerahmte Papier zunächst verkehrt herum hält und das Missgeschick erst bemerkt, als allgemeines Gelächter aufkommt.

Zum roten Teppich aus Spezial-Granulat sind am Freitag auch Paul von Schell, der Witwer der großen Berliner Schauspielerin Hildegard Knef, Filmkomponist Klaus Doldinger und Hollywood-Kameramann Michael Ballhaus gekommen. Sie sollten nicht allein bleiben, denn auch Hunderte Berliner und Touristen sind zum Potsdamer Platz gekommen, um einen Blick auf die Stars und die Sterne zu werfen. Vorsichtig streichen zahlreiche Hände behutsam über das massive Messing, ebenso viele Augenpaare blicken in die sogenannten "Sterngucker", Spezialkameras, mit denen per Tricktechnik der geehrte Star hologrammähnlich über seinem Stern ins Bild projiziert wird – und das sich mit jeder Digitalkamera fotografieren lässt. Die Besucher zücken Handys und Digicams und können so mit Legenden wie der verstorbenen Hildegard Knef posieren.

Ein Besuch am Boulevard lohnt sich an diesem Wochenende ganz besonders: Die angrenzenden Kinos zeigen dieses Wochenende noch in Sondervorstellungen Filme von und mit den Geehrten, von der "Blechtrommel" mit Mario Adorf bis hin zur "Sünderin" mit Hildegard Knef.

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