Nahost-Konflikt

Daniel Barenboim hält militärische Lösung für unmöglich

Der Generalmusikdirektor der Staatsoper Daniel Barenboim hält Militäraktionen für unwirksam um den Nahost-Konflikt zu lösen. Seine Forderung: Jeder müsse erst einmal die Logik der Position des anderen anerkennen. In seinem West-Eastern-Divan Orchester werde dies gelebt.

Die neue Gewalt im Nahen Osten ist für den Dirigenten Daniel Barenboim ein erneuter Beweis, "dass es hier nicht um einen politischen Konflikt geht, den man militärisch lösen könnte". "Es ist ein menschlicher Konflikt", betonte Barenboim wenige Tage vor dem Beginn einer Tournee mit dem von ihm gegründeten West-Eastern-Divan Orchestra am Montag in Wien. Gewalt und militärische Bestrebungen könnten für dieses menschliche Problem nie eine Lösung bringen: "Das ist, wie wenn man eine Krankheit im Fuß hat und Medizin für das Ohr nimmt."

Barenboim, der am Donnertsag das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker dirigieren wird, bekräftigte seine Ansicht, wonach zwei unabhängige Staaten im ehemaligen Palästina die einzige politische Lösung für die Region seien. Diese Lösung könne allerdings so lange nicht umgesetzt werden, "wie man den Konflikt nicht als das behandelt, was er ist: Es geht um die tiefe Überzeugung von zwei Völkern, dass sie das Recht haben, auf diesem kleinen Stück Land zu leben."

Die Tournee des 1999 von dem argentinisch-israelischen Dirigenten und Pianisten gegründeten West-Eastern-Divan Orchestras führt die jungen Musiker zum Jahresanfang von Katar unter anderem über Moskau und Wien bis an die Mailänder Scala. Barenboim hatte das Orchester, in dem auch zahlreiche junge Palästinenser musizieren, zusammen mit dem palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said gegründet. Das Orchester, so Barenboim, sei aus der Überzeugung heraus entstanden, "dass man erst durch Anerkennung der Logik der Position des Anderen den Konflikt lösen kann."