Systematischer Massenmord
Baupläne der Hölle - Auschwitz-Ausstellung eröffnet
In der Axel-Springer-Passage in Berlin-Kreuzberg ist eine Ausstellung mit originalen Bauplänen des NS-Vernichtungslagers Auschwitz eröffnet worden. Sie stammen aus einer Sammlung von 29 Dokumenten, die im vergangenen Herbst bei einer Wohnungsauflösung entdeckt wurden.
Von Sven Felix Kellerhoff
"Unser Alltag kennt zahlreiche Formen der Darstellung des Leidens. Des Todes und des Schmerzes", sagte der frühere polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski bei der Eröffnung am: "Die Ausstellung ,Pläne von Auschwitz – Dokumente des systematisch organisierten Völkermordes' eröffnet aber die wohl am meisten erschütternden Einblicke in den Abgrund, auch wenn die Ausstellungsgegenstände scheinbar harmlos wirken. Oder vielleicht genau deshalb."
Mit diesen Worten eröffnete Bartoszewski, der selbst 1940/41 mehrere Monate lang in der Hölle auf Erden Auschwitz eingesperrt war, die Ausstellung in der Axel-Springer-Passage in Kreuzberg. Zu sehen sind in der Schau die wichtigsten von knapp 30 Originalbauzeichnungen des größten deutschen KZ und Vernichtungslagers auf polnischem Boden. Die Pläne waren im Herbst vergangenen Jahres überraschend in Berlin aufgetaucht; es handelt sich um die ersten derartigen Unterlagen, die jemals in Deutschland gefunden wurden, und sie werden zum ersten Mal der deutschen Öffentlichkeit gezeigt.
"Es mag stimmen, dass diese Ausstellung unser geschichtliches Wissen nicht mehr wesentlich bereichert und dass die präsentierten Dokumente im Museum in Auschwitz und in einem Archiv in Russland vorhanden und zugänglich sind", griff Bartoszewski Kritik an der Präsentation auf, um aber sogleich anzuschließen: "In Deutschland sind dies jedoch die einzigen Original-Exemplare der Baupläne." Daher erfülle die Schau eine "wichtige Aufgabe: sie erinnert. Immer wieder, aufs Neue."
Zuvor hatte schon Ernst Cramer, der Vorsitzende der Axel-Springer-Stiftung, gesagt: "Die Ausstellung ,Pläne von Auschwitz' ist ganz im Sinne Axel Springers, des Gründers dieses Hauses. Kein Tag verging in seinem Berufsleben, an dem er nicht an den Holocaust, besonders den Genozid an europäischen Juden dachte." Springer war entsetzt über die Untaten, die nicht nur in deutschem Namen, sondern von Deutschen begangen worden waren und die eine deutsche Regierung angeordnet hatte. Cramer wies darauf hin, dass Springer mehr als jeder andere deutsche Privatmann Wiedergutmachung leistete, wo immer es möglich war. "Aber er sagte auch wiederholt, dass es eine Wiedergutmachung im wirklichen Sinn des Wortes in diesem Fall nicht geben könne; man könne nur bitten, dass die andere Seite das hohe Gut der Versöhnung annehme."
Die bewusst kleine Ausstellung, die aus fünf Kuben besteht, führt die scheinbare Harmlosigkeit der Bauzeichnungen vor Augen, etwa des großen Krematoriums. Sie sind eine dauerhafte Mahnung – in Bartoszewskis Worten: "Auschwitz wird ein Symbol des unbegreiflichen Bösen und der unbegreiflichen Unmenschlichkeit bleiben."
Axel Springer-Passage, bis 27. Februar, täglich 8 bis 22 Uhr. Eintritt und Begleitheft kostenlos.
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