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12.02.09

"Bonjour Sagan"

Françoise Sagan als die morphiumsüchtige Rebellin

Sie fuhr schnelle Autos, liebte Glücksspiel und Drogen: Mit 18 Jahren veröffentlichte Françoise Sagan ihren skandalträchtigen Debüt-Roman "Bonjour Tristesse", eine Art "Feuchtgebiete" der 50er Jahre. Jetzt kommt ihre Filmbiographie "Bonjour Sagan" in die Kinos. Leider findet der Zuschauer dabei wenig Halt.

Schwarzweiß

Nicht nur ihr Erstlingsroman war ein Skandal. Auch Sagans eigenes Leben galt im Frankreich der 1950er Jahre als unkonventionell.

7 Bilder

Hier und da, hat die Schriftstellerin Françoise Sagan geschrieben, würden ihr fünf Jahre in ihrem Gedächtnis fehlen. Da war sie 61 und das Morphium, das Kokain und ihr schnelles, kurvenreiches Leben hatten die Landschaft ihrer Erinnerung in einen Flickenteppich verwandelt. Diane Kurys hat nun vier Jahre nach dem Tod Sagans deren atemberaubendes, skandalreiches Leben mit der fabelhaften Sylvie Testud in ein Biopic verwandelt.

Der Saganschen Biografie hat sie dabei die fleckige Erinnerungsstruktur gelassen. Das ist künstlerisch ehrenwert. Riskant allerdings ist es eben auch. Und so ist Kurys an ihren cineastischen Ambitionen leider ähnlich gescheitert wie Françoise Sagan an ihren autofahrerischen.

Bis man merkt, dass im rasend Episodischen, im Abgerissenen, Momentanen System steckt, dass Kurys die Geschichte eines Selbstverlustes erzählen will, hat man das Kino schon einige Zeit verlassen. Etwas orientierungslos und mit zwiespältigem Gefühl.

Es ist ein Hochgeschwindigkeitsbilderbogen, in den Diane Kurys das Leben der schwerreichen Bürgertochter Françoise Quoirez verwandelt, die sich aus Angst vor einem Skandal noch vor Erscheinen ihres Bestsellers "Bonjour Tristesse" (quasi "Feuchtgebiete" anno 1954, nur mit mehr Stil) und auf Drängen ihrer Familie Sagan nennen musste.

Sagenhaft reich wurde die 18jährige mit ihrem aufsässigen, autobiografischen Roman. Sie wollte das freie Leben, lebte es den Französinnen lange vor dem Feminismus vor und verlor den Boden unter den Füßen, weil sie die Freiheit, die sie hatte, nicht auszuhalten in der Lage war.

Sie verspielte alles, jagte der Liebe nach, ohne sie zu finden, überschlug sich in einem ihrer vielen schnellen Autos, mit denen sie vor sich weg fahren wollte, wurde im Krankenhaus morphiumsüchtig, erfand Saint Tropez und den Jet-Set der Sechziger und gab die Rebellin vor, die sie vielleicht gar nicht war.

Der rasende Bilderbogen hätte allerdings nicht nur rasend, sondern auch paradigmatisch werden können. Doch im selben Ausmaß, in dem Sagan, die ihre Geschichte im Rückblick und aus dem Off erzählt, die Orientierung und auch das Interesse an ihrem eigenen Leben verliert, im selben Maß wird man ihrer auch als Zuschauer müde. Man müht sich, die Lücken zu füllen zwischen dem Off-Kommentar und seiner Bebilderung.

Und verliert – was auch ein Biopic-Kernproblem ist, die eben doch nicht überall gleich funktionieren – leicht den Überblick, wo man sich gerade wann im Leben der Françoise Sagan und der Geschichte Frankreichs befindet.

Eine gute Biografie könnte man schon gelesen haben vor dem Kinogang. Dann – und nach der ergänzenden Lektüre von "Bonjour Tristesse" – könnte man sich den allerdings auch gleich ganz sparen.

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